Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1873)
- Date
- 1873-10-21
- Page
- Seite 707 (sequence 15)
- Language
- German
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707 der Frauen zurück, indem sie daö Geschick anklagte, und doch immer wieder die gläubigsten Ausrufe der kindlichsten Frömmigkeit von sich gab. Umher standen Männer und Frauen, Verwandte und Freunde, alle mit den Zeichen großen Schreckens und tiefer Trauer. Das Erscheinen des Assessors machte aus die Eltern auch nicht den geringsten Eindruck, während die anderen Anwesenden ftd> ehrerbietig erhoben, oder ihm Platz machten. Er gewahrte in der Ecke noch eine andere Gestalt. Es war ein junges, überaus schönes Mädchen, das zwar den jüdischen Typus an sich trug, aber in unbeschreiblicher Anmnth unk vollendetem Ebenmaß an Gesicht und Gestalt. 2ic saß in einem Winkel, hatte die Arme auf die Lehne des Sophas gestützt und das schöne Haupt in die Hände. Tie tiefe Trauer, die Spuren vieler vergessener Thränen, thaten ihrer Schönheit keinen Abbruch. Auch sie veränderte ihre Stellung nicht, als der Assessor e-ngetreren. Dieser wandte sich an den Rabbiner, der mit ihm in eine Ecke des Zimmers trat, und ihn mit den näheren Umständen bekannt machte. Ter Getedlete war der einzige Sohn dieser greisen Eltern; er hatte sie aus bitterer Armulh gezogeit, und ihnen ein frohes Alter bereitet. Das Mädchen war seine Braut, viel umworben wegen ihrer Schönheit, wenn sick auch einer unbemittelten Familie augehörle, und kein Vccfcr von ganzem Herzen ergeben. Diese Miuheilnng entging der Ausrnerksamkeit des Assessors nicht. Er fragte den Rabbiner, ob der Brautstand der jungen teilte schon lange gedauert, und erhielt die Antwort: sie hätten sich erst vor vier Wochen verlebt. Ferner: ob sich noch Andere, und zwar tii entschiedener Weise, um das " ädchen bewerben, und Dies etwa einigen Streit verursacht gehabt? Der Rabbiner erwiderte: Von Streitigkeiten habe er Nichts erfahren; als wirkliä en Bewerber könne er nur Ascher Feitel, den Eisenhändler, bezeichnen. Dies machte den Assessor sehr stutzig; denn dessen Namen hatte er ja schon vom allen Michel gehört. Er mußte dieser Sache, weiter nachspüren. Für. jetzt ließ er sich vom Rabbiner den nächsten Verwandten heranruscn, um mit den Beiden die Hinterlassenschaft des Ermordeten zu prüfen. Sie gingen in das benachbarte Zimmer, wo der Schrank stand, dessen Jener sich für sein Geschäft bediente. Dieser war bald durchsucht. Es fand sich in demselben eine Baarschast von einigen Hundert Thalern, ein mit jüdischen Vettern geführtes Geschäftsbuch und ein Hanse Briefe und Papiere. Diese sammt dem Buche nahm der Assessor in Berwahrsaln, und forderte den Rabbiner auf, der vereideter Tratislator war, ihn nach dem Gerichlshause zu begleiten, um die Papier-' zu untersuchen. .Fortsetzung folgt.) Die SMmtliiliner in Siebenbürgen. Daß eS in Siebenbürgen eine Seele giebt, deren Anhänger weder ganz Inten, noch ganz Christen sind, war längst bekannt, so wie wir auch in diesem Blatte vor einiger Zeit inittheilten, daß die Meisten derselben znm Iudenthnme völlig ubcrgetretcn, nachdem das Landesgesetz ihnen hierin kein Hinderniß mehr bereitete. Ueber diese sonderbare Seele und ihre (Geschichte erhalten wir in dem zweiten Jahrgang (für IST 1) des Beth lechem oder Jahrbuches zur Beförderung des Ackerbaues. Handwerks und der Industrie unter den Israeliten Ungarns von Ignaz Reich ausführliche Mittheiln'igen, ans denen wir das Interessanteste hier hervorheben wollen. Das Dorf Bözöd-Ujfalu in einem der siebenbürger Thäler ist der Hauplsitz dieser Seele der S;ö kl er - S a bba th i a n er, ivelche Jahrhunderte hindurch die furchtbarsten Bcrfolgungen standhast erlitten hat. Unter den o Seelen des Dorfes stud es!.'»<> Seelen in 2S Familien, welche sich bis zur neuesten Zeii herübergerettet haben. Aeußerlich gaben sie den Gebräuchen der christlichen Kirche, uameutlich der resormirlen,.uach, ohne sich ieeech in ihren Häusern von den augeuomiueueu peutatenchischen und jütischen Gebräuchen abhalteu zu lassen. Ihr Gesetzbuch ist der Pentateuch, ihre Gebete sind den Psaliueu und anderen altlestamenklichen Büchern entnommen. Der (Gründer dieser Seetc warein gewisser Pöesy Simon, den sic wie einen zweiten Moses verehren. Er warein Ungar, soll über 7<> Dörfer in Siebenbürgen besessen haben, zuerst eifriger Unitarier, dann Katholik gewesen sein, und schließlich durch die Liebe zu einer schönen Jüdin, die abermals Esther, hieß, zur Schöpfung dieser Seele gekommen sein. Es geschah Dies nach l<;oS. Die abenteuerliche Geschichte dieses Liebeshandels wollen wir hier übergehen. Pöesy bildete sich ein, die Anerkennung seiner neuen- Secte aus dem siebenbürger Landtage vom l. I-nli lfi:<8 erwirken zu können, -- hierin täuschte er sich aber gänzlich, vielmehr trat eine unerbittliche Verfolgung ein. Seine Güter wurden eonsiseirt, und er gezwungen, nach der Türkei zu flüchten, wo er Tireetor der ettomanischrn Slaatsernckorei wurde. Biele seine Anhänger wurden gemartert und getödtet, bis die nbriggebliebenen sich znm Scheine der herrschenden Kirche nieder anschlossen. So ezistirlen sie ruhig weiter, bis Maria Theresia 17r»n einen neuen Schlag gegen sie führte, intern durch Mönche und Militär die meisten Sabbathianerdörfer von der unitarischen .Kirche, der sie sich ergeben hatten, zur katholischen bekehrt wurden, so daß nur im Szökler Laute die Sabbalhianer übrig blieben, wo sie alle Leiden ertrugen, oder von wo sic nach der Türkei auSwanderten. Das Tolcranzedict Josephs II. 17So hatte dieselbe Wirkung für sie, und so ging cs bis ISlu weiter, namentlich unter Franz im Jahre 1817, 1827 und öfter. Ans der Beschaffenheit der Ansichten und Eeremenien dieser