Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1873)
- Date
- 1873-09-30
- Page
- Seite 657 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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657 Commission der Nationalversammlung für die Organisation Algeriens hat übrigens einen Herrn Ehaper zum Berichterstatter gewählt. Derselbe wird, wie der Moniteur de 1’Algeiie berichtet, den Wirerruf reö TecreteS vom 24. October 1 ST ü beantragen. Warum auch nicht? Hat doch daS Ideal der Lcgitimisten, Ludwig XIV., das von seinem ruhmreichen Großvater Heinrich IV. gegebene Edict von Nantes widerrufen!. Daß aus der dreijährigen Herrschaft jenes Cdictcs eine große Verwirrung in den algierischen Verhältnissen unr zahllose Proeesse entstehen würden, kümmert tiefe Art von Gesetzgebern nicht. — Tie französische Colonie zu San Francisco besieht zum größten Theile aus Israeliten. Dieselbe versammelte sich am 16. Ouli, um eine begeisterte Adresse an Herrn Thiers zu richten, den „Befreier des Territoriums". — 'Nach der neulicken verunglückten Audienz der Gebrüder Lemann bei rem Papste, welche auch dieses Blatt skizzirte, ließ es diese Leute nicht ruhen, womöglich in drastischerer Weise die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Cs giebt nun einmal Menschen, welche ohne Rumor zu machen nicht leben können, und wenn es ihnen nicht gegeben ist, durch Werke des Geistes nur rer Liebe zu glänzen, so greifen sie zum Worte des Hasses unr der Vergiftung, Lange hält solches Gebühren nicht an, renn Gewöhnung stumpft alles, auch ren spitzesten Dolch, ab. Die ultramontanen Blätter veröffentlichen ein Schreiben rer Abbes bemann „an die zerstreuten Israeliten über das Betragen ihrer Glaubensgenossen in Rom während der Gefangenschaft Pius IX. im Batican". Diese Herren haben ihren Aufenthalt in Rom benutzt, um die erbärnrlichsten Anekcoten und Lügen über die Juten in Rem ansznlesen, stutzen riese nun zu den bittersten Beschulrigungen zu unr geben sie in rie Welt hinaus, um ihrem Aerger, daß sie, die Belehrten, Niemanden zu bekehren vermögen, Lust zu machen, und aus alle Juden Haß und Verachtung zu schleudern. Wir wissen in rer Thal nicht, wie weil raS Volk in Rom sich bei verschiedenen Gelegenheiten unwürdig benommen, auch nicht, welchen Antheil eitrige jüdische Individuen -daran halten. Den Insinuationen rer Gebrüder Lemann sprechen wir nach reu bisherigen Publicatiouen dieser Männer gar keinen Werth bei, und um so weniger, als sie ja nicht tabei waren, Alles nur vom Hörensagen wissen, folglich aus O.uellen schöpften, die sich unserer Beurtheiluug völlig entziehen. Gesetzt aber auch, cs hätten sich mitten in der allgemeinen Aufregung einige Juden aus rer ungebilreten Klasse unpassend, ja böswillig benommen, was geht ries die Inreu anderer Städte und Länder an? Immer waren cs doch Katholiken in Rom, welche die skandalösen Auftritte hervorriefen und vollführtcu! wird man darum rie Katholiken aller Städte und Länder anklagen und beschuldigen? Gerade so liegt die Sache mit den Juden. Dies ist so durchsichtig, daß rie Lemann ihr Pulver auch diesmal umsonst verpufft haben. Sie sinr nur eine schwache Stimme mehr in rem lauten Geschrei, das rie Ultramontanen gegen uns von -allen Seiten erheben. 'Jitmiiiiikn. Bukarest, 12. September. (Privatmilth.) Die weiter als in früheren Zeiten verbreitete literarische Bildung hat neben ihrem Segen auch die schädliche Folge, daß sich selbst der kindisckeste Sinn und die unvernünftigste Schroffheit in den literarischen Veröffentlichungen, besonders in den Zeitblättern, auszusprcchen wagt und versteht. Die literarische Kunst steht eben Personen zu Gebote, die in der Naivetät und Unvernunft ihrer Ansichten weit hinter der Zeit stehen und kaum dern Mittelalter Ehre gemacht hätten. Will man hierfür den Beweis, so bietet ihn die rumänische Journalistik in Ueberfluß dar. Es ist ein allgemein anerkannter Grundsatz der Humanität, im gemeinsamen Unglück nicht Freund lind Feind zu unterscheiden, sondern nur den Menschen in Betracht zu ziehen. Der Verwundete ans dem Schlachtfelde, mag er auch der gegnerischen Kriegspartei angehören, hat das Recht derselben Verpflegung und Behandlung, wie der eigene Soldat. Wenn dies ini Kriege, um wie viel mehr der Unglückliche im eigenen Lande! Wenn ein gemeinsames Mißgeschick eingetreten, wie darf man es wagen, erst nach Rationalität und Religion sich zu erkundigen, um dem Einen Beistand zu leisten, dern Anderen zu versagen? Die rumänischen Journalisten tragen diesem Grundsatz keine Rechnung, sondern mit einer Offenheit, welche zugleich ihre ganze Schlechtigkeit osseubart, wüthen sie dafür, daß von reu jüngst durch die vielen Feuersbrünste Betroffenen nur een rumänischen Christen geholfen werde, die Juden aber dem Verschmachten überlassen sein sollten! Es ist vor Allem rer berüchtigte Eesar Bolliac, Literat und Deputirter, der in diesem Sinne mit rasendem Fanatismus schreibt, und nur all zu viel Echo findet. Mit entschiedenem Mnthe tritt das „Journal re Bucarest", ras unter der Direction des Herrn re Marsillac erscheint, nur dessen Geraut Herr N. B. MongeSco ist, hiergegen auf, und seine desfatlsigeu Artikel sind lescnswcrlh. Er weist rem Herrn Bolliac nicht bloß die vielen Irrthümer nach, die aus dessen Unwissenheit ersließen, sondern verlheitigt auch unzweideutig die bürgerlichen Rechte der rumänischen Juden. Wenn, sagt er, ihr euch über einen großen Zufluß von Juden aus reu benachbarten Ländern beklagt, und dies als ein Unglück etires Landes anseht, so giebt euch dies nur ein Recht, gegen solche Eindringlinge zu verfahren, wie kommt ihr aber dazu, diejenigen Juden, welche hier geboren werden, oder seit langer Zeit ansässig sind, als Parias zu behandeln, und aller Rechte der bürgerlichen Existenz zu berauben? In diesem einfachen Satze liegt Gerechtigkeit und Vernunft so klar, daß wir an dieser Stelle jeder weiteren Begründung überhoben sind. Ehre dem unerschrockenen Freund des Rechtes; denn Muth gehört dazu, hier zu Lande in das Gekläff der Meute nicht einzustimmen, sondern sich ihr entgegen zu stellen! — Dasselbe Blatt giebt den Uebertreibungen der gegnerischen Blätter gegenüber die richtige ofsicielle Tabelle der christlichen und jütischen Bevölkerung in den beiden io