Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1873)
- Date
- 1873-10-07
- Page
- Seite 671 (sequence 8)
- Language
- German
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katholischen Gemeinden betheiligten. Die Festpredigt hielt rer Herr Bezirksrabbiner Waelrer von Laupheim-Ulm über den Propheten Jesajas Cap. 50, 7, der an der Eingangspforte der Synagoge eingemeißelt ist, „Mein Hans werde ein Bethans für alle Belker". Indem der Festredner seiner berechtigten Freude über das schöne, nun vollendete Werk innigen Ausdruck lieh, legte er der Gemeinde ans Herz, was dieser gemeinsame Tempel ihr sein kann und soll. Die Rede war von religiösem, humanem Geiste durchweht. Das echte und allgemeine Menschliche bildete den wohlthuenden Grundzug derselben. Gebet und Fürbitte schloß die Rede, der Festgesang „Halleluja" die schöne gemeinsame Feier, die ein schönes Gedenkblatt für die hiesige jüdische Gemeinde für alle Zeiten bleiben wird. Ocstm'oichisch ungarische M onarchie. Von der Donau, 21. September. (Privatmitth.) Die israelitische Fortschrittsgemeinre in Unghvar beging den 18. d. M. in solenner Weise die Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. — Herr Dr. G 0 ldziher, Docent an der Pester Universität, trat vorige Woche im Aufträge der Negierung eine wisicnschaflliche Reise nach Syrien und Aegypten an. Tenresvar, im September. Bon der aus Rumänen bestehenden Bevölkerung von Groß-Topolovelz wurde, — wie wir in der „Temesv. Ztg." lesen, der dortige israelitische Einwohner- Herr Bernhard Stenger zum Ortsrichter gewählt. Derselbe halte sich die Sympathien der dortigen Bevölkerung auch dadurch erworben, daß er sich nicht nur um die Errichtung einer Schule cifrigst bemühete, sondern auch namhafte pecuniäre Tpfer zu diesem Zwecke brachte. AUS Galizien, 21. September. Daß man von jüdischer Seite geneigt ist, Eompromisse cinzugehen, wenn man von der andern Seite ausrichtig zu Werke geht, beweist man in Lemberg, wo man über die Wahl des polnischen StaatSministerö ohne Portefeuille Ziemialkowski sich verständigt hat, nachdem dieser seine Eandidatur in Kolomea, deni Dr. HönigSmann gegenüber, zurückgezogen hat. Agram, 19. Sipt. Also auch in dein äußersten Winkel des Gesammtstaates ist jetzt die Emaneipation der Juden eine vollbrachte Thatsache, und selbst Croatien bildet keine Ausnahme mehr. In dem Landtage kam heute zur Verhandlung das Gesetz über die Emaneipation der Israeli len. DaS Gesetz wurde unverändert angenommen. Hierbei beantragt der Ausschuß, die Negierung aufzufordern, einen Gesetzentwurf über die Gleichstellung aller Consessionen und Religionsbekenntnisie vorzulcgen. Gegen diesen Antrag spricht Pfarrer Lehmann in äußerst lebhafter Weise. Redner wird jedoch von Mirko Horvath und Derencin gehörig abgefertigt und der Ausschußantrag, mit Ausnahme LehmannS, einstimmig angenommen. Lemberg, 20. September. Das israelitische Centralwahlcom ite genehmigte die Eandidatur des Dr. Joseph ft 0 lische r, Dr. Landsbe r g e r und Dr. M a n s ch, ohne denselben die Wahlbezirke znzuweisen. Dr. Gott lieb für Sianislau, Dr. ft ohu für Tarnopel, Dr. Hön igsman n für Kolomea und Rabbiner Löwen st ein für Przemysl wurden schon vorher acceptirt. Die letzteren drei sind auch schon von den Localcomitös angenommen worden, und tritt daö Lembergcr Blatt „Der Israelit" warm für dieselben ein. Mehrere andere Eandidaturen sind noch nicht erledigt wegen der noch zn erwartenden Aeußerung der Wahlcomitös. Großbritannien. London, 20. Septbr. Sir George Iessel schreibt in Erwiederung auf eine jüdische Glückwunschadresse bei Gelegenheit seiner Ernennung zum Illuster of the Kolls: „Ich kann nur hoffen, daß einem Erlangen erstens eines politischen und eines Richteramts dazu beitragen mag, den-Pfad für diejenigen meiner Glaubensgenossen zn ähnlichen Ehrenstellen zu ebnen, welche die Earriere auf dem Forum für ihren Beruf erwählen." Belgien. Brüssel, 21. September. (Privatmitth.) Soeben vernehmen wir die Trauerkunde, daß heute der hochverdiente Präsident des israelitischen Eonsistoriums von Belgien, Herr Louis Lassen nach schmerzlichem Krankenlager im 75. Lebensjahre verschieden ist. Die tiefe Thcilnahme, welche der auch von seinen Monarchen durch den Leopoldsorden ausgezeichnete Mann durch seinen Heimgang schmerzlich nicht blos bei seinen hiesigen Glaubensgenossen, sondern auch bei allen seinen Mitbürgern, die ihn kannten, erweckt, wird ihm auch im Auslände nicht fehlen. Marokko. London, im September. Rach den hiesigen Blättern hat der englische Minister für auswärtige Angelegenheiten dem Bernehmen nach den königlichen Gesandten in Tanger instruirt, Erhebungen über die angeblich systematischen Judenverfolgungen in Fez seitens der maurischen Einwohner dieser Stadt anzustellen und im dringendsten Fälle so energisch als möglich zu Gunsten der Juden zu interveniren. lBekanntlich ist unterteß der Kaiser von Marokko gestorben. Nach umlaufenden Gerüchten sind, wie dies in den orientalischen Staaten herköunnlich, über die Erbfolge Zwistigkeiten ansgebrochen, so daß innere Kriege ausbrechen können. Unter solchen Umständen werten die Bemühungen der englischen Agenten vorläufig noch unwirksam bleiben.)