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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-07 · Heft 41 (7.10.1873) · p. Seite 669

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 41 (7.10.1873)
Date
1873-10-07
Page
Seite 669 (sequence 6)
Language
German
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669 Motive dieses Feldzuges der Deutzer Stadtverordneten gegen den jüdischen Friedhof sind durchsichtig. Ausfallend ist es jedoch, daß die Eölner Israelitengemeinde nickt das noch immer gültige, die Vegräbnißplätze betreffende französische Gesetz in Anspruch nimmt, um mit Hülfe der Commune einen eigenen Friedhof zu erlangen. Berlin, 26. September. Die „Spenersche Zeitung" enthält folgenden Bericht: Die hiesige jüdische Gemeinde, welche bekanntlich in der Auguststraße 14/15 ein umfangreiches Krankenhaus besitzt, hat das Nachbargrundstück angekauft, um daselbst ein ebenso mächtiges Siechen haus zu errichten. Die Baugelder in Höhe von circa 70,o0o Thaler sind schon lange disponibel. Das Krankenhaus ist eins der größten jüdischen Krankenhäuser in ganz Deutschland und auf I2o Betten berechnet. Daß in diesem jüdischen Krankenhaufe auch „christliche" Vieh' zu finden ist, beweist die Thatsache, daß unter dem jetzigen Bestand von 00 Kranken sich 00 Christen befinden. Die Anstalt hat eine eigene Apotheke und wird zumeist durch die Zinsen ihres bedeutenden CapiialvermögenS und durch einen jährlichen Zuschuß seitens der Gemeinde erhalten. Der Etat der Anstalt, welche jetzt jährlich im Durchschnitt 650 Kranke beherbergt, beläuft sich auf jährlich 12—11,000 Thlr. — Ueberhanpt hat die jüdische Gemeinde eine Armen- und Armenkrankenpslege, die ihres Gleichen sucht. Das trefflichste Erzeugnis; derselben ist die Alterversorgungsanstalt, Gr. Hamburgcrstraße 26/27, deren Etat sich auf circa 33,000 Thlr. stellt. Die Anstaltsräume sollen demnächst durch einen Anbau so erweitert werden, daß in Zukunft 80 Hospitanten Platz finden können. — Im Anschluß an diese Anstalt besteht eine besondere Commission zur Unterstützung Armer und zur Ueberwachung der Waisenpflege. Daneben sind zu verzeichnen: Die 1820 gegründete Moses-Mcndelssohn'sche Erziehungsanstalt, das Baruch Auerbach'sche Erziehungsiustitut und das 1871 erösfnete Neichenheim'sche Waisenhaus am Weinbergsweg. Ein 1S33 gestifteter Frauenverein versieht reconvalescente Arme mit kräftiger Speise, während ein anderer i S23 begründeter Frauenverein unbemittelte Wöchnerinnen unterstützt. Auch der 187 2 begründete Santikinverein dient jetzt der Fürsorge für Wöchnerinnen in eigenthümlicher Weise. Es werten nämlich durch diesen Verein jeder Wöchnerin in der Gemeinde, arm oder reich, zwei Büchsen überreicht, von denen die eine eine Summe Geldes enthält. Die Wöchnerin nimmt das Geld aus der Büchse, kann es ganz oder theilweise für sich behalten, resp. aber auch in die zweite versiegelte Büchse legen und cvent. aus eigenen Mitteln etwas Hinzuthun. Die letzte Büchse bleibt alsdann längere Zeit verschlossen, so daß selbst seitens deS Vereins nickt erkannt werten kann, welche Wöchnerin etwa Geld für sich behielt. tAußer den bedeutenden Geldsummen, die für alle diese wohlthätigen Zwecke gespendet worden und werten, ist fast noch mehr zu würdigen, daß sich in der Gemeinde so viele^wackere Männer finden, welche sich der Pflege dieser Anstalten mit so großer Umsicht und Ausdauer widmen. Denn nicht das Geld erhält gemeinnützige Institute in ihrer Blüthe und Entwickelung, sondern der liebevolle Eifer und die gewissenhafte Aussicht. Redaction.) Berlin, 26. September. (Privatmilth.» Bekanntlich hat die Staatsregierung die Anerkennung des von den deutschen Altkatholiken gewählten Bischofs ausgesprochen und wird aus zuverlässiger Quelle gemeldet, daß der nächste Etat auch eine Dotirung desselben beantragen werde. Es versteht sich, daß wir hierüber unsererseits kein Wort zu sagen haben, wenn cs auch eigentlich Sache des Reiches wäre, da nicht blos preußische Unterthancn den Sprengel des neuen Bischofs ansmacken. Einige Zeitungen haben aber daraus die Folgerung gezogen, daß nach solchem Vorgänge, wo eine neu entstandene Religionspartei sofort aus Staatsmitteln Zuschuß erhält, auch den Juden nicht länger vorenthalten werden könne. Allerdings scheint dies eine sehr einfache Logik. Wir glauben jrdoch an die Erfüllung nicht. Die Staatsregierung folgert anders. Sie sagt, die Allkatholiken sind aus rer katholischen Kirche nicht ausgetreten, ihre Kirche bildet nur einen Theil der katholischen. Wie inan etwa, wenn daö Bedürfnis; sich herausstellt, ein neues katholisches Seminar .gründet mit) ausstattet, so ciud) ein neues Bisthum. Man bleibt dabei innerhalb der bisherigen Schranken, und ein weiterer Schluß unbegründet. So ist die Logik rer Staatsregierung. Anders war es freilich früher mit den Deutsch-Katholiken, anders wenn sich in der evangelischen Kirche eine besondere ReligionSpartei bildete. Aber man weiß ja, es kommt bei solchen Dingen auf die Ansicht der gegenwärtigen Staatsmänner an, die sich weder für das Frühere noch für das Zukünftige verpflichtet halten. Wir aber wollten nicht falsche Erwartungen entstehen lassen, da in der letzten Zeit Kundgebungen des gegenwärtigen Ministeriums die Hoffnung, daß die Juden eine wesentliche Unterstützung ans Staatsmitteln erhalten werden, durchaus abgekühlt haben. Bonn, 20. Sept. tPrivatmitth.) Der Qberpräsident der Rheinprovinz spricht in einem Erlaß vom 17. Juni c. den Bewohnern seiner Provinz den Dank aus für den reichlichen Ertrag der allgemeinen Haus- und .Kirchencollecle für die Taubftnmmenanftalten der Rheinprovinz im Jahre 1872, und theilt eine Uebersickt mit. Es halten sich die Gaben gegen das Jahr 1871 beträchtlich vermehrt. Im Ganzen waren 6110 Thaler eingegangen, von denen die Israeliten 171 Thaler gespendet hatten. Da nun unter den 2, l.',.'.,0>'.8 Bewohnern der Rheinprovinz nur 06,822 Juden wohnen, also erst der oi. Mensch ein Jude ist, so stellt sich heraus, daß die Juden nach Verhältniß der Seelcnzahl beinahe drei Mal so viel gespendet haben, als die übrigen Bewohner.' Wir heben dies wahrlich nicht ans Ruhmredigkeit hervor, — dazu ist doch die Sache an sich zu

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