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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-14 · Heft 42 (14.10.1873) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 42 (14.10.1873)
Date
1873-10-14
Page
Seite 688 (sequence 8)
Language
German
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688 Brasilien. Rio bc Janeiro, im September. (An^Io-Hrazilien-Times.) Unter Deut Namen „israelitische Uiiien" haben die in Rio de Janeiro befindlichen Israeliten einen Verein gebildet, um jedem in Brasilien in Noch geralhenen Israeliten Hülfe zu gewähren. Indes; gicbt es hier nur selten arme Israeliten, und es gilt Jeuil Der Judenteich. Eine Eriinimilgeschichte erzählt von L. Schr. II. An einem falten feuchten Nevembermvrgen gingen zwei Bauern am Stande jenes 'Sumpfes, der bis dahin der Bnrgsnmpf genannt ward, hin. Der auch damals nicht viel betretene Weg führte von dem ziemlich entfernten Dorfe Walpitz nach einem mitten int 'Walde eiitfam gelegenen Kruge, in welchcnt die Wanderer kurze Rast zu hallen-pflegten, da es von dort bis zu einem der nächsten Dörfer eine weite Strecke zurückzulegen galt. Die Bauern waren wohl der trostlosen Gegend gewohnt und der Mensch gewinnt selbst die Oede lieb, wenn sie die Städte seiner Geburt, feiner Kindheit und seines Heimwesens ist. Dennoch verfehlte der Anblick dieser Schlucht au dem heutigen Morgen seinen Eindruck auf die Gemüther der beiden Wanderer nicht. Ter Himmel war dicht überzogen, die Tageshelle grau, der Nebel erfüllte den Raum zwischen Erde und Himmel, so daß die finstere Waldung gespenstisch hindurchschimmerte. Ein frischer Westwind wehte zwar über die Höhen; noch aber vermochte er die Nebel nicht zu zerstreuen, sondern ballte sie nur fester zusammen. Die Föhren raffelten, das Schilf zischelte und klapperte aneinander, in dem sonst tmbeweglichen schwarzen Wasser stiegen Blasen auf. Die beiden Lantleute gingen eiligen Schrittes am Rande des Sumpfes. Sie schienen gern wieder aus diesem verrufenen Thale herauslommen zu wollen. Plötzlich blieb der Boranschreitende, der Jüngere von Beiden, stehen, und ries voll Schreckens: „Jürgen, was ist das?" Mehr konnte er nicht sagen, Entsetzen fdjicit seine Zunge zu lähmen. Der Andere eilte herbei. An dieser Stelle war das Schilf abgebrochen und niedergetreten, rmd aut Rande des Wassers sah man aus diesem zwei mit groben Stiefeln bekleidete Füße hervorragen, die mit den Spitzen etwas in den feuchten Sand sich eingedrängt hatten. Der Jüngere rief aus: „Das ist ein Mensch, der hineingesallen, oder den man hineingeworfen!" . .. Er wollte sich bücken und die Füße ergreifen, um den int Wasser liegenden herauSzuzichen, aber der Aeltcre hielt ihn am Arme fest, und sprach bedächtig: . Klaus, laß noch sein! Dem können wir nicht mehr helfen, Der ist iodt. Wir haben seitdem wir von der Höhe herunterkommen 'Nichts also mehr die vorhandenen Kräfte zu vereinen als Wohlthaten zu üben. Der Präsident des Vereins ist hier Herr Fred. M. Brandos. Der Verein ersucht jetzt die Regierung um ein Terrain zu einem Vegräbnißplatz, und wird cs von dieser erlangen, da die gegenwärtige Negierung Brasiliens ebenso tolerant ist. wie sie die Kräfte und den Patriotismus der Israeliten zu schätzen weiß. l e t o n. gesehen und Nichts gehört, und man liegt nicht so lange mit dem Gesichte auf dem Boden des Waffers, wie Der da, ohne todt zu sein. Weist Du, fuhr er fort,— da ist ein Mord geschehen . . . Hineingcglitten ist er nicht, und will man sich ertränken, hangen die Beine nicht aus dem Waffer . . . Weist Du, damit wollen wir Nichts zu schassen haben, das Gericht muß kommen, und da ist es am besten, wir lassen Alles so wie es ist. Machen wir, das wir sortkommen, und zeigen es im Krug an, sobald wir dort angelangt sind . . Die Bauern sind viel schlauer, als man es sich gewöhnlich verstellt. Sie sehen nicht weit, aber in ihrem Gesichtskreise scharf und vorsichtig. Klaus begriff Jürgen bald, und nach wenigen Augenblicken eilten Beide noch schnelleren Schrittes über die Höhen in den Wald hinein, bis sie den Krug erreicht halten. Eigenthümlich schien cs ihnen, daß im ganzen Kruge kein einziger Mensch war, außer einem kleinen Mädchen, das sie doch nicht hätte verstehen können. Sonst fand man in dieser einsamen Herberge stets verdächtig klug aussehende Strolche und Landleute, die sich hier trafen, weil von hier aus verschiedene Wege nach den Dörfern ausliefen. Die Beiden hielten sich daher nicht länger auf, sondern wandten sich nach ihrem Dorfe, das sie eine Stunde später erreichten. Sic gingen zum Schulzen, und zeigten ihm ihren traurigen Fund an. Ter kraute sich hinter den Ohren, und wollte auch mit der Sache nichts weiter zu thun haben. Er schickte einen reitenden Beten nach der Stadt mit einer kurzen Meldung, wie seine'geringe Schreibeknnst sie ihm gestattete. Der Herr Gerichtsamtmann nahm den Bericht unwillig entgegen. Wer in seinem Amte ergraut ist, läßt sich in seiner Behaglichkeit nicht gern stören, ein solcher Fall war ihm seit langer Zeit nicht vorgekommen, und stellte eine Menge Arbeit in Aussicht, die doch Nichts einbrachte. Er ließ daher einen jungen Affessor kommen, der seit Kurzem bei dem Gerichte cingetreten, und beauftragte ihn mit der Untersuchung. Assessor K. nahm die Sache mit großer Freude ans. Er konnte sich dabei auszeichnen, seine Umsicht, seinen Scharfblick, seine Genauigkeit erweisen. Er nahm sofort einen Schreiber und zwei Polizisten mit sich, und machte sich auf den Weg. Darüber war freilich ein ganzer Tag verflossen. Der. Dorfschulze und der Gerichtsamtmar.n hatten sich doch die Sache erst überlegen müssen. Und was kam darauf an? Der Mensch war todt, draußen am Rheine kämpften Heere miteinander, und Taufende

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