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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-23 · Heft 39 (23.9.1873) · p. Seite 637

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 39 (23.9.1873)
Date
1873-09-23
Page
Seite 637 (sequence 7)
Language
German
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637 worden, fcaf? sogar zur Besoldung der angehenden Caudidaten' bis zu deren Anstellung Gelder da sind. Tie Besoldung soll, allerdings den mäßigen Satz von 30 £ftr. jährlich nicht überschreiten. Bon vierzehn Jahren ab werden Zöglinge angenommen, doch ist einige Kenntnis; res Hebräischen nothwenrigc Borbedingnng. Zu den Curatoren der Schule gehören der Obcrrabbincr und I)r. Hermann Adler, Sohn des Ersteren. «Die englische Orthodoxie unterscheidet sich wesentlich von der deutschen; sie ist conservativ, aber nicht polemisch, zank- und streitsüchtig, wie diese. Darum gelingen ihr auch positive Schöpfungen mehr als Tiefer, und trägt sie Bürgschaften der Existenz in sich, wie die deutsche nicht. Redaclion.) Ter Gemeinderath der City von London, hat dem Herrn Albert Sasiocn, dem Chef res zu Bombay residirenden Hanfes, das Diplom eines Bürgers der City von London in prachtvoller Ausstattung bei seinem jüngsten Aufenthalt in der Hauptstadt Englands überreichen lassen. Die vielen Beweise gemeinnütziger und wohlthätiger Gesinnung, welche dieses Hans bereits gegeben, bewirkten diese Auszeichnung. London.!. Scpt. Der neue M.-ist.r ol' tlic Kolls, Sir George Fessel, saß gestern zum ersten Male im Richterstnhle. Cs sind augenblicklich Gerichtsferien, doch ist dieses Jahr für das preeeßführende Publikum die Erleichterung getroffen werden, das; der zweite Richter des Ztauzleihofes wöchentlich ein Mal, und zwar Mittwochs, Sitzung hält. Sir George hat an seine Wähler in Dover einen Ausruf erlassen, worin er seinen Entschluß, die Wiederwahl in's Parlament auszuschlagen, damit begründet, das; zwar nicht der Buchstabe der Indiealuro Act, nach welcher er noch bis zum Rovember 1S71 Parlamentsmitglied bleiben könne, wohl aber der Sinn dieses Gesetzes die Ausgabe seines Mandats von ihm verlange. Wieder ist eine Iudensrage auf der Tagesordnung. In der Presse laut gewordene .Klagen über die Bedrückungen, denen algerische, also französische Inden im niuselmännischen Marolko ausgesetzt seien, veranlaßen Herrn Guedalla, die Bersolgung zur Sprache zu bringen, welche sämmlliche Inden aller Rationen in gesanmnem Staate ansznstehen haben. Er erreichte, daß Loro Granvckle dem britischen Vertreter in Tanger ausgab, sich über die Sachlage zu unterrichten und im Rothsalle auch, ohne weitere Weisungen ans London abzuwarten, nach eigenem Ermessen zu Gunsten der Juden einzuschreilen. Italien. Ans Oberitalicrt, s. September. «Privatmitty.) Im verflossenen Juni habe ich eine Reise unternommen, um meine Angehörigen nach längerer Zeit wiederznsehen. So kam es, daß ich nach Wien kam, wo ich mich, um.die Weltausstellung wenigstens oberflächlich anzuschauen, durch zwölf Tage aufgehalten habe. Ich hatte das Vergnügen, unter vielem Herrlichen und Anstannenswiirdigen nicht nur von israelitischen Fabrikanten hergestellte Erzcngnisse in großer Menge ausgestellt zu sehen, sondern fand auch besonders in der Abtheilnng für Erziehung und Unterricht speeiell Jütisches in sehr gefälligem Rahmen und Aeußeren. Wie kommt es. daß es einer Ihrer wiener Correspondenten, rer die Muße und Gelegenheit hat, gedachte Gegenstände einzeln zu prüfen, es nicht übernimmt, einen Bericht hierüber Ihrem geschätztem Blatte einzuschicken? Es wäre Dies sehr interessant, und wohl der Mühe werth. Es gäbe so Manches in dieser Beziehung zu besprechen. So ist z. B. auch die jüdische Journalistik, welche in Oesterreich erscheint, mit den periodischen Erzengliissen des Kaiserstaates zusainmengestellt, gewiß ein erfreuliches Zeichen der Zeit. 'Während meines Aufenthaltes in Triest gewahrte ich daselbst in der israelitischen Gemeinde noch ein lebhaftes Bedauern wegen des Ablebens des!>r. Saul Fermiggim. der sich letzthin durch seine hebräische Uebersetzimg des,,l„lVnur‘ von Dante in der literarischen Welt bemerkbar machte. . L)r. Formiggini war ein stark beschäftigter praktischer Arzt, und war nicht nur als mehrmaliger Präsident der israelitischen Gemeiueeatminislration und langjähriges Mitglied derselben, sondern als Mitglied der triester Munieipalverwaltung und. bei der Leitung sowohl des städtischen, als des israelischen Spitals ein wohlverdienter und in der That sehr geachteter Bürger der Stadt. In Wort, Schrift und That Bewunderer und Anhänger des positiven Iudenthumes, hielt er mit Eifer an der Beobachtung der Eeremonialgesetze, für, deren Heiligkeit er mit nicht minderer Wärme auftrat, als wenn es sich handelte, den Atel und die Erhabenheit der jüdischen Religionslehre zu verfechten nnd hervorzuheben. Sein Gespräch war höchst einnehmend, und sein italienischer Styl sehr gefällig, so das; er von Machthabern und Behörden Manches für das allgemeine Beste erlangte, was Anderen kaum gelingen dürfte. Bei uns völlige Stille. In Modena wird in baldiger Rähe endlich ein der Gemeinde angehöriges Gotteshaus eingeweiht werden. Es wäre zu wünschen, daß die Eröffnung zur Hebung und allgemeineren Theilnahme an dem öffentlichen Gottesdienst beitragen möchte. In dieser Synagoge wird eine Orgel ausgestellt, deren Zulässigkeit, und daß selbe auch an Sabbath und. Festtagen von Israeliten gespielt werden dürfe, der dortige Rabbiner auch aus Sohar und Maawar Jabot bewies. Im „Corriere Israelineo" entspann sich vor einigen Monaten, auf Veranlassung eines bedeutenden Artikels deS Rabbiners von Modena, Herrn S. Jona, zwischen Herrn Rabbiner Morlara von Mantua, und einem Advoeaten von Turin, Herrn Leone Levi, ein lebhafter Briefwechsel über Zulässigkeit, Rothwendigkeil, Zeitgemäßheil u. s. w. einer radikalen Reform der Eeremonialgesetze. Immer ein Lebenszeichen, da der turincr Eorrespondcnt ein auch aus aurerweitigem Felde recht thätiger, ganz unabhängiger Mann ist, und nur aus Religiosität, wie er

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