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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-14 · Heft 42 (14.10.1873) · p. Seite 685

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 42 (14.10.1873)
Date
1873-10-14
Page
Seite 685 (sequence 5)
Language
German
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685 Ncujahrfeiertagen und zum BersöhnungSfeste am 1. October c. angesetzt gewesenen Termine von selbst verlegten, beantwortete die genannte Deputation das Gesuch eines hiesigen jüdischen Kaufmanns um Verlegung des zum ersten Renjahrstage eingesetzten Termins abschlägig, da der Bittsteller schon zur Zeit der Insinuation der Vorladung von dem Feiertage Kenntnis; gehabt habe. Als aber .der Zurückgcwiesene krankheitshalber dennoch nicht zu dem gu. Termine erscheinen konnte, mußte er selbstverständlich aufgehoben werden. Der neue Termin ist nun aber zum 1. October, also gerade zum allerwichtigsten jüdischen Feiertage wieder angcsetzt worden. Ter Betroffene hat sich über diese ihm gestellte Zumuthung beim Herrn Stadtgerichtspräsidenten beschwert. Wie die „Volksztg." meldet, haben übrigens die letzten jüdischen Feiertage die interessante Thatsache zu Tage gefördert, daß nur die Verklagten strenggläubige Juden sind, während die Kläger einer minder orthodoxen Richtung angehören. Die Verklagten haben nämlich alle in ihrer Frömmmigkeit als Juden die Verlegung der Termine, wegen der Feiertage beantragt, während seitens jütischer Kläger nicht ein einziges derartiges Gesuch eingereicht worden. Oesterreichisch-migarische Monarchie. Wien, 2. October (Privatmitth.l Wenn in unserer Gegenwart noch ein so großer Bruchtheil nicht blos der niederen, sondern auch der gebildeten Clafsen den klerikalen Bestrebungen anhängt, oder sich ihnen willig zeigt, so fällt ein nicht geringerer Theil der Ursachen der radiealen Literatur mit besonders der radialen Presse zur Last. Diese in ihrer Feindseligkeit gegen alle positive Religion, in ihrem Spott und Hohn auf jedes religiöse Empfinden und Bedürfnis; stößt Alle, die noch ein solches besitzen, ab und drängt^ die Schwächeren unter ihnen der Hierarchie und ihrem abergläubischen System in die Arme. Diese rarieale Presse will Nichts davon wissen, das; es eine geklärte Religion und Religiosität giebt, die ans dem Grunde der geschichtlichen Positivität sich aus- und ausbant, der Vernunft wie dem Herzen ihr Recht gewährt und veredelnd und läuternd ans den Menschen wirkt. Sie behandelt diese, welche der Eulmrentwickelung der Menschheit so sehr entspricht, mit derselben Feindseligkeit, wie den größten Aberglauben, und sucht sie beide für identisch auszuaeben. Sie giebt damit den Gegnern die Handhabe, die Religion in Gefahr zu erklären, und Alles, was nicht kirchlichorthodox ist, als gottlos zu brandmarken. So bethätigt diese Presse auch einen unbeschränkten Haß gegen das moderne Judenthnm, und verübelt demselben nichts mehr, als daß es für seine Bekenner doch noch ein gutes Stück des Positiven enthält und für das Bedürsniß seiner Bekenner stärkend und anfrichtend bereit hat. Sie ist entrüstet darüber, das; die Inden, auch die gebildeten und wissenschaftlichen nicht sammt und sonders zum Atheismus und Materialismus schwören wellen. Unter Len desfallsigen Literaten und Zeitungsschreibern spielen allerdings einige jüdische Federn auS einer gewissen Elässc eine Atolle. Jndeß wird es ihnen nicht gelingen.*» Die Religion ist ein unlösbares Element des Menfchengeistes, und gerade das geklärte Judenthnm mit der geistigen und realen Freiheit, die eS dem Individuum gewährt, entspricht ihrem Ideale am meisten. Jndeß wollen wir nicht ungerecht sein: Diese Art Fenilletonisten bedürfen eines pikanten Stoffes, um ihrem sonstigen geistigen Mangel einen Artikel abzngewinnen, der ihnen gnt bezahlt wird. Einen solchen Feuilletonartikel brachte die „Reue freie Presse" vom I. October. Er. macht aus dem Versöhnungstage ein mittelalterliches Zerrbild, „daS, unter moderne Beleuchtung gerückt, an Bizarrerie nicht seinesgleichen" habe. Run, der Versöhnungstag ist genugsam unter moderne Beleuchtung gebracht worden und hat da seine echt religiöse Bedeutung, seinen tiefmenschlichen Werth, seine wahrhaft ergreifende Kraft hinlänglich bewährt. Wer übrigens die „Reue freie Presse" täglich lieft, ihre Miltheilungen in der „Kleinen Chronik", im „Localbericht" „Aus dem GerichtSsaal" durchmustert, der wird eingestehen, daß vielleicht kein anderer Platz der Impulse zu größerer Sittlichkeit mehr bedarf als Wien, und daß die „Rcne freie Presse" die wiener Bevölkerung unter eine Beleuchtung rückt, welche jene nicht bloS an Bizarrerie, sondern an sittlicher Versumpfung kaum ihresgleichen finden läßt. Prag, 2!». Sept. Bekanntlich sollte am St. 'Wenzeltage eine großartige Procession statlsinden, die aber nach den Berichten der Blätter kläglich ausgefallen ist. Die wiener „Presse" hebt dabei hervor, daß nur wenige Häuser geflaggt hatten. An keinem Hanse der Neustadt fehlten die österreichischen Farben. Rur das ausfallend deeorirle Haus des israelitischen Stadlrathü Bondy verschmähte es, diese Farben auszustecken. «Dieser Herr Bondy bildet bekanntlich die Enriosität, ein fanatischer Anhänger des Ezechenthums zu sein.» Auch die 'Bürgermiliz war ausgefordert, zu erscheinen. Es stellten sich aber nur In Personen derselben ein, und darunter, merkwürdiger Weise, meist Israeliten. - Wir müssen gestehen, das; dies »liudestens eine sehr sonderbare Art ist. das Judenthnm zu vertreten. Krakau, 2t». September. Die Versuche, die jüdischen Wähler dem polnischen Wahleomit«- nnlerthan zu machen, können als gescheitert angesehen werden. Die Juden erkannten, das; die Polen aus sie gar keine Ri'ntsicht nehmen würden. In Folge dieses Vorgehens wurden die Inden aus ihrer Lethargie ansgerütteit und beriefen gestern eine Wählerversammlung, welche folgende Beschlüsse faßte: l. Die jüdischen Wähler Krakaus wollen alle möglichen und erlaubten Mittel anwenden, um einen Inden als Reichsralhsabgeordnelen der Stadt Krakau dnrchznsetzen, und * Einen kleinen Beweis Inersür liefert die A. fr. Pr. von demselben Tage, da sie verübtet. dag wegen des V.rsöl'iiuiigstagcs am l. Driever keine Börse und keiu Frnchnnarkl abgehatlen wurde.

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