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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-23 · Heft 39 (23.9.1873) · p. Seite 636

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 39 (23.9.1873)
Date
1873-09-23
Page
Seite 636 (sequence 6)
Language
German
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636 hat, von Denen sich ausgesucht und an sich gezogen zu sehen, welche, so weil über ihm zu stehen, sich stets den Anschein gaben. (5s ist daher nicht zu verwundern, das; in einigen kleineren Städten die Borsteher der Iudengemeinden bereitwillig in die polnischen Wahleemitos eintraten, wenn sie hierzu auf schmeichelhafte Weise eingeladen waren. Die Drohungen der Polen an anderen Orten, wo die Inden roher Mißhandlung entgegensehen konnten, ihaten und thun daS Ihrige. Sonst aber nehmen die galizifchen Inden eine Stellung ein, welche ihnen zur (5'hre gereicht, und das Bewußtsein politischer Selbstständigkeit bezeugt. In Krakau haben, wie bereits berichtet worden. Persönlichkeiten eingewirkt, bis jetzt aber nur eine große Verwirrung erzielt. (5s treten hier neben drei Polen auch drei jüdische Candidaten ans, alle drei als „Polen und Inden", indem sie für den Potonismus agitiren, und als Inden darum Berücksichtigung von den Polen fordern, weil sie die Inden zu den Polen hinüberzuziehen vorgeben. So Pr. Samelsohn, der Präses des (^emeindevorstanres, der Verfasser des sonderbaren Wahlmanifestes, Dr. Rappoporl, der alle Juden an den Fingern zu haben und polonisiren zu kennen vorgiebt, und Dr. Warschauer. Biele Aussichten haben sie Alle drei nicht. In Kolomea dagegen nebst den zum Wahlbezirk gehörenden Städten, ist die Wahl des verfassungstreuen Dr. Hönigsmann gesichert, und der ihm gegenübergestellte Minister Ziemialkowski wird eine empfindliche Niederlage erleiden. Eine ähnliche Haltung behaupten die Juden in Tarnow. Wie weit sich in den Wahlresultalen ein Erfolg Herausstellen werde, kann man natürlich nicht voraussehen. Jedenfalls aber wird das kräftige Verhalten der Juden die unmittelbare Folge haben, daß die Polen in der Behandlung derselben etwas vorsichtiger werden.*) Ans Galizien, U. Septbr. «Privatmitth.) Das kaiserliche Patent vom 1. d., welches soeben erschienen ist und den neu zu wählendem Reick,sralh auf den 7. November znsammenbcrust, Neuwahlen für diesen ansschrcibt, ohne bis jetzt den Tag der Wahlschlacht zu bestimmen, hat nun endlich die Entscheidung nahe gerückt. Es wird sich nunmehr zeigen, welche THalen ans dem Strom von Worten, die gewechselt worden, hervorgehen *) Die jüngste Nummer der „N. fr. Pr." enthält noch folgende „Außer den It-nen schon letztt'iu genannten israelitischen Eemeiu devorständcn sind noch fotgende dem Programme des «Seutralwahleoinit'-o der Juden Ealizieuo deigelreleu: Die Eemcindevorstäude von Brzezau, Bnrozlyu, (Szontow, (^rzumalow, Erodet, Horodenta, Ltomarno» >lamionka. Mofeiola. PodUajce, Przeiuyol, Rawa, Rviuauow, Lambor, Danol, Neu--Länder, -Lkalat, Sokal, Stanistau, Strnj,! arnopol und ^leezen.'. In diesen Dtädlen wurden auch schon größlettrtieitü ioraelitiswe d'oeal- und Bezirlowal.'lcoiuit«'-S orgauisirt, welche sich sofort censtitnirten, und dem israelitischen Eentralcemiw über den <land der L'ai'taugelegcnt'eiten iu den betreffenden Bezirken, sowie über die Wahlvorbereitungen der polnischen und rnthenischen Partei Berichte zugel,en liefen." „Das israelitische Centraleomit.- bat auch bcbuso AusflcUnng ge cianeler Reichsratboeandidateu die 2gat>l eines besonderen. Ausschusses beschlossen." werden. Das Nächste eben ist, sich über Eandidaten zu bestimmen und zu einigen. In Kolomea mit den Schwesterstädten ist Pr. Hönigsmann ausgestellt, und dessen Wahl als gesichert anzusehen. Was Tarnopol betrifft, so giebl uns ein Schreiben des dortigen jüdischen Wahleountes, gerichtet an das lcmberger Wahlcomite vom 1. d., Aufschluß über die Intentionen, die man daselbst hegt. Das Schreiben druckt die Situation und Motive so klar und präcis ans, daß es hier wohl eine Stelle verdient: Es lautet: Da wir die jetzt zu Recht bestehende Verfassung als das einzige Bollwerk unserer Rechte und Freiheiten aufrechtzuerhalten, und in liberaler Richtung zu entwickeln bestrebt sein müssen, so können wir unseren Vertreter nicht aus der Mitte Derer entnehmen , welche die Verfassung zwar <Rjure anerkennen, dieselbe aber aus verfassnngsmäßigeut Wege in Galizien zu beseitigen bemüht sind. Wir wünschen daher nur einen solchen Verfassungstreuen zu unseren; Vertreter zu wählen, der ein gleiches Interesse hat, die Verfassung auch in unserem b'ande ansrechtzuerhalten. Da aber bis jetzt unter unseren christlichen Mitbürgern eine derartig prononcirte verfassungstreue Partei nicht existirt, so sind wir zu unserem Bedauern gezwungen, für jetzt unseren Candidaten nur unter unseren Religionsgenoffen zu suchen, wiewohl wir feierlich erklären, und bei früheren Wahlen es auch faetisch bewiesen haben, daß wir in politischen Angelegenheiten keine Rücksicht aus Rellgiousgeuoffcnschast kennen. In Bezug aus die Person hat sich das Eomitü erklärt, den Dr. Kohn, Präsidenten des Vereins „Schomer Israel", als Eandidaten vorzuschlagen. Abgesehen von seinen sonstigen Eigenschaften, ist seine gegenwärtige Stellung ani besten geeignet, ihn sowohl hier, als in Brzezan beim Volke populär zu machen. Dr. Kehn hat also die meisten Chancen, hier zu renssiren. Wir glauben aber auch, daß seine politischen Ansichten den soeben von uns präeisirten Wünschen vollkommen entsprechen. Dies vorausgesetzt, sehen wir einer darauf bezüglichen Manifestation Seitens des!)r. Kohn entgegen, woraus wir demselben die Eaneidalur förmlich antragen, und über die Mittel und Wege zur Durchführung der Wahl schlüssig werden. Das (Semite hat auch beschlossen, von rer Wahl von Delegirten zum lcmberger Eeutraleomite abznsehen, dagegen aber ans schriftlichem Wege mit demselben in Contaet zu bleiben. Lemberg, 11. Sepr. In Przemysl wurde der lcmberger Rabbiner Vöwenftein als versassnngslreuer Reichsralhseandidat ausgestellt. Großbritannien. London, 21*. August. In Portfea soll nächstes NeujaPlein indisch-thevlogis'hesE o ll eg, ,erössnet._Ioerd.en. Die nölhigen Fonds sind-durch Stiftungen in so hinreichender Menge beschafft

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