Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1873)
- Date
- 1873-09-23
- Page
- Seite 633 (sequence 3)
- Language
- German
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633 Philippsvns „Gegen D. F. Strauß" «jncvfi in Der „Allgemeinen Zeitung ccü Judenthums", rann separat erschienen, Berlin, Gerschel,, im Zusammenhang liest, Ter kann nicht anstehen, gerate riese Gegenschrift anch wegen ihres sachlichen Inhalts besonders hervorzuheben." Diese Würdigung res neueren Jutenthums, dieses Zugeständnis; einer „großartigen geistigen Macht", und daß „rer israelitisch-religiöse Geist zu reu bereulenrsten Potenzen res heutigen Eulturlebens zählt", gehört zu reu ersreulichen Erscheinungen, die wir gern nnr mit Entgegenkonuuen begrüßen. Wir gestehen essen, rast eine solche Anerkennung reö geistigen Gebens im Cuu denlhnme, nur zwar aus seinem eigensten, rem religiösen Gebiete, stets zu den wesentlichsten Zielen unseres nnr unserer jüdischen Zeitgenossen Slrebens gehört hat, — nicht aus irgend welchem ehrgeizigen Motive, sondern um rer Wahrheit willen, deren , Stimme, soweit sie vom Inrenthume ausgesprochen wirr, in dem großen Eoncene rer Geister vernommen werden müsse. Wahrlich, nicht einen beherrscheitden Einfluß streben die Juden an, — Dies ist RichtS, als eine perfide Anschuldigung, — sondern nur einen solchen, wie er der Geschichte nnr rer einwohnenren Kraft des JudemhumS znsteht. Wir wissen sehr wohl, raß cö Seitens rer Juden in dem ungeheuren Berhältniß des Menschengeschlechtes nnr immer wenige geben kann, welche sich in den geistigen Kämpfen der Menschheit vernehmbar mache» können; aber Seitens des JudenlhnmS selbst glauben wir eine Beachtung, eine Stellung beanspruchen zu müssen, wie sie ihrn so lange Perioden hindurch versagt werden, und die eS doch seiner Ralnr und Geschichte nach einnehmen müsse. Wir sind daher dem Berfasser dieser Schrift für riese unumwundene Auslassung dankbar ver- Tenmngeachlet hat die Sache auch eine Kehrseite. Tst genug hört man den Borwurs, raß die Juden in Bezug aus Alles, was daö Jurenthum betrifft, äußerst empfindlich feien, und bei jeder Berührung desselben in Harnisch geralhen. Wir wollen nicht behaupten, daß dieser Borwurs ganz unbegründet sei, noch dazu, da sich für eine solche Empfindlichkeit rechtfertigende Gründe leicht angeben lasse». Indes: müssen wir gegemoärlig diesen Borwurs mnkehren, und sagen, daß man von christlicher Seile gegen jede, ras Ehristenlhnm betreffende Aenßerung eines Juden, ätlßerst enipsiirdlich geworren. Wir haben erst in vor. Ar. an geführt, wie in der „Reneu evangelischenRirchenzeilnng" unserer Broschüre nachgesagt worden, sie stoße ein .Drumiphgeschrei'' über die Niederlage des Ehristeinhnurs in der Schrift von Strauß aus. Wir bezeichneien Ties als eine Unwahrheit, und forderten den Beweis dafür, »imsomehr, da wir S. 1" derselben gegen die Bemtheilnug von Strauß für das Ehristenthum in scharfer Weise uns anssprechen. Dennoch finden wir auch bei Di. 'Nippold ähnliche Zeichen der Enipsinclichkeit und der daraus entspringenden irrigen Beirrcheilnng. Indem er sein anssührliches, unparteiische,? und beistrmmendes 2reseral über unsere Broschüre sS. 2i>.'»— 2lu» einleitet, spricht er uns von „den in der neueren jüdischen Literatur herkömmlichen Hieben auf das Ehristenthum" nicht frei, schreibt uns deshalb die „unseren Kreisen leider säst unvermeidliche Ungerechtigkeit" gegen daö Ehristenlhnm zu, und will nun, „diese paar Unarten abgerechnet", in die Würdigung unserer Schrift entgehen. Was hat er aber für diese Bezeichnungen für Beweise? Er selbst ist genöthigt, unsere Stelle anznführen: „Es ist immer schlimm, eine große welthistorische Erscheinung lediglich ans zngespitzlen kritischen Gesichtspunkten zu betrachten, und ans aniidogmalischen Grundsätzen ein Unheil zu bilden. So wenig wie nnr ans Dogmen die große Wirksamkeit aus viele Jahrhunderte und Nationen hervorfließt und erklärt werden kann, ebenso wenig ist mit der Zersetzung dieser Dogmen die ganze 'Natur und Realität dieser Ctl'cheinung vernichtet. 'Wenn Strauß sagt, das Ehristenthum fei nie über die R'reuzzüge und Scheiterhaufen hinausgekomnien, es sek die 'Religion des Bettelwesens u. f. w., so sind DieS Uebertreibungen, die man nicht einmal dem Kritiker zu Gute halten kann." (S. lO. ll). Sieht Ties wie „Ungerechtigkeit" und „Unart gegen das Ehristenlhnm" auö? — Dr. N. kann sich nur berufen auf den „dankenden Aecept" der gegen das Ehristenthum speeiekl . gerichteten Sirauß'schen Thesen (vgl. S. 1 nj: „Sämmtliche christliche Dogmen werden kritisch beleuchtet, und ihre Unhaltbarkeit nachgewiesen, gezeigt, daß über die eigenlkichen Ansichten und Reden Jesu nicht das geringste Sichere und Zweifellose vorhanden ist." Dies ist eigen, und überraschte uns vollständig. 'Wer unsere Stelle im Zusammenhänge liest, wird sofort erkennen/ daß wir lediglich über die Resultate von Strauß reseriren, Nichts als seine 'Ansichten und Schlüsse zllsammeufasseu, da wir nuS auf diesen Gegenstand nicht näher einlassen wollten. Bon einem „dankenden Aceepl" keine Spur. Wenn ein jüdischer Schriftsteller in einer Schrift, - die er beurtheilen will, eine Berneinung der speeifisch christlichen Dogmen sindel, erwartet da Jemand, daß er den Autor be kämpfe? Kanu er weniger ihnu, als blos reseriren? Daß er mit tiefer Berneimmg übereinstimntl. ist selbstverständlich. Daun liegt ja eine Hanpidisseren; der beiden Religionen. Ist Dies eine Ungerechtigkeit oder gar eine Unart? Hätte Di'. '.Kippold gesagt, das; wir das kritische Resultat aus diesem -Felde aereptiren, so hätten wir Nichts dagegen; wenn er aber das Beiwort „tankend" emschiebt, um daraus eine Ungerechtigkeit und Unart unsererseits zu folgern, so müssen wir Dies entschieden zuri'utweifen. Es ist Ties eben ein Zeichen jener Empsindlichkeit, die sich gegenwärtig ans chrijllicher Seile gegen jede, noch so gemäßigte Aenßerung eines jüdischen.Amors kund lhut. Würden wir einer gleichen Gereiztheit nachgeben, so hätten wir dazu in der Schrift des Dr. Nippolt auch Beranlassnng. S. 2ns schreibt er: „Rönnen wir ans das Einzelne hier nicht näher eingehen, so möge dafür wenigstens die wabrbasl herrliche Aussühuuig über das Gebet <S. 22 21, ganz besonders betont werden. 3k,*