Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1873)
- Date
- 1873-10-21
- Page
- Seite 705 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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705 Dem „Standard" gegenüber, der einige Beispiele conservativer Inden heranbringt, weist der „Epaminer" aus die Stellung hin, welche den Inden den Liberalismus zur Rolhwendigkeil macht. Wie gewöhnlich, geht das Blatt in seinem Eifer zu weit. Es führt z. B. Eastellar und Gambetla aus jüdische Abkunft zurück, worauf diese Männer einen Anspruch weder haben, noch macken. Dbschon nun das Bemühen des „Tablet" ganz erfolglos ist, so mußte dock Dessen auch in diesem Blatte Erwähnung geschehen, um die Situation in unserer Zeit vollständig erkennbar zu machen. Serbien. Belgrad, Del ober. Bon hier wird dem „P. ge-' geschrieben: Unser Fürst wird nächste Woche zurückerwartel. Wie man glaubt, wird die fürstliche Regierung, rem Bersprechen des Staatsoberhauptes gemäß, sich mit der hiesigen Indenfrage eingehend beschäftigen. So viel steht fest, nachdem die Israeliten auch in Eroatien und Slavonien gleichgestellt sind mit ihren christlichen Mitbürgern, ist auch in Serbien die Iudenemancipation eine Frage geworden, die sich von selbst an die Tagesordnung drängt. Erstens ist doch Serbien ein eonstitutioneller, fortschrittlicher Staat, und zweitens ist cs fast unmöglich, daß die Ideen der Neuze.it, welche der Gleichberechtigung der Inden die Wege geebnet, an der unteren Donau stehen bleiben sollen. Semlin kann und wird nicht die letzte Station sein, über die hinaus man noch immer mittelalterlichen Rechtsverhältnissen des jüdischen Bolkes begegnet. J e n i l Der Judenteich. Eine Erimiualgeschichte erzählt von v. Schr. III. Der Gang durch den Wald war erfolglos. Wohl konnten der Assessor und sein Begleiter die Stellen erkennen, wo die beiden Borbrecher durch die Brombeergesträuche gedrungen waren. Hinter diesen aber hörte jede Spur auf: der glatte Rasen auf einem Eichenkanip haue kein Merkmal zurückgelasseu. Sie nahmen daher ihren Weg durch den Wald nach deni Kruge, und der Assessor benutzte diese Frist, um den Polizisten über die Berhältnisse des Ermordeten näher zu befragen. In der weitschweifigen Weise, wie diese Rute zu erzählen pflegen, berichtete dieser feinem Borgesetzleu, das; Reser jetzt ungefähr H<> Jahre sein mochte, daß er von armen Eltern sei, aber frühzeitig zu handeln angesangen, zuerst als gewöhnlicher Hausircr, dann, nachdem er sich durch Fleiß und Sparsamkeit Etwas erworben, als Zwischenhändler bei kleineren Wollkäusen. Hiereurck sei er in die Höhe gekommen, und habe wohl schon eine ziemliche Summe Geldes sein genannt, so daß er den Geschäsislemen Borschüsse machen konnte. Musterhaft wäre sein Betragen gegen seine Ellern gewesen, die er nicht alleiit ernährt, sondern sorgsam gepflegt hätte. Auch habe mau ihn niemals in einem Winhshanse gesunden, es sei denn, daß er daselbst Geschäftsfreunde ausgesucht. Zänkereien und Händel hätte er nie gehabt. Er toäre fleißig in den Gottesdienst gegangen, wie Dies bei den Inden Sitte fei. Kurz, der Mann war über den Unglücklichen des?obeö voll; doch gingen dem Assessor aus allem Dem keine wirtlichen Anhaltspunkte für Das, was eben geschehen, hervor. Sie kamen jetzt dem Kruge näher. Es war ein trostloser Drt. Britten in einen! endlosen Tannen- und Fichtenwalde stand das Gehöft in einem durchaus vernachlässigten Zustande; Alles l e 1 o n. verfallen, oder vor dem Berfall dürftig ansgebessert, von einem kleinen Garten begrenzt, in welchem sich taö Unkraut mit dem Sande um den Borrang stritt. Aber es war doch kein einzelnes Haus, sondern Rebengebäute und Ställe schlossen sich an die Hütte, welche die Fronte einnahm, so daß der prüfende Blick sich sagen mußte, daß es hier der Schlupfwinkel und Berstecke viele geben müsse. An dem Hause, sowohl an der Borderals an der Hinterseite, liefen und kreuzten sich verschiedene Wege, deren meiste freilich nur schmale Fußpfade waren, die sich schnell in den dunklen Wald versenkten. Der Assessor fand zwar nickt, wie die beiden Bauern am Tage zuvor, das Haus leer, doch nur den Wirth und die Wirthin anwesend. War es Berstellung, oder wirtlich so? sie gaben vor, von rem Borgange am Teiche Richts zu wissen, zeigten sich überrascht von dem Erscheinen der Gerichtspersonen, erschrocken über das Verbrechen, das in ihrer Rähe geschehen, und das sie für ihre eigene Sicherheit zittern ließe. Sie seien den ganzen gestrigen Tag auf dem Jahrmärkte in R. gewesen, und heute hätte noch Riemand bei ihnen vorgesprochen. Ausfallend war es dem Assessor, als er diese Rute sich besondere Mühe gebe» sah, ihm und dem Polizisten die Sachen zu zeigen, die sie auf dem Iahrmarlt gekauft hätten, ein Waschfaß, einige Eimer, Krüge, Kleiderzeuge, sämmtlich freilich von keinem großen Werlhe. Es schien den Wirthsleuten sehr viel daran gelegen zu fein, die Beamten zu überzeugen, daß sie viel auf tern Jahrmarkt zu thnn gehabt, zu welchen! sie in frühester Morgenstunde aufgebrochen fein wollten. Man ries das kleine Mädchen herein, das auch mittheille, wie Klaus und Jürgen dagewefen, weiter Riemand. Auf die Frage, wie die Eltern das Kind hätten allein lassen können? lautete die Antwort, daß eine Muhme von Walpitz ganz sicher habe früh Morgens kommen wollen, um das Hans und das Kind zu bewachen, unerklärlicher Weife aber dennoch ausgeblieben sei. Ter Assessor hätte gern eine genaue Hausunlersnchnng vorgenommen, aber er