Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1873)
- Date
- 1873-09-23
- Page
- Seite 639 (sequence 9)
- Language
- German
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639 eie haben schon früher, bei Besprechung des neuen Mllitärgesetzes, von der höchst bedauerlichen Ausnahmestellung Vermerk genommen, die den jüdischen Militärpslichtigen durch jenes bereitet wird. Tenn diese bleiben, zum Unterschiede von den, den anderen Consessionen angehörenden, bis zum 30. Lebensjahre militärpflichtig. Wornrch diese Ausnahmestellung begründet, ist nnerstndlich, da selbst nach den ossieietlen statistischen Mitiheilungen die Zahl der Militärflüchtigen unter den Juden geringer ist, als unter der Äderen Bevölkerung deö SkeicheS. Uno doch bleibt diese nur bis zum 22. Lebensjahre dienstpflichtig. Das Ausnahmegesetz für die Inden soll übrigens nur :> Jahre probeweise gelten; zeigt sich eine Abnahme der Militärstüch- :igen unter denselben, so soll jenes beseitigt werden. Obgleich ras Ausnahmegesetz bellagenswerth, ist es doch gut, unseren längeren Glaubensgenossen zuzurufen: Handelt so, daß es nach Jahren aufgehoben wirs! — Für die Gemeinten in Deutschland dürste es gerathen sein, Militäransreister aus Polen und Rußland nicht mehr, — wie Dies früher der Fall, — zu fördern. Möge Jeder dem Staate treu dienen, dem er angehört, selbst unter ungünstigeren Bedingungen. Ans Rußland, im September. (Privalmitlh.» Tie schon früher gegebenen statistischen Notizen aus den, europäischen Rußland wollen wir hier nach rem süd. Wiestnik, welches Blatt ans den ossieietlen Veröffentlichungen schöpfte, noch in Etwas ergänzen. Ehen kamen bis 1Sn7 bei den anderen Rationalitäten eine auf 114 Seelen, bei den Juten eine auf HU; zweite Ehen machten lo'/i pEt., bei den Juden 37 pEt. aus. Es verheiratheten sich Männer bis zum 2o. Lebensjahre in der Ge-! sammtzahl 36 pEt., bei den Inden 13 pEt.; vom 20. bis 25. Jahre im Allgemeinen 31 pEt., bei den Inden 26 pEt.; vom 50. Jahre und darüber im Allgemeinen 151/4 pEt., bei den Juden nur 2 */, pEt. Es verheiratheten sich Frauen bis zum 20. Lebensjahre 5« pEl., bei den Juden 60 pEt.; vom 20. bis 25. Jahre 26 pEt., bei Inden 21 pEt.; vom 50. Lebensjahre an und darüber 5 pEt., bei Juden 1 '/•> pEt. Die Zahl der Neugeborenen ist bei allen Nationalitäten, außer den Juden, Ul Knaben aus 100 Mädchen, bei den Juden aber 13«» Knaben auf loo Märchen. — Tie aus diesen Verhältnissen zu ziehenden Folgerungen überlassen wir den Lesern. Jedenfalls geht daraus hervor, rast die Matriken bei den rt'.ssischen Jnren nicht so mangelhaft geführt werden, wie unsere Gegner es behaupten. Mexico. Ans Mexico, im Juli. Ter mexieamsche Eongreß hat folgendes (Gesetz angenommen: „Keine Religion soll vom Staate unterstützt oder unterdrückt werden; eine religiöse Eorporation geniestt keine Eorporationsrechte; ein mepieanischer Bürger ist nicht gehalten, einer bestimmten Religion anzugehören. I e « i l 6c!rüch!nttgktt zn den hohen Festen. II. Muh tlii.srlitliodiurlii nafsclii l.'inali teliemi alai ilocliili lclühim Ki od odenim Jcsclmotli paiiai Wcloliai. *) „Was bist Du gebeugt, meine Seele, Und was seufzest Du in mir'? Harr' auf Gott! Tenn noch werd' ich Ihn preisen, Meines Antlitzes Heil, Meinen Gott!" WaS diese Worte des Psalmisten 112, 12) aussprechen, Das lebt in der Seele jedes aufrichtigen Juden, der sich anschickl. in rer Abenddämmerung am neunten Tischri, begleitet von seiner ganzen Familie, sein Haus zu verlassen, und in das Gotteshaus *> Wir geben die'e Worte mit lateinischen vettern, um dem veser een anszerordemlichen WohtNang und den tresstichcn Ausdruck in den vauren zu Gehör zu bringen. f cf 0 n. zu wandern, Stunden des Gebetes daselbst zu verbringen. Es ist ihm nicht so, wie wenn er an einem anderen Feste weiß, nach kurzer Zeit zurückzukehrcn zu einem fröhlichen Festmahle, und morgen einen Tag der Festfreude zu begehen. Bangigkeit ist in seinem Herzen, und da er den Ernst des Lebens in Kamps und Mühen genugsam erfahren, seufzt seine Seele, nicht niedergedrückt, sondern nur gebeugt, nicht in wühlendem Schmerze, aber in der Empfindung allgemeinen Wehes, eigener Unznlänglichkeit und der schweren 'Aufgabe, die jedwedem Menschen bestellt ist. In der tiefer angelegten Natur regt sich das Bewußtsein rer Schltldhasligkeit, des vor dem stretigeren Richterstuhle ungenügenden Thuns und Lassens, der vielfachen Mangelhaftigkeit, der er ein ernstes Streben nicht entgegenstellt, sondern in weicherer sich gehen läßt. Wohl ihm, wenn in solcher Stunde ihm nicht das erschreckende Bild einer bösen That, der strenge Borwurf einer unverantwortlichen Handlung, eines Vergehens, ja selbst — eines Verbrechens vor die Seele tritt! ... Freilich, .mitten in dieser Herzensbangigkeit, in rer Schwere, die ans der Seele lasier, kommt ihm auch das tröstliche Gefühl: „Harr' auf Gott! Tn wirst Ihn preisen. Deines Angesichtes Heil, 0, Deinen Gott!" Tenn zu Ihm wallst du ja; anS Seiner Hand sollst du den Ausgleich aller deiner streitenden Gedanken, die Beruhigung deiner verworrenen Empsindung, die 30