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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-30 · Heft 40 (30.9.1873) · p. Seite 656

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 40 (30.9.1873)
Date
1873-09-30
Page
Seite 656 (sequence 8)
Language
German
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656 Vorstädten verkommen. Das; hier alles Mögliche gethan werden, den Kennten 31t Hülfe zu kommen, und die hinterlassenen Waisen zu versorgen, kann bei rem bekannten Charakter unserer Bevölkerung vorausgesetzt werden. Neben den Schrecken dieser Krankheit selbst ging auch hier das Unangenehme nebenbei, daß noch bei weitem mehr Personen von Brechdurchfällen befallen wurden, die glücklicherweise nicht bis zur Cholera gediehen. Merkwürdig ist es übrigens, daß die zahlreiche jüdische Gemeinde von der Krankheit fast ganz verschont blieb. So nahe es liegt, diesen Umstand, der sich auch in den früheren Epidemien, bis auf geringe Ausnahmen erwiesen hatte, auf die Lebensweise und Vorsicht rer Juden zu beziehen, so bietet dies doch keine vollständige Erklärung, wenn überhaupt bei dieser Seuche und ihren Erscheinungen irgend Etwas erklärt zu werten vermag. Frankreich. . Paris, l!. September. lPrivatmitth.) llttsere Glanbensgenossen in Elsaß-Lothringen können sich, wenn sie wollen, über ihre ^'estrenuung von Frankreich immer mehr trösten. Frankreich ist jetzt mehr als je der Herd wüthendcr Veidenschaft und der schroffsten offenbaren und geheimen Gegensätze. Daß die Conimnne nur nnterdri'ickt, nicht ausgerottet ist, t. h., daß dieselbe Leidenschaft, die jene hervorbrachte, ' immer wieder angefacht werden kann, ist nur zu gewiß. Dagegen wüihet offenbar die legttimistifche und klerikale Leidenschaft, welcher gegenüber wiederum die republikanische und radieate sich nur mühsam, im Zaum hält. Es ist nicht zlt verwundern nun, daß unter der Herrschaft der Ultramontanen und - bei all dieser Leidenschaftlichkeit, die sich namentlich an dem Hasse gegen Deutschland und Italien immer von Neuem entzündet und Nahrung schasst, auch der Judenhaß zu einer wahren Wuth wird, und sich in den Blättern aller Farben zügellos aüssprndelt. Ein solcher Haß trifft insbesondere die deutschen Juden. Die Franzosen hatten sich eingebildet, daß die deutschen Juden, deren Zahl sie bei ihrer Unkeuntuiß weit überschätzten, weil sie bis dahin in Deutschland noch manchen harten Beschränkungen unterworfen waren, die französischen Heere freudig begrüße::, und ihre Verbündeten im feindlichen Niger sein würden. Sie wußten nicht, daß die deutschen Juden unter viel scblimmeren Verhältnissen auch schon IS1 ihren Patriotismus mit Gut und Blut belhärigt halten. Diese Täuschung tragen die Franzosen ihnen nach, und benutzen jede Gelegenheit, ihren Haß anszudrücken. So nimmt das Journal „la Presse“ den Auszug rer deutschen Truppen aus Verdun zur Vcranlassnng, folgendes Zerrbild von den deutschen Juden zu entwerfen: „Eine aridere, aber nicht ofsicielle Unterhandlung findet gegenwärtig hier noch statt. Dieselbe wird mit deutschen Juden geführt, welche das ganze Kriegsgeräth kaufen wollen, das nicht mehr zu gebrauchen ist. Diesem Umstande verdankt cs Verdun, in diesem Augenblicke die erstannenswertheste Ansanimlnng deutscher Juden zu besitzen. Keiner unserer Wucherer kommt diesem Typus gleich. Der deutsche Jude treibt jedes ehrliche oder nichtehrliche Handwerk. Er spionirt, verkauft ansgestopfte Elephantcn, Juwelen, und reist in's Anstand. Er handelt mit Bordeauxweinen, indischen Shawls, Uhren und Tabak. Altes Eisen oder Diamanten, Alles ist ihm gut; er kauft alte .Kanonen, Kugeln und Gewehre, und verachtet sogar nicht zerbrochene Flaschen und Gläser. Er borgt einen Thaler aus und findet im Nothsalle Millionen. Vis die der französischen Regierung gemachten Vorschläge angenommen oder verworfen worden sind, macht er Geschäfte mit den deutschen Soldaten. Voll Nachsicht für Schwächen, wie Plünderung und Diebstahl, treibt er nie seine Neugierde so weit, um sich nach dem Ursprünge der Gegenstände zu erkundigen, die er ankansen will. Nicht das geringste' Erstaunen würde es ihm erregen, wenn ein Artillerist ein Piano, oder ein Ulan ihn: eine Wärmpfanne anbieten würde; wenn er es wohlfeil haben kann, so bleibt er vollständig stumm. Voll Gefälligkeit für die Dssiciere, dient dieser Sohn Israels denselben als Vermittler; er kaust und bezahlt für sie, natürlich berechnet er gute Zinsen." Man braucht wohl kaum Ihre christlichen Mitbürger aufzusordern, sich umzusehcn, ob und wie viele Figuren sie unter den deutschen outen finden, welche dieser Fratze irgend eine Aehnlichkeit bieten! Freilich diese deutschen Inden haben außer ihrem Judenthnme auch noch das Denlschthum an sich, sind also in den Angen der Franzosen doppelte Verbrecher! Jndeß diese deutschen Inden versammeln sich doch ebensowenig wie ihre französischen Glaubensgenossen yi zwanzig Taufenden mit hundert Geistlichen, worunter die höchsten Grade, um eine Statue aus Hol; oder Stein feierlich mit einer Krone zu versehen, und sich vor ihr in den Staub zu werfen. Sie halten fest an das zweite der Zehngebotc, und würden alle ihre „ausgestopslcn Elephamen, Juwele», altes Eisen n»d zerbrochene Flaschen", ja selbst ihr Veben opfern, um nicht Gleiches;n thnn und zu treiben, wie jetzt die Elite der französischen Nation! Paris, If». September. INach den Arch. lsr.) Die Natnralisirnng der eingeborenen Juden Algeriens, obgleich sie bis jetzt immer noch nur ans rem Decrete tcS 1. Septembers vom '21. Detober 1S7<) beruht, nur noch durch keinen Beschluß der französischen Nalioiralversanunlnng unabänderlich geworden, trägt doch schon ihre Folgen, unter welchen nicht alle den Israeliten angenehm sein werden. So entschied der Appellhof von Algier jüngst, daß ans Grund jenes Decretes die eingeborenen Israeliten, obschon nur rabbinisch und unter den: Einflüsse dcS mosaischen Gesetzes vcrheirathel, ihre Ehen nicht mehr durch Lchcidnng oder'Verstoßung, welche das jüdische Gesetz znläßt, auflöscn könnten, sondern nur dem französischen Gesetze gemäss, die Trennung von Tisch und Bett eintreten lassen dursten. — Die

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