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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-21 · Heft 43 (21.10.1873) · p. Seite 703

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 43 (21.10.1873)
Date
1873-10-21
Page
Seite 703 (sequence 11)
Language
German
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703 Herr l)r. Eduard Lang, ein Israel«, wurde zum außerordentlichen Professor für Hautkrankheiten an der medieinischen Faculläl der Universität in JnSbruck «im Laude der Glauben Seinheir, in Tirol!) ernannt. Wie ich hervorheben will, wirkt an der insbrucker Universität noch ein anderer Israelit, Herr l)r. Manthner, Professor der Augenheilkunde. Lemberg, 0. Dclober. Die ersten Wahl m ä n 11 c r w a tzlen in den oftgalizischen Wahlbezirken sind nach übereinstimmenden Miltheilungen in Folge des einträchtigen Borgehens der Ruthenen und Israeliten beinahe durchgehend»? zu Gunsten der B erfassungspar lei ausgefallen. Die polnische Partei ist hierdurch stark beunruhigt. Der Dzienuik Polski schreibt: „Unsere Gegner haben jetzt gezeigt, daß sie inehr politisches Berftändniß, als unsere Führer haben, welche bloS unablässig von dem Bündnisse sämmtlicher anti-centralistischer Parteien schwärmen." Lemberg, 7. Detober. In den Landgemeindebezirken von Radziechow und Nadworna sind ebenfalls nur Ruthenen und Israeliten zu W a h l m ä n n e r n gewählt worden. Bon der Polenpartei werden bereits in den meisten Wahlbezirken Proteste gegen die Wahlen vorbereitet. Lemberg, H. Detober. Ter Dberrabbiner von Lemberg, Joseph Nathansohn, versendete an sämmtliche Rabbiner und Borsteher der galizischen Judeugemeinden Circulare, in weldu'ii dieselben ausgesordert werden, dahin zu wirken, daß die jüdischen Wähler ihrer Gemeinden solidarisch für die vom Indeneentraleomitö empfohlenen Candidaten stimmen. Frankreich. Paris, 7. September. Ein Haupteinwand, welcher gegen die Wiederherstellung des Königthnms in der Person Heinrichs V. selbst von solchen, die keine principiellen Gegner der Monarchie sind, erhoben wird, ist der, daß mit Heinrich V. der Ultra m o n t a n i S m n S seinen siegreichen Einzug in Fraukreich ballen, und die französische Politik in die verhängnißvollsten Bahnen drängen würde. TaS „Journal des Tebats" schreibt in dieser Hinsicht: „Die monarchische Restauration, an welcher Ulan arbeitet, beunruhigt nicht nur die Republikaner; sie flößt auch allen Anhängern der durch die unsterbliche Revolution von 17V.) geweihten Freiheiten gerechte Besorgnisse ein. Niemand bezweifelt, daß sie zum Bortheil der ultra mvnta neu Partei, ihres wahren Anstifters, vor sich gehr. Rom, der Batiean hält alle Fäden der Intrigne; ans rem Gesn erfolgen die Loosungsworle, denen die roualistische Phalanx gehorcht, und welche die Pilger von Rolredame de Liesse und Parah-le-Monial in Bewegung setzen. Bon allen Freiheiten, welche unsere Bäter mit Mühe errungen haben, wäre keine von der zweiten Restauration mehr bedroht, als die Gewissensfreiheit. Es darf also nicht überraschen, daß aus die geräuschvolle Kunde von der bevorstehenden Ankunft jenes neuen Messias, der sich einstweilen noch in seiner FrohSdorser Zurückgezogenheit anshält, Alle, welche mit Leib und Seele an rem Fortbestände dieser Freiheit ein Interesse haben, sich beunruhigen und zur Wehr setzen. Das „UniverS" wunden sich z. B., daß die Protestanten und Israeliten öffentlich ihre Besorgnisse und ihr Mißtrauen gegenüber dem Shllabuö anssprechen, der sich vor ihnen aufrichtet. In einem kürzlich erschienenen „Ausruf an die Protestanten" hat inan an den Widerruf des EdictS von RameS und an die Dragonnaden erinnern zu dürfen geglaubt, und auch die „Archiven isrnülitüs“ haben in ihrer Nummer vom 1.7. September auf die Gefahren hingewiesen, mit welchen die Wiederherstellung einer dem heiligen Stuhle unbedingt ergebenen Monarchie alle außerhalb der. römischen Kirche Lebenden bedroht. DaS „UniverS" entrüstet sich auch über die angeblichen Feinde der Kirche, welche, wie eS sagt, „dieselben Gründe haben, auch die Feinde deS französischen Königthumes zu sein." Das klerikale Blatt irrt sich. Weder die Protestanten, noch die Israeliten, noch selbst die Deisten und Freigeister find die Feinte der Kirche; sie sind nur die Freunde, und nöthigen falls die Berlheidiger der Gewissens- und Eultusfreiheit. Dieser allein sind sie zngethan. Es liegt ihnen wenig daran, ob der Shtlabns mit dem heiligen AmbrosiuS die Mcinung deö JovinianiömnS vernrtheilk, daß der jungfräuliche Stand über den Ehestand gehe, oder ob er diese oder jene Maxime,, welche der Natur oder dem öffentliche» liechte widerspricht, als Wahrheit hinftellr. Die Glaubenssätze und Tecretc der römischen Kirche wären ihnen sehr gleichgültig, wenn nicht der gebieterische Geist dieser Kirche, die nach dcni AnSsprnche Anton Arnaud'S von der „Ketzerei der Herrschsucht" besessen ist, es unternähme, die politischen und bürgerlichen Gesetze diesen Glaubenssätzen une Teereten anzupassen und unlcrznordnen. Kinder der Freiheit und von ihr allein lebend, haben die abweichenden Bekenntnisse durchaus keine Feindschaft gegen die Religion der „Mehrheit der Franzosen"; sie verlangen nur ihr Recht, nicht mehr und nid« weniger, und eben weil sie einigen Grund zu der Besorgnis; haben, daß raS Königthurn res Syllabus an dieses "Recht Hand anlegen könnte, suchen sie, diese Gefahr zu beschwichtigen. „Sie wissen," sagt das „Univers", „daß mau die Israeliten und Protestanten eben so wenig zwinge» wird, sich zu bekehren, wie die Protestanten, zur Beichte zu gehen." Wir wollen es hoffen. Aber wir erinnern uns doch der Zeit, wo die Rectoren der Akademie die Professoren mittelst RnndschreibenS „cinluden", in die Messe zu gehen, und wo einer von ihnen dieselben einzeln in sein Eabinel, wie vor einen Beichtstuhl. rief, um sie wegen ihrer Ansicht über die Existenz GotteS und üb-'r das künftige Leben ansznsragen. Um jene Zeit verweigerte man Herrn Taine einen Lehrstuhl der Philosophie und 12*

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