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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-30 · Heft 40 (30.9.1873) · p. Seite 655

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 40 (30.9.1873)
Date
1873-09-30
Page
Seite 655 (sequence 7)
Language
German
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Aehnliches ist in der jüngsten Zeit über wichtige und schwierige Gegenstände geschehen. Zu diesen gehört gewiß auch die Verfassung der jüdischen Gemeinden. Tranen wir auch den damit beschäftigten Negierungsbeamten eine völlige Unparteilichkeit zu, so gebricht cs ihnen doch an der praktischen Erfahrung und an der genauen Kenntniß der Sachlage. Hcilbronn, 2t». September. Wenn auch der Gegenstand von keiner großen Bedeutung ist, so theilen wir doch den folgenden Artikel aus der „Neckar-Zeitung" vom 10. d. M. mit, weil er für die Verhältnisse und die Gesinnung in erfreulicher Weife bezeichnend ist. Bei der Zahl der hiesigen israelitischen Gemeindeglieder war es schon seit einigen Jahren schwierig, ja nahezu unmöglich, während der hohen Festtage die Besucher des Gottesdienstes in die engen Räume des Lvcals in der Kaserne umerznbringen; dazu gesellte sich Heuer die Befürchtung, es möchte bei dem gegenwärtig hier herrschenden gestörten Gesundheitszustände «Cholera) gewagt, sein, eine solche Menge von Menschen, wie sie an den hohen Festtagen sich zu versammeln pflegt, während der Dauer eines Vormittags, oder gar eines ganzen Tages in die beschränkten Räume des Betlocales cinzuzwängen. Das Kirchenvorsteheramt beschloß daher einen zweiten Gottesdienst abzuhalten, und hierzu ein geeignetes Local ausfindig;n machen. Man wandte sich zunächst an den Herrn Director des hiesigen ZellengefängnisseS, um die Kirche des bisherigen Zuchtpolizeihauses zu diesem Zwecke zu erlangen; mit dankenswerlher Bereitwilligkeit wurde seitens jener Behörde das genannte Local, vorbehältlich höherer Genehmigung zur Verfügung gestellt, zugleich aber bemerkt, daß ein Theil der Kirche zur Aufnahme von wegen der Cholera Evacuirten zu dienen bestimmt sei, weshalb hiervon Abstand genommen werten mußte. Schon war man nahe daran, den Sonnensaal zu jenem Zwecke zu miethen, für welchen der Actiengartcnvcrein in zuvorkommender Weise Subsellien zur Verfügung stellte, als es bekannt wurde, daß die Schwurgerichtssitzungen für dieses Quartal auSfatten sollten; die "Rahe des Schwnrgerichtssaales bei der Synagoge mußte den Gedanken erregen, sich um Einräumung des Schwurgerichtssaales zu bemühen. Ter Herr Director des hiesigen Kreisgerichtshofes, der seitens einer Deputation des israelitischen Kirchcnvorsteheramteö mit einer tesfallsigen Bitte angegangen wurde, sagte zu, die Angelegenheit sofort mit seiner Befürwortung an das königl. Justizministerium berichten zu wollen. Heule nun kam schon ein Erlaß des Tirectoriums des hiesigen KreisgerichtShofes an das Kirchenvorsteheramt, worin demselben die Gewährung dcö Schwurgcrichtssaales zur gottesdienstlichen Feier während des Neujahrsfestes und BersöhnungsiageS angezeigt wurde. Die hiesige israelitische Gemeinde ist den genannten hohen Behörden zu großem Danke verpflichtet und hocherfreut über die Liberalität, mit der man ihr entgegenkam. Nlm, 15. September. tPrieatmitlh.) Rach der feierlichen Einweihung unserer neuen Synagoge wurde Samstag den 13. Abends, seitens der Gemeinde ein Festmahl gehalten, an welchem viele Honoratioren der Stadt theilnahmen. Unter den vielen trefflichen Reden die dabei gehalten wurden, ist die des Stadtraths Dr. C b e n e r hervorznheben, der im Namen der bürgerlichen Cellegien den Dank und die Anerkennung rer Stadt aussprach, daß es rer Qpserwilligkeit der Gemeindemitglierer gelungen sei, einen solchen Prachtbau herznstellen, an dem die Stadt gemeinsam mit ihren israelitischen Mitbürgern ihre Freute habe. Er sprach sich ferner dahin aus, daß die Israeliten Ulms durchaus keine Sonderstellung im staats- und gemeindlichen Leben einnehmen, sich vielmehr vor Allem als Deutsche, als Glieder des großen Ganzen fühlten, und im Kriege wie im Frieden in allen össentlichen Angelegenheiten wie im Geschästsleben zum Besten der Gemeinde niitgewirkl haben. Herr 1h'. Ebener hat gewiß das allgemeine Urtheil unserer christlichen Mitbürger ansgesprochen.und erachten wir ein solches Zengniß von Bedeutung in einer Zeit, wo es von gewissen Seiten her an täglichen Schmähungen auf die Juden wieder nicht fehlt.. Fürth, 17. Seplb. (Privatnütlh.) Bei der jüngsten Jnspicirnng der bayer. Truppen durch den deutschen Kronprinzen und des letztern Anwesenheit in Nürnberg, wurde Seitens des dortigen Gemeindecolleginms sein Mitglied, der Landtagsabgcordnete, Advocat Dr. Frankenburger, in die Empfangsdcpntation geladen, und wm-tc derselbe unter Anderen, dem Civilstande Angehörigen von dem Kronprinzen zur Tafel gezogen. Roleuburg a. Fulda, im Sept. iPrivatmitth., Bei der vor Kurzem dahier stattgehablen. Neuwahl eines städtischen Vorstandes wurde mit großer Majorität ein Mitglied der hies. isr. Gemeinde, Herr Her; Heß, in den Stadtrath, ein anderes Mitglied, Herr M. Sommer, in den städtischen Ausschuß gewählt. Es ist um so erfreulicher diese Thalsache zu conslatiren, als gerade in unserm lieben Hessen das Vorurtheil noch sehr eisenfest ist, und wir denn doch den erfreulichen Beweis haben, daß trotz alledem dem Verdienste die Krone wird, und ehreuwerrhe Charaktere sich überall Bahn brechen und Anerkennung zu erzwingen wissen. Es ist das wohl der einfachste und sicherste Weg, um das zu erreichen, was, nach dem Ausspruche des Herrn Eultusministers. auf gesetzlichem Wege von Seiten der politischen Gemeinde uns nicht zugestanden werden kann. .s. Magdeburg, 1 1. September. «Privatittilkh.) Kaum an einem anderen Platze hat in diesem Jahre die Cholera verhältnißmäßig in so schreckenerrcgentem Maße gewüthet, wie in unserer Stadt. Die Zahl der Opfer, — nahe an 2<miu Verstorbene, — überstieg um mehr als das Doppelte die Anzahl derer, welche in der stärlsten früheren Epidemie durch diese räthselhaste Krankheit hingerissen wurden. Jetzt kann sie Gott sei Dank als erloschen angesehen weiden, da nur noch vereinzelte Fälle in den

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