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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-30 · Heft 40 (30.9.1873) · p. Seite 658

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 40 (30.9.1873)
Date
1873-09-30
Page
Seite 658 (sequence 10)
Language
German
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658 Donausürstenthümern. ES geht daraus hervor, daß in der Wallachei unter 2,661.<»52 Seelen 3f,nio Juden wohnen, und unter 1,871,23-1 Seelen in der Moldau 216,021 Juden, also zusammen unter 1,532,256 Seelen 217,03-1 Juden. Hiernach ist in der Wallachei erst der 56. Mensch ein Jude, in der Moldau fast der!)., im ganzen Staate der 18. Welches Armuthszeugniß ist doch die Furcht vor einer solchen Minorität! Türkei. Smyrna, 15. August. Die Arch. isr. enthalten einen Brief von hier, der bittere Klage über eine schreiende Ungerechtigkeit führt, die in Folgendem erzählt wird. Ein junger Manu, Raphael Dal Medico, Israelit, einzige Stütze und Hoffnung einer Familie,, welche der venetianischen Aristokratie des vorigen Jahrhunderts angehörte, studirtc seit sechs Jahren in der Mcdicinschule zu Constantinopel. Sein Betragen, seine Liebe zum Studium, seine Erfolge verschafften ihm die Achtung und Zuneigung seiner Professoren, aber auch den Neid einiger weniger begabter Kameraden. Noch ein Jahr, und die alten Eltern Naphael's würden von all' ihrer Noth befreit sein, weil er alsdann als Doctor der Medicin und Chirurgie sie nachdrücklich unterstützen konnte — als plötzlich ein Bescheid des ottomanischen Gouvernements an die Directoren der Medicinschule dem jungen Dal Medico die Pforten dieser Anstalt schloß. Alles Bitten war umsonst; nur einflußreichen Personen gelang es, die Motive dieses Bescheides zu erfahren. Und worin bestanden diese? In der lächerlichen Beschuldigung, daß „Sabato Dal Medico, der Vater des Studenten (ein arruer siebzigjähriger Greis!), theilgenommen habe an der letzten Jnsurrection auf der Insel Eandia". Es kann dies nur ein alberner Vorwand genannt werden, denn das I e u i f Betrachtungen zu den hohen Festen. HI. „Die Könige und Räthe des Landes, die Trümmer sich bauen!" „Der Mensch, in Lcl.mchüttcu wohnet er." (Hiob.» Durch die Geister der Menschen geht ein zwiefacher Zug. Es ist Niemand davon ausgenommen, und es ist nur Sache der Zeit und der Umstände, ob er das Triumph- oder daö Klagelied über des Menschen Wesen und Schaffen anheben »uoge. Die Höhe des Geistes, der Schwung der Gefühle, die Größe seiner Unternehmungen, die Mächtigkeit seines Vollbringcns, die Dauerhaftigkeit seines Wirkens — wie oft weilen, ja schwelgen wir in diesen Gedanken, und genau genommen beherrschen sie unö doch die rneiste Zeit, bilden gewissermaßen den stetigen Untergrund all' unseres Wollens und ThunS, — außer der Nothottomanifche Gouvernement kann sehr wohl wissen, daß der alte Italiener Sabato während dieses ganzen Aufstandes nicht einen Augenblick die Mauern von Eanea verlassen hat, und daß er überdies vermöge seiner Nationalität und Religion mit den Insurgenten Nichts gemein haben konnte. Hierzu kommt, daß man an derselben Schute nicht allein Söhne wirklicher Insurgenten, sondern selbst mehrere junge Leute zugelassen hat, welche mit den Waffen in der Hand gefangen genommen worden. Und schließlich, wenn selbst den Vater eine solche Schuld träfe, warum sollte der Sohn dafür büßen, und ihm sechsjährige schwere Opfer vergeblich gemacht und eine glänzende Zukunft zerstört »verden? Es bleibt hierbei Nichts übrig, als den Großvezier und den Sultan selbst um Abhülfe anzurufen. Constantinopel, im September. Es ist von hier nach Paris ein sehr detaittirtcr Bericht über die Audienz, die der Ritter E. F. Venezianni und eine Deputation bei dem persischen Großvezier und dem Schah während dessen Aufenthaltes Hierselbst gehabt haben, gelangt. Da dabei nichts Besonderes vorgekommen, und immer wieder die Versicherung ausgesprochen ward, daß der Schah seine jüdischen Unterthanen gerade wie alle anderen behandele, so wollen wir nur hervorheben, daß der Großvezier Hussein Khan seine Absicht versicherte, wenn er nach Teheran zurückgekehrt sei, 15 jüdische Knaben aus armen Familien wählen und aus Staatskosten nach Europa senden zu wollen, damit sie eine gute Erziehung erhalten »nd höhere Studien machen. (Schade nur. daß dieser Großvezier nicht nach Teheran zurückgekehrt ist, sondern bei dem Wiedereintritt des Schahs in seine Staaten abgesetzt und zum Gouverneur eines kleinen Bezirks gemacht ward — wie die Depeschen nrelden. Redact.» Bei der Audienz des Schah hat, wie der Bericht meldet, der Schah auf einen seiner Kammerhcrren hingcwiesen und bemerkt, daß dieser ein Jude sei. t e t o n. Wendigkeit für unsere Bedürfnisse zu sorgen und zu arbeiten, sind sie die lebendigste Triebfeder für alle linfero Anstrengungen. Und dennoch, in wessen Herzen klopft nicht bisweilen die bange Empfindung, wessen Geist überschleicht nicht bisweilen der Gedanke »vie eitet all' unsere Mühen und Werke sind, wie vergänglich, wie.unter dem Hauche der flüchtigen Zeit vollbracht, und unter demselben Hauche verschwunden, wie alles Menschliche nur mit dem glcißnerischen Schein teö Großen, Schönen und Dauerhaften, oft nur mit einem leichten Firniß deffen bekleidet sei! Nicht der Weise und nicht der Thor, nicht der Entsagende und nicht der Genußsüchtige, nicht der in seiner Zelle Zurückgezogene und nicht der Held und Staatsmann kann sich der Heimsuchung solcher Vorstellungen und Gefühle erwehren. 2m Vollgefühl glänzenden Schaffens großartiger Thaten überschleicht ihn jene Empfindung der Nichtigkeit und der Gedanke, daß all' dies Treiben der Menschen nur ein Wühlen von Ameisen sei, die zu

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