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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-21 · Heft 43 (21.10.1873) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 43 (21.10.1873)
Date
1873-10-21
Page
Seite 698 (sequence 6)
Language
German
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698 Hülsen, die von selbst abfallen. Niemals ganz; denn der Mensch kann ihrer niemals ganz entbehren. Zn denselben Afseeten bildet sich ihm dieselbe augenblickliche Stimmung, Gefühls- und Getankenreihe, dieselbe Aussaffnng, die mit dem Asseete vor der Klärung des Verstandes und des Herzens mehr oder wertiger wieder verschwindet. Auch des anlhrvpomorphistischen AuSdrnckS können wir uns niemals ganz entfchlagen. DieS ist um so gerechtfertigter, indem der GotteSbegriss nicht bloS eine Abstraction sein, sondern dem Herzen und der Einbildungskraft ebenso, wie dem Verstände angehören und in ihnen wirksam sein soll. Nur dann ist er lebendig. — Das spätere Zudenthum ist demselben Gange gefolgt. Es hat die reinen, höchsten Begriffe von Gott, wie sic ihm überliefert waren, bewahrt und von Geschlecht zu Geschlecht verpflanzt; nicht minder aber der nationalen und zeitlichen Auffassung Raum gegeben, anders in vielen Einzelzügen, ganz ähnlich in den Hanptzügen, wie in den früheren Perioden. Aber was daö Verdienst, das unsterbliche Verdienst auch des tal-° mudischen und rabbinischen Zudenthums ist, daS besteht 1) darin, daß es den wahren und echten Kern des Monotheismus dennoch stets von allen diesen Schalen und Hülfen unterschied, und 2 t daß es auf Normirung von Dogmen, welche unveränderlich das Glaubensbekenntnis; deS IukenthumS auömachen sollten, sich nie einließ. Schließlich sagte jenes Zudenthum, daß jeder Jude, so lange er das „der Ewige ist einzig" bekenne, als Jude anzusehen ist, in welchen anderen Beziehungen er sich auch abfällig erweise, — ganz ebenso wie das „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" das eigentliche Gesetz, alles Andere nur Erläuterung sei. Allerdings begegnen wir außer jenem Fnndamentalfatze noch einigen wenigen Dogmen im Talmud; niemals aber wurden sie von ihm zu einem 'Dcteuutuiß^gesammetl, und als ein solches dem Zuden alö dessen Signatur abgefordert. Wenn späterhin eine solche Formet (von Maimouideö) ausgestellt wurde, so erhielt sie doch keine wirkliche Saneüon, wurde von Anderen bestritten unv umgeänccrt, und nahm eine entscheidende Stellung niemals ein. Man mag sich also von vielen Seiten noch so sehr sträuben: der wahre und echte Monotheismus hat seine geschichtliche, unzweifelhafte und dauernde Begründung allein im Zndenlhume, und wenn auf dieses die entwickelte BerstaureScultur immer mehr wirkt, um daö Nationale, Zeitliche und Anthropomorphistischc in Anssassung und Ausdruck, sotveik cö dem vernunftgemäßen Verständniß des monotheistischen GotleSbegrisseS widerspricht, abzustreifen, so vermag der Gottglaube nur in ihm seine geschichtliche und traditionelle Duelle zu finden, und aus dasselbe allein sich dauernd zu stützen. Dies ist daö Ziel. Literarischer Wochenbericht. Gr. BecSkerek, 8. October. "ONb 'niixbN 2Nrcnfit:; p pvr: The Ih>ok of Ilebrow Koots, by Abu’l-Walid Manvän Iben Janfili, otlierwi.se called Kabbi Yonäli. Now tust edited, witli an Appendix, containing Extracts froui otber Ilebrew-Arabic Dietionaries, Ey A d. Neubauer. Faseicnlus I, Oxford: At the Clarendon Press 1873. Publishers to the Umversity ok Oxford. 4. 336. Das wissenschaftliche Studium der hebräischen Grammatik und Lexikographie, dessen Anfänge bis in die dunkle Zeit der Einführung des Pnnktationssystelns, oder sogar bis in die älteste Masioraperiode hinaufreichen, erhielt plötzlich durch das bahnbrechende Genie zweier Männer eine solche vollendete Ausbildung, die wohl, zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Geschichte der Wissenschaft gezählt werden darf. R. Zehuda Ehajug und R. Jona Iben-Gau ach erhoben die hebräische Grammatik und Lexikographie zu einer solchen Stufe der Vollendung, daß deren Nachfolgern hierin Nichts zu thun übrig blieb, als die Resultate der Meister zu samiueln und zu excerpiren, zu ergänzen und zu verallgemeinern. 9t. I o n a Z b e u - G -i n a ch, das vollkommenste grammatische Genie der Zriden im Mittelalter, igeb. um gest. um 10o<>) wurde von keinem jüdischen Sprachforscher im Laufe der Jahrhunderte überlrossen und überflügelt. Selbst R. David Kimchi, dessen granunatische und lexikalische Schriften Jahrhunderte hindurch das Feld allein behaupteten, blieb nur darum so lange auf diesem-Gebiete Alleinherrscher, weil er glücklich die Ergebnisse der Untersuchungen seiner Vorgänger und namentlich die schöpferischen Vciftungcn des R. Jona zu vor-, wcrlhen und zu verarbeiten verstanden hat. Merkwürdigerweise theilte R. Jona das gleiche traurige Geschick mit vielen großen Männern der Geschichte, das; seine glänzenden Verdienste von dem Epigonengeschlechte, das ihn weidlich ausbeutete, völlig in Schatten gestellt wurden. Denn bei aller hohen Bedeutung und Wichtigkeit seiner Arbeiten fanden dieselben, thcils weil sie in arabischer Sprache verfaßt, wenig Verbreitung. Erst der. kritische Gei ft unserer Zeit, der unabhängig bemüht ist, ans die Duellen und Urschriften überall zurückzugehen, stichle den ältesten jütischen Grammatikern und Lexikographen gerecht zu werden, und endlich auch dein eigentlichen Begründer dieser Wissenschaslen, R. Jona Jben-Ganach, die verdiente und gebührende Ausmerksanikeit zu zollen. Dukes und Ewald traten zuerst mit den „Beiträgen zur Geschichte der ältesten Auslegung des A. T.", Stuttgart 1844, hervor, denen sich gleichzeitig S. Stern mit rer Herausgabe des Aruch von R. Sal. Parchan, Preßburg 1844, — größtentheilö eines Auszuges deö Kitäl-nl-Ussul, — anreihete. Vor Allen aber gebührt der Ruhm S. Munk, welcher in seiner .klassischen Notiee 8ur Abou'IAValid Iben Djaiiah. Paris 185U, R. Jona

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