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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-23 · Heft 39 (23.9.1873) · p. Seite 641

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 39 (23.9.1873)
Date
1873-09-23
Page
Seite 641 (sequence 11)
Language
German
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641 zu fcilligentc 'Antwort, fcajj wir uns nicht enthalten können, sie hier vollständig mitzutheilen. Tie Veranlassung ergiebt fid; ans ihr selbst. Ew. Hochehrwürden haben sich in Ihrer am verflossenen Sonntage in der hiesigen evangelischen Kirche gehaltenen Predigt wieder einmal, wie schon öfter geschehen, recht eingehend mit den Juten befaßt. Bei einer erbaulichen (?) Betrachtung über die „Zerstörung Jerusalems" war es Ihnen natürlich unmöglich, Ihre Theilnahme, Ihr warmes Interesse für die Juden, — obgleich schon bis zum Uebermaße in Ihren Predigten bekundet, — nicht abermals mit dem glühendsten Eifer an den Tag zu legen. Es ist Dieses um so höher anzuschlagen, als Sie auch überzeugt sind, daß, — wie Sie Ihre Gemeinde belehren, — die „hervorragende geistige Begabung" der Juden eine Fabel sei, daß bei ihnen ttur die „niederen Geisteskräfte" besonders entwickelt wären, die dann „als Eitelkeit, Gewinnsucht, Streben nadi Herrschaft, B or d rä n g en" zu Tage treten, während der Ehrist allein „im Besitze der höhereren Geisteskräfte sei, denn er habe ja das Bewußtsein „der Gnade", das Bewußtsein, daß sein Gebet, „welches die Kraft besitze, Kranke gesund zu machen, Sterbende vorn Tode zu reiten", erhört werde. Die Juden, — so belehren Sic Ihre Gemeinde, - „verehren Gott nur mit dem Munde, und was für einen Gott? „ein falsches Bild unseres 'der Ehristen« wahren Gottes!" Sie halten es für nölhig, Dieses mehrmals zu wiederholen, um darznthun, daß ein Gebet zu einem solchen Wesen natürlich ohne Erhörung bleiben, daß ohne Einwirkung „der Gnade" das Leben und Treiben des Inden ein nichtiges sein müsse, das nur aus „Rechnen, Zählen, Zusamme»scharren des Geldes bis au sein Lebensende bestehe, wo alsdann „der Fürst der Finsternis;" (den Sie so oft und so gern eitiren) ihn packt, und den „Rarren" — zur Hölle führt. — Aber trotz dieser Verworfenheit der Juden heben Sie Ihre heiligen Hände zum Himmel empor, und beten — für ihr Seelenheil. — Wahrlich! Das ist zu viel, Herr Pastor! selchen Edelmuth haben die Juden nicht verdient! Mit dieser verworfenen (Gesellschaft langweilen Sie Ihre Zuhörerschaft eine volle Stunde lang? Tenn täuschen Sie sich nicht, — Sic 1 a ngweilen sie. Und wollen Sie es nnS nicht glauben, so horchen Sie nur umher in Ihrer Gemeinde, und Sie werten die Wirkung Ihrer Predigt vernehmen. Wie natürlich, denn Diejenigen, die Ihres Sinnes sind, wissen ja längst, daß die Juden verdammt seien; Sic haben sie ja zur Genüge darüber belehrt, und immer und immer wieder Dasselbe zu hören, ist doch langweilig; und die nicht von gleichem Geiste Beseelten, -- und Das ist gottlob! die bei Weitem überwiegende Mehrzahl Ihrer Gemeinde,— glaubt es Ihnen ja doch nicht, und ob Sie es noch so oft und noch so laut hinaus schreien! Sie werfen den Juden „Eitelkeit, Gewinnsucht, Streben nach Herrschaft, Verdrängen re." vor, — natürlich! von allen diesen Fehlern, namentlich von „Eitelkeit und H e r r s ch s u ch t", sind die Herren Pastoren sammt und sonderS gänzlich frei. — Sie sprechen sich dahin aus, „lieber ein christlicher Bettler, als der reichste Jude sein zu wollen". Darüber wollen wir mit Ihnen nicht rechten, denn wir .ehren jede Ueberzeugnng, obgleich es ein Leichtes ist, von einer selten Pfründe ans eine solche Aeußernng zn thun. Aber haben Sie niemals von Inden gehört, die, in Dürftigkeit und Zurücksetzung, nur ein einziges Wort hätten sprechen dürfen, nm als Ehristen Ansehen und Wohlleben zn gewinnen, und sie sprachen dieses Wort nicht; - - aus Ueberzeugungstreue? Wie vereinbart sich Dieses mit der „Gewinnsucht und Streben nach Herrschaft", die Sie den Juden zur Last legen?! Doch es uriheilt Jeder nur ans seinen eigenen Erfahrungen. Welche Gelegenheit hatten Sie, solche Erfahrungen unter den Juden zu sammeln? Soviel wir wissen, besteht Ihre einzige Beziehung zu ihnen darin, daß Sie (leider!) Juspeetor der ösfentlicken Schule unserer Gemeinde sind. Als es sich darum handelte, die Re- »luncration, die Sie aus der Schulkasse beziehen, zu streichen, weil sie als nicht zu stecht bestehend erachtet wurde, da sträubten Sie sich mir Händen und' Füßen dagegen (um zehn Thaler jährlich!', durchstöberien vierzigjährige Acren, und wandten sich mit einer Vorstellung an die königliche Negierung. Und da sprechen Sie von der Gewinnsucht der Juden? Sie, ein evangelischer Geistlicher, ein Ehr ist par «xccllciu*»», klammern sich mit Aengstlichkeit an das Amt eines Inspectors einer Juden - schulc! Da war der verstorbene Pastor Ritschte iu Rakel doch ein anderer Mann'; der erklärte einfach: Ich kann nicht Juspeetor einer Schule sein, die meinen Herrn und Heiland rcAeagiict. Darin liegt doch wenigstens Eonsequenz! Aber nicht genug, daß Ihrer Aussicht die inneren Schulangelegenheiten unterliegen, Sie wollen auch vollberechtigtes Mitglied des Schulvorstandes sein, Sie wollen auch über die äußeren Angelegeiiheilen der Schule, über die Geldmittel der Schule mit zu verfügen haben! -Wir fragen daher: 'Auf welcher Seile ist min ein „Vor drängen"? auf welcher Seite „Eitelkeit und Streben nach Herrschaft"? Wenn Sie übrigens meinen, daß die Ansicht j von der hervorragende:: geistigen Begabung der Inden eine 'falsche sei, so geben wir Ihnen da:in vollkommen stecht. Rie-; mals haben die Inden Dies im Ernste von sich behauptet. ES! ist Dieses, wie der fabelhafte Reichrhum der Juden, die Meinung oberflächlich nrlheilenrer Menschen, die von dem Einzelnen aus die Gesammtheit schließen; eS ist eine Erfindung von Leuten feindseliger Gesinnung, die mit der Verbieitung solcher Ansichten!rie unedelsten Leidenschaften gegen die Juden in dem Herzen der rohen Menge ansacheu wollen. Wir unsererseits glauben, daß ^es gute urw böse Menschen, begabte und beschränkte Köpfe nicht allein in jeder Religionsgemeinschaft, sondern auch «in jedem Stande, selbst in dem der Herren Pastoren giebt. | — Im „Zählen, Rechnen, Zusainmenscharren des Geldes" bestehtnach Ihrer Meinung das ganze Treiben der Juten, denn 3ü*

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