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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-14 · Heft 42 (14.10.1873) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 42 (14.10.1873)
Date
1873-10-14
Page
Seite 686 (sequence 6)
Language
German
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686 2. derjenige Candidat sei von den jüdischen Wählern zu unterstützen, der sich zur Verfassungstreue bekennt und den Kampf mit der feudal-klerikalen, nicht aber mit der national-liberalen Partei im künftigen Reichsrathe aufzunehmen verspricht. Zu diesem Zwecke wurde auch ein Eomite aus zehn jüdischen Bürgern gewählt, welches die Aufgabe hat. sich mit dem allgemeinen, sogenannten städtischen Wahlcomite in Fühlung zu setzen, oder aber eventuell für seinen Candidaten selbstständig zu agitiren. Von den zwei Abgeordneten der Stadt Krakau wird der bisherige Abgeordnete, Dr. Zyblikiewicz, sicher gewählt werden; für daö zweite Mandat wird häufig und besonders in verfassungstreuen Kreisen Dr. Warschauer in Vorschlag gebracht; doch dürste derselbe nur dann Aussichten auf Erfolg haben, wenn alle jüdischen Wähler wie ein Mann für ihn stimmen würden. Und dies werden sie nur dann thun, wenn er die oben gestellten Bedingungen zu erfüllen verspricht. Hier gilt eS also jetzt, offen Farbe zu bekennen. Frankreich. Paris, 2. Oktober. (Nach Arch. iSr.) Am l l. September wurde in Nemiremont eine neue Synagoge und einige Tage daraus in Vesoul, dem jetzigen Hanptorte des Sprengels, feierlich eingeweiht. Am 21. September wurde in Dijon der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. — An Sonderbarkeiten in religiöser Beziehung ist wohl keine Zeit so reich gewesen, wie die gegenwärtige. Ein Jude, Henry Levy, ein Maler, der schon einige gute Bilder geliefert hat. auch Ritter der Ehrenlegion ist, hat den Auftrag erhallen und angenommen, in der Kirche Saint- Merri eine neue Capelle auSzumalen und mit den bezüglichen Bildern zu versehen. Der Redacteur der Arch. isr. bemerkt hierzu, daß dieser Vorgang nicht sehr für die oft wiederholte Behauptung spricht, daß cs deö Glaubens bedürfe, um Inspiration in der Kunst zu haben. Wir fügen hinzu: Die Bilder werden auch darnach sein, eben nur gemalt.*) Großbritannien. London, im Sept. (Privatinitth.) Die Angle-.servisli Association «Englisch-jüdische Vereinigung) hat ihren Bericht über daö Vereinsjahr 1872/73 erscheinen lassen. Es ist der zweite dieses Vereines, welcher sich i. I. 1871 nach dem Muster und mit den Zielen der Alliance isruelite universelle gebildet hat; auch mit der israelitischen Alliance in Wien steht er in Verbindung. Von der Petition, welche die Association an den Fürsten Das Scptcnibcrbcst der Alliance ist uns aus Paris zugctonuncn. Es enthält aber diesmal nichts Besonderes, was hier hervor;uhcbcn wäre, außer, daß die Nachrichten über daö Schulwesen im Oriente - iminer günstiger lauten. von Serbien zu Gunsten der dortigen Juden richtete, — leider ohne Erfolg! — ist in d. Bl. schon die Rede gewesen. Ferner trägt sie bei zum Unterhalt der in Smyrna im Bau begriffenen jüdischen Schule und der Ackerbauschule in Jaffa, und ist für die rumänischen und marokkanischen Glaubensbrüder nach Kräften eingetreten. Die Einkünfte des Verwaltungsjahrcs vom 1. Juli 1872 bis 1. Juli 1873 betrugen circa 1163 Pfv. St., was zusammen mit einem Uebcrtrage von 402 Psd. St. vom vorigen Jahre circa 1565 Pfd. St. ausmacht. Davon bleiben noch circa 782 Psd. Sti für das nächste Jahr zu verwenden. Die Anglo- Jcwish Association wird also ihre gemeinnützige Wirksamkeit noch weiter ausdehnen können. Serbien. Paris, im October. Am 14. v. M. wurde eine Deputation des pariser Eentralcomites der „Alliance israelite universelle“ vom Fürsten M ilan in einer Privataudienz empfangen, und entspann sich bei dieser Gelegenheit zwischen dem Fürsten und den Deputationsmitgliedern das nachstehende Gespräch, welches vom „Pester Journal" wiedergegeben wird. Herr Albert Kohn ergriff zuerst das Wort, und sagte dem Fürsten, daß die Deputation gekommen sei, von Sr. Hoheit die Gleichstellung der serbischen Juden zu erstehen. Der Fürst: Es fällt mir schwer Ihre Bitte direct zu beantworten. Ich bin hier keineswegs in der Eigenschaft des Fürsten von Serbien, sondern als ein einfacher Privatmann, der die Reise ausschließlich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit-unternommen hat. Uebrigens wird es Ihnen nicht unbekannt sein, daß Serbien eine constitutionelle Regierungsform hat, und daß sonach die Abänderung eines jeden Gesetzes dem Votum der Volksvertretung untergeordnet ist. Gleich nach meiner Rückkehr werde ich die Frage von meiner Negierung prüfen lassen, und wir werden alsdann überlegen, ob ein Gesetzentwurf zu Gunsten der Juden der Skupschtina unterbreitet werden soll. Hierauf sagte Herr Rosen selb: Fürstliche Hoheit! Wir danken Ihnen für diese Worte, aber Ew. Gnaden mögen uns zu bemerken erlauben, daß in derartigen Angelegenheiten die Meinung der Negierung, und zumal des Staatsoberhauptes, von großem Gewichte ist. Ich bin in Oesterreich geboren und spreche aus Erfahrung. Der Fürst: Ja, ich weiß es wohl, Oesterreich hat die Juden emancipirt, aber Oesterreich ist ein aller Staat, der mehrere Jahrhunderte zur Erreichung dieses Resultates in Anspruch nahm, wogegen Serbien ein junger Staat ist, dem man Zeit lassen »ruß, sich auf die Höhe anderer Staaten emporzuschwingen. Herr Albert Kohn: Ew. Hoheit mögen auch bedenken, daß Oesterreich 2 Millionen*) Israeliten zählt, und daß die Vollöl Ein Jrrthum, es sind kaum 1,200,000. Die Rcdaetion. Redaction.

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