Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1873)
- Date
- 1873-10-21
- Page
- Seite 701 (sequence 9)
- Language
- German
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701 zugeben müssen, dieselbe ihnen gegenüber nie verletzt." Es ist immer schlimm, wenn man zuviel beweisen will. Der Geschichte so ins Angesicht zu schlagen, dazu gehört mehr als Muth. Was diese Partei unter Freiheit aller (Konfessionen und Gleichberechtigung versteht. TaS hat doch der Syllabnö genügend proclamin, und steht täglich in den uliramontanen Blättern aller Länder unumwunden zu lesen. Absichtlich oder unabsichtlich folgt dann eine vollständige Entstellung der Wahrheit. Das „Wort" behauptet, das Gesetz über den Austritt aus der Kirche solle jetzt erst auf das Indenthum übertragen werden, auf Baslers Antrag sei bis jetzt das Iudemhum nicht unter die Bestimmungen des angeführten Gesetzes gestellt, so aber werde es nicht bleiben. Die gläubigen Israeliten werden daher aufgefordert, nachzurenten, was dann aus den Gemeinden werde. Die Juten werden daher aufgerufen, bei den Wahlen für die katholische Bolkspartei zu stimmen. Bekännlüch findet das gerade Gegentheil von. allem Dem statt, was hier gesagt worden, nur die Schlnßfolgerung ist daher auf einen grundlosen Loden gestellt. Es ist nicht zu leugnen, daß die Juden gegenwärtig ebenso von den Radiealen, wie von den Ultramontanen bekämpft werden. Gerade Ties aber macht unsere Position klar. Die zeigt uns unzweideutig auf den aufrichtigen und rationellen Liberalismus hin. Bonn,! 2. Detober. lPrivatmilth., Der in Nr. 33 befindliche Artikel, welcher eine kurze Besprechung des ersten Hirtenbriefes des altlatholifcheu Bischofs Neinkens enthielt, wurde von einer großen Anzahl nltramontaner Blätter wiedergegebcn. Dies erregte den Unwillen der anderen Partei, und zog uns, — abgesehen von Inseraten, die wir nicht beachten. -- eine Erwiderung in der altkatholischen Zeitschrift „Deutscher Merkur" Nr. 3!» vom 27. September zu. Hiergegen hätten wir Nichts einznwenden. Ueberhaupt wird, wer unser Blatt liest, uns nicht die Absicht insinuiren, dem Altkatholieisinus irgendwie entgegenznlreten. Ebensowenig stehen wir in irgend einer Berührung mit der Person des Bischofs Neinkens. Wir sprechen stets unsere Meinung, sobald wir dazu uns angeregt fühlen, nach rechts oder links möglichst objeetiv aus. Die Erwiderung des „D. M." geht aber nur aus das Persönliche ein, und daruni bekars es hier einiger Worte der Abfertigung. Ter ,,D. M." will nämlich nur erklären, wodurch wir unS zu jener Auslassung bewogen gefühlt hätten. Er meint, wir litten „an der Schwachheit, an jeder md)t ganz schmeichelhasten Aeußcrung von christlichen Dchriflstellern über irgend Etwas, was mit dem Iudenthnme irgendwie zusammenhängt, gewaltigen Anstoß zu nehmen", und weil nun Bischof Reiukeus auch auf die jüdischen Priester losschlug, daher „alle Thränen des Di-. Philippson." Wir glauben nicht, daß in unserem Artikel etwas von „Thränen" vorgekommen ist, kenn wir haben im Gegentheil nur die Galle getadelt, welche in diesein ersten Hirtenbriefe so reichlich erfloffen ist. Fürwahr, uns gehen die jüdischen Priester an sich Nichts an. Wir sind dieselben seil I > Jahrhunderten los, und daö Zudenthnm Hai sich rabei nicht übel befunden. Was wir bekämpfen, ist, daß man immer wiederholt für die Sünden späterer Priestcrschaften die jüdische verantwortlich machen will, und zwar gerade für solche Sünden, die sie niemals begangen haben. Wir halten es allerdings für unseren Berns, nachzuweisen, daß das Inkenthnm von schweren Irrlhümern frei gewesen, in welche spätere Geschlechter verfallen sind, und die jetzigen immer wieder zu verfallen scheinen. Demi da Bischof Neirikens selbst wieder ein Bischof geworden, ein eeuseerirter Bischof mit Krummstab und Mitra, rer seine Heerde „unter die bischöfliche Leitung" nimmt, auch, wie seine Nede aus der eoustauzer Bersammlung erwies, mit der linken Hand die Eeusur wieder aufuimmt, die er mit rer rechten eben von sich gewiesen, und;. B. seine Heerde vordem N'scri des Alien Testamentes ernstlich verwarnte, — so fanden wir cs ausfällig, daß er seinen ganzen Zorn gegen die Priester wandte, und hierin die Erbauung seiner Heerde suchte. Im Uebrigeu ist wohl die Beraulassung jenes unseres Artikels für die Sache gleichgültig.. Es mußte vielmehr dem „D. M." gelten, die darin ausgesprochenen Meinungen zu widerlegen, llud Dies hat er mit keinem 'Worte versucht. Wir lieben nun einmal keine Masken, und glauben, daß die Menschheit. gegenwärtig so weit gelangt ist, in dauernder Weise nur auf dem offenen und geraden Wege vorwärts gebracht werden zu können. Breslau, Dttober. Am 7. d. verschied atlhier der Buchhändler Hugo Sk nt schwer Inhaber der Sck'letterschen Buchhandlung. An ihm verlor eie jüdische Literatur, und die orientalische überhaupt, einen sehr eifrigen und uneigennützigen Beförderer. Krotoftbin, 5. Detober. 'Pos. Ztg.) Am Borabende des Bersöhnungstage>'. am 3«». v. M., kam der hiesige Branereibesitzer Z. in die hiesige Synagoge und benahm sich in einer Weise, daß rer Tbürsteher ihn hinausnöthigte. Z. ging lneranf nach Hanse, holle seine Doppelflinte, kam in Begleitung zweier Hunde zur Synagoge zurück und feuerte daselbst zwei Schüsse ab. Zum Glück batte bereits der größte Tbeil der Betenden die Synagoge verlassen. Die Schüsse, eine halbe Stunde früher abgeseneu, bä Neu vielleicht eine schlimmere >iatasttepl)e herbeiführ.'n können, als sie vor Jahresfrist in der eslrowoer Synagoge sich ereignete. Die eingeleitete Untersuchung wird das Nähere ergeben. Speyer, 2s. September. iPrivatnütth.i Der so oft gerügte Unfug der Gewohnheitsbcttelei bei den Inten niederer Elaste hat nicht allein nicht ausgehört, sondern ist in den lebten Jahren vielmehr gewachsen. Allerrings können wir um. Befriedigung sagen, daß in unserer Pfalz die heimischen Bettler sichtbar abgenommen haben. Fleiß und Ehrgesübl, durch einen besseren Iugendunterricht genährt, haben sich überallhin ausgebreitet. Dagegen nimmt der Zufluß der polnischen Bettler in -13