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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-23 · Heft 39 (23.9.1873) · p. Seite 638

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 39 (23.9.1873)
Date
1873-09-23
Page
Seite 638 (sequence 8)
Language
German
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638 sich ausernckt, ftiv sich, für feine Kinder und seine Landesnur Slammgenossin auf eine äußere Reltgionsübung dringt, welche niisei er Zeit so angemessen wäre, wie die Dogmen und Morallehren unserer Religion. Wie es scheint, sind wieder Verhandlungen ansgenonnnen worden, das Otabbinereollegium in Padua zu reorganisiren und wieder in Thätigkeit zu bringen. Glück zu! Serbien. Wien, l. September. Eine von Herrn Hosrath v. 'Weil iittf Sprecher geführte Deputation der hiesigen israelitischen Allianz hatte gestern die Ehre einer Audienz bei Fürst Milan von Serbien, um die Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der jütischen Unterthanen deö Fürsten zu befünvorten. Nachdem in eingehender Besprechung die Angelegenheit von beiden Seiten erörtert worden war, gab der Fürst die Versicherung, bei seiner Rückkunft nach Belgrad ein ihm dahin nachzusendendes Memoire der israelitischen Allianz einer ernsten und gründlichen Berathung unterziehen zu wollen. Schweden. Norrköplllg, im Sepi.!'l1vi«atiiiiut).) Es li'iic für tic Vcjcr Ihrer Zeitung von Interesse fein, nicht nur zu wissen, käst gegenwärtig die im Reichsgrundgcsctze verordnete Kirchenshnode der protestantischen Geistlichkeit in Stockholm staltsindet, sondern aus der, Sonnabend den U. v., stattgesundenen Audienz der Versammelten bei dem Könige und den bei dieser Audienz gewechselten Steden zu erfahren, in welchem engen Verhältnisse der Staat hier noch mit der Kirche zusammenhängt. Es ist Dies der zweite Kirchentag, seitdem die alte Verfassung der Reichsstände aufgehoben, unk das Ztoei-Kanlnrersystem eingesührt worden, wodurch dem Priesterstande noch sein Recht Vorbehalten wurde, in Sache der Kirche zu berathschlagen, und Neuerungen und Verbesserungen dem Könige als Oberhaupt rer Kirche zur Bestätigung vorzulegen. Bei seiner Anrede an den König erwähnte der Erzbischof unter Anderem, ,,dast in Schweden seit uralter Zeit die Kirche und der Staat zum Frommen Beider eng miteinander vereinigt waren, und besonders feit der Reformation die Ehrenthaten unserer Könige ihm und der Kirche gemeinsam zugehörten. Wohl hört man auch hier zu Lande in unserer Zeit einzelne Stimmen, welche die Trennung dieses alten Vereinigungsbantes befürworten, aber waö anderswo ans Roth nnd unter Verhältnissen geschieht, welche glücklicherweise noch fremd für unser Land sind, sollte man sich wohl in Acht nehmen, um hier auch nur den Versuch zu machen. — Die Antwort des Königs ist ebenso bezeichnend. Er sagte, daß in Schweden das Wort Gottes in der Muttersprache rein und klar gepredigt wird, daß die Schweden deni Glauben und Bekenntnisse nach, ein Volk ausmachen, und dast hier die kirchlichen Angelegenheiten nicht von Feinten des Staalssnstems und der bürgerlichen Gesetze gepflegt werden; Das seien Vortheile, für welche manches Land Grund habe, Schweden zu beneiden. — Obgleich man hieraus sieht, wie Beide den Zusammenhang des Staates und der Kirche betonen und sich Testen freuen, so haben doch die außerhalb der Staatokirche Stehenden nichts ihre Freiheit Störendes zu befürchten; es soll sogar ein neues Gesetz für Dissidenten zur Berathung tommen, und er waNet man insbesondere von den in die Versammlung gewählten Laien eine freisinnige Entwickelung. *> Rußland. Warschau, im August. Zu Anfang dieses Jahres hatte Warschau eine Bevölkerung von ll>7,234 römischen Katholiken, S4.7.S7 Inden, 11,5IS Protestanten, 7,1 ln orthodoxen Russen, und S25 griechisch Uniiten. Die Juten bildeten also Etwas mehr, als den vierten Theil der städtischen Bevölkerung. Warschau, im August. «Privatm.» Herr Rabbiner Gesundheit ist durch den Grafen - Statthalter seines Amtes entsetzt ivorden; mit seinen Functionen sind Seitens des Vorstandes die übrigen Mitglieder des Rabbinates betraut worden. Herr- Rabbiner Gesundheit, obgleich, wie man hört, eine rabbinifche Größe, hat es doch während seiner dreijährigen Amtsthätigkeit nicht verstanden, sich durch seine Gesinnungs- und Handlungsweise die Sympathien irgend einer Partei zu erwerben. Nach einer »jährigen Amtsthätigkeit ist Herr 'Nathan Spiegelglas, das älteste Mitglied des warschauer Rabbinates, im Alter von S!> Jahren jüngst verstorben. Es werten dem Verstorbenen treffliche Geistes- und Herzenseigenschaften, talmudischer Scharfsinn und gesunde Lebensanschannng nachgernhmt. Auch für den letzten Fasttag. '.». Ab, hat das RabbinatScolleginm Fasten-Dispense erlassen, sowie die Genehmigung ertheilt, dast Diejenigen, die von diesen keinen Gebrauch machen, schon Abends, nach Ansgang des Fasttags, Fleischspeisen geniesten dürfen. *» Wir haben weder Sic Absicht noch das Vermögen, iu dieses gute Verhältnis; irgendwie cinzttgreisen. Doch darf meist vergessen werden, daß diese Zdenlisieirmig von Staat und Kirche in Schweden bi^ vor Kurzem die iuloterantcil (Lesetze gegen Katholiten und Juden aufrecht erhielt, und daß lange Zeiten tun durch der schwedische Priestersland ge gen die Verbesserung der vage der disseittireiiden Kirchen und Religio neu stinimte, und sie dadurch anst.'ielt. Wenn eine Ration sich riilmtt urrd rfewfä innet, <in<* Otaubeno;n fein, jo tann Dies nur dadurch erlangt worden sein, daß in den verflossenen Zeiten strenge ttnduwsamleü und harte Ausschließung gegen Andersgläubige herrschte. iU'ati muß sich freue», daß es besser geworden, und toll den Streit nicht l.-eransbeschwore», wo er nicht da ist. — aber die Vergangenheit dan mau doch nicht vergessen, weil sie uns Belehrung und Warnung crthcilt. Die Rcdaction.

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