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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-21 · Heft 43 (21.10.1873) · p. Seite 697

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 43 (21.10.1873)
Date
1873-10-21
Page
Seite 697 (sequence 5)
Language
German
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697 neuerbauten Synagogen, deren Kosten nur zu einem kleinen Theile bezahlt sind. Möchten sich doch unsere christlichen Mitbürger endlich überzeugen, wie es tatsächlich um den vermeintlichen Neichchnm und den wirklichen Nothstand der jüdischen Gemeinden steht. Ans den Berichten ergiebt sich ferner folgendes wichtiges Resultat: „Rur in Berlin, Frankfurt a. M. und Wiesbaden bestehen separatistische Gemeinden, deren Gottesdienst erheblich von dem abweicht, welcher in den Gemeindesynagogen stattsindet. Die Gesa mm tgemeinde Berlin hat 350 t 3 Seelen mit <>2ou beitragenden Mitgliedern, die Reform gemeinde daselbst hat ISO, die Gemeinde Adas Israel, deren CultuS mit dem der alten Gemcindesynagoge wesentlich übereinftimmt, einschließlich mehrerer auswärtiger Mitglieder, etwa lim Mitglieder. In Frankfurt a. M., welches 2000 jüdische Familien mit 0000 Seelen hat, zählt die separatistische Bereinigung 130 Mitglieder, und in Wiesbaden, welches 2!0 Familien mit 0-15 Seelen hat, 33 Mitglieder." Der Unterrichtete kannte die Unbedeutendheit dieser ganzen Erscheinung''*, sehr wohl, welche jedock) dem Uneingeweihten durch das große Geschrei der Wortführer in abenteuerlichen Dimension neu erschien Was ist das Ziel? «S ch l u ß.) Run aber müssen wir versuchen, nno die ganze Situation, klar und anschaulich zu machen. In der gesamnneu gebildeten und wissenschaftlichen Welt finden wir gegenwärtig drei getrennte Vager. In dein einen schaareu sich Alle, welche strenggläubig ihrer Kirche oder Confession anhangen. Getrennt von Diesem erstreckt sich das Vager Derer, welche im Gewühls der politischen, socialen und industriellen Bestrebungen und im Getreide oberflächlicher philosophischer und naturwissenschaftlicher Begriffe und Theorieen eine religiöse Ueberzeugung verloren haben, nnv an sich darbieteuee Stücke bald res Pantheismus, bald' des Materialismus sich klammern. Tiefen gegenüber erhebt sich das Tritte für alle Diejenigen, welche trotz jenes Gewühles und Getreides den Gottglauben festhalteu, und ihn aus ihrem Berstattdc, wie aus ihren, Herzen stärken und sichern. Sehen wir einen Augenblick von der kirchlichen Partei ab, so trat in der langen Reihe der Lehrer und Berlheidiger des SkepticisiunS als der jüngste Vertreter Strauß ein, während ebenso unter den zahllosen Vorkämpfern des reinen und echten Gottglaubens jüngst Frohschammcr daS Wort genommen. Was spricht tiefer nun * 272 Mitglieder unter einer balben yjtiüicn deutscher Juden! Rcdaction. als seine Meinung aus? Ter Fundameutalsatz teS Christenthums sei die Lehre von dem „einen persönlichen Gotte." Dieser Monotheismus müsse sestgehalteu unk von ihm ans ras Christenthnul reformirt tvereen, indem aller Dogmenzwang, besonders das Dogma von der Göttlichkeit Christi, ausgehoben werde. Wir haben es also hier allein mit dem Lager der rein Gottgläubigen, der Monotheisten zu thun. Hier aber ist es, wo wir in völliger Unparteilichkeit auf die Seite der christlichen Kirchen treten müssen. Ein Christenthum, ein ursprüngliches Chnsteuthum. zu welchem man zuruckkehren wolle, indem man das Grunddogma von der Göttlichkeit Christi beseitigen und die hieraus sich ausbauendetl ankeren Dognien aufheben will, ist geschichtlich völlig unbegründet. Inwieweit die verschiedenen Kirchen jene Dogmen entwickelt, fijirt und fermulirt haben, geht uns hier durchaus Nichts an. Aber das Chriftenchum ohne diese dogmatische Unterlage, ohne, allen diesen bogmattschen Inhalt begreifen und als solches festhalteu wollen, erscheint nnö als bloße Willkür. Dies ginge über Alles hinweg, was von den Aposteln übrig geblieben. Die bleibende Urkunde des Christenthums wird stets das Neue Testament sein, und in allen Theilen desselben wird der „Sohn" mit dem „Vater'-' -identisicirt, der Glauben an den einen geht nur durch den anderen; daS Heil, die Gerechtigkeit, die Seligkeit ist bei dem einen nur durch den anderen zu erlange»; die Erlösung ist an den Tod Jesu gebunden, und dieses Mysterium hat nothwendig die anderen zur Folge. Wir bestreiten Niemandem seinen Glauben. Aber jeden Versuch, die Dinge untereinander zu verwirren, und Behauptungen aufznstellcn, denen die Geschichte durchaus widersprich!, müssen wir abwnsen. Das Christen ihnm und der reine, einfache Monotheismus sind zwei verschiedene Dinge, und man kann sich nicht aus das eine berufen, wenn man den anderen will; man kann sich nicht in jenem fest und begrünter ansehen, wenn man diesen als sein unerschütterliches Fundament betrachten will. Ter einfache Monotheismus ist lediglich in, Iudenthiune gegeben und vorhanden, ^-nachten wir Dies etwaö genauer. Die reinen Begriffe vom einen Gotte sind in den Schriften des Alten TestaMentö enthalte«. Gott als das absolute Sein < 2 Bios. 3, 11), also das ewige unveränderliche, von welchem alles individuelle Sein, die Gefammtheil der individuellen Wesen geschaffen worden, der eine, unendliche, rrutörperliche, vollkommene, heilige Gott, an welchem der Menschcngeist die Allliebe und Allweiöheit, die Allgerechtrzscit nur die Allbarmherzigkeit gewahrt, -— Das ist der Gott, den das Alte Testament lehrt. Von hier aus sprachen sich allerdings in diesen Schriften auch das Nationale und die der Zeit angchörize Auffassung aus. In manchem israelitischen Geiste rvog die nationale Anssassuug vor: den verschiedenen Situationen der Geschichte uub des Lebens wird der Gettesbegrifs angepaßt: überall drängt sich ein starker Anthropomorphismus, zumal ein orientalischer, durch. Dies sind aber j für den Laus der C»üvickeklrng Schalen, die von selbst zerspringen,

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