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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-14 · Heft 42 (14.10.1873) · p. Seite 687

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 42 (14.10.1873)
Date
1873-10-14
Page
Seite 687 (sequence 7)
Language
German
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687 ständige Emancipation der dortigen Israeliten eine sociale Frage von sehr großer Bedeutung war. Diese Frage kann jedoch in Serbien kein so großes Interesse haben, und mithin auch keine so bedeutenden Schwierigkeiten darbicten. Denn eS giebt kaum 9000 Juden in den Staaten Ew. Hoheit. Der Fürst: Vielleicht ist deren Anzahl noch geringer, aber man hat gegen dieselben Vorurtheile. Albert Kohn: Jndeß werden Ew. Gnaden zuzugcbcn geruhen, daß die Juden ihren übrigen Mitbürgern nicht nachstehen. Ich war vor mehreren Jahren in Serbien und glaube mich von dieser Thatsache überzeugt zu haben. Der Fürst: Nein, die Juden stehen gewiß auf keiner niedrigeren Stufe, als die übrigen Serben. Aber inan erhebt gegen dieselben mehrere Ladelnswerthe Beschuldigungen, zumal die, daß sie bei der letzten Belagerung nicht in Belgrad geblieben sind. Albert -Kohn: Das Vorgehen der Bevölkerung hat sie vielleicht gezwungen fortzugehen. Wie dem auch sein mag, wir danken Ew. Hoheit für die Versicherungen, welche Sic uns als Antwort auf die von uns an Ew. Gnaden gerichtete Bitte zu Gunsten der serbischen Juden zu ertheilen geruhten. Der Fürst: Wohlverstanden, habe ich mich zu nichts anderem verpflichten können, als die Frage prüfen zu lasten, und wird man später sehen, welche Maßnahmen in dieser Richtung angemessen sein werden. Ich wiederhole eS noch einmal. Alles hängt von der Skupschtina ab. Uebrigens genießen die Juden in Serbien alle politischen Rechte, nur die bürgerlichen Rechte fehlen ihnen noch. Albert Kohn: Ohne Zweifel, aber die politischen ohne die bürgerlichen Rechte sind rein illusorisch. Hat Ew. Hoheit selbst je einen Juten zum Beanrtcn ernannt? Das einzige Mittel zur Beseitigung der peinlichen Ausnahmestellung unserer Glaubensgenosten liegt in der Gleichheit vor dem Gesetze, und wenn Ew. Hoheit glauben, raß wir zur Erhebung der serbischen Juden mit unserem geringen Einflüsse beitragen können, so stellen wir uns ganz zu Ihrer Verfügung. Der Fürst: Ich tanke Ihnen, meine Herren, wie ich Jhnen bereits gesagt habe, tie Frage wird gleich nach meiner Rückkehr geprüft werden. Rumänien. Bukarest, 8. September. Den Arch. isr. schreibt man von hier, daß jüngst in Karlsbad eine Conserenz über die Angelegenheiten der Juden in Rumänien gehalten worden. Sie bestand aus den Herren von Rothschild, Wertheimer, Kuranda aus Wien, Bleichrörer und Lazarus aus Berlin, Neuscholz von Jassy und Antoine i'evy, chentaligem Rabbiner in Bukarest. Gegen die Meinung zweier ihrer Mitglieder entschied sich die Mehrheit der Versammlung, durch die Israeliten der verschiedenen europäischen Länder Reclamationen, durch ihre bezügliche Negierungen unterstützt; an die gesetzgebenden Körper Rumäniens richten zu lasten. Der Eorrefpondcnt der Arch. isr. hält diesen Weg nicht für den richtigen, weil er das Nalionalgefühl der Numänen von Neuem aufreizen, und daö Bewußtsein der Unabhängigkeit empfindlich verletzen würde. Man versichert, daß die rumänische Negierung in der nächsten Session alle möglichen Anstrengungen machen werde, um eine Veränderung des Art. 8 des berüchtigten Spirituosengesetzes von den Kammern zu erhalten. Als einen der stärksten Gründe wird sie anführen, daß fast alle christlichen Schankwirthe in den Landgemeinden ihre Locale schließen mußten, weil sie nicht die Mittel hatten die Lizenzen zu bezahlen, während die früheren Mischen Wirthe sich bereit erklären, dieselben zu bezahlen, wenn man ihnen ihr Geschäft wieder zu eröffnen gestatten würde. Rußland. Warschau, im September. Nach der letzten, im vorigen Jahre vorgenommeuen Volkszählung beträgt die Gesamintbevölkerung des Königreichs Polen 7,193,895 Seelen, und cs besinken sich darunter über soo.noo Juden, die mithin etwa l 3 Procent der Gesammtbevölkernng auSmachen. Seit dem Jahr t S Mi hat die jüdische Bevölkerung sich um das Vierfache vermehrt. Sie benug ISin 212,9 14, 1840. ',.',7,078, 1872 über 800,00»» Seelen. Im Jahr 1S Mi hatte das Königreich eine Gesammtbevölkernng von 2,7.82,321 Seelen, dieselbe hat sich mithin noch nicht um daö Dreifache vermehrt, während die jüdische Bevölkerung um das Vierfache gewachsen ist. Was dre Bertheilnng der jüdischen Bevölkerung ans die einzelnen Gouvernements betrifft, so ist dieselbe sehr verschieden. Im Gouvernement Siedler bilden die Juden im Gouvernement Lanza >/?, im Gouvernement Plock '/< , im Gouvernement Kalisch '/>« der Gesanunlbevötkerung u. s. w. Schon aus dieser Zusammenstellung ergiebt sich, daß die östlichen Gouvernements eine stärkere, die westlichen eine schwächere jüdische Bevölkerung haben. Der Grund dieser Verschiedenheit ist wohl hauptsächlich in dem Umstande zu suchen, daß die westlichen Gouvernements eine stärkere deutsche Bevölkerung haben, die den Juden in ihren Handelsgeschäften Eoncurren; macht und sie weiter nach Osten drängt. (Was jedoch bei diesen Angaben nicht übersehen »verdcn darf, ist, daß ans die Genauigkeit der früheren Volkszählungen nicht viel zu geben ist. Es verhielt sich ebenso in Preußen, nur wurde dieser Umstand von dem bekannten Statistiker Hosfmann, der die ersten genauen Volkszählungen in Preußen im Jahre 1810 leitete und verössentlichte, hervorgehoben, um die großen Differenzen zu erklären, die sich bei den preußischen Volkszählungen der älteren und der neueren Zeit ergeben hatten. Gleiches können wir bei den russsischen Volkszählungen vorauösetzen. Redaction.)

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