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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-23 · Heft 39 (23.9.1873) · p. Seite 632

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 39 (23.9.1873)
Date
1873-09-23
Page
Seite 632 (sequence 2)
Language
German
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632 ganze Glau bensgeuoffen schast verbunden war, thcils weil mit geringen Ausnahmen die Juden in ihrer Ausschließung nicht die Mittel und Wege besaßen, sich nach außen hin vernehmbar zn machen. Endlich schließt sich hieran das schwerwiegende Moment, daß zumeist dem Iudenthume sowie den Juden mit Verachtung und Verhöhnung begegnet ward, und nicht selten noch wird, daß man sie immer wieder verdächtigen will und anschuldigt, was natürlich um so leichter einen bitteren Ten in der Polemik hervorruft. Wir halten uns daher überzeugt, daß, wenn erst von christlicher Seite eine achtungsvollere Stimmung und eine gerechtere Behandlung die Ziegel wird, man gern und leicht von jütischer Seite auf denselben Weg einlenken werte.. Wir kommen von dieser allgemeinen Betrachtung, die noch lange nicht erschöpfend ist, zu einem vorliegenden Falle, der an sich erfreulicher Art ist. Die bekannte Schrift von David Friedrich Strauß „der alte l!Nd der neue Glaube" hat eine große Anzahl von Gegenschriften hervorgcrusen. Wir können, nebenbei bemerkt, hierbei auf eine gewisse Priorität Anspruch machen, da unser erster Artikel schon vom 28. Oetober v. 2. (Nr. i:>i datirt. Es ward daher zum Bednrfniß, über Alles, was über diese Sensationsfchrift erschienen ist, einen Neberblick zn erhalten und gewissermaßen ein Faeit zu 'ziehen. Man braucht nicht zu fürchten, daß Dies gegenwärtig noch zu früh sei. In unserer schnellpulluenteu Zeit irirr fcfb]t die bedeutendste Erscheinung bald in den Hintergrund, noch dazu, wenn sie. stark in der Negation, aber ' k-wach in der Positivität, nicht angethan ist, irgend eine Grundlegung zu bewirken: und Dies, ist ganz besonders mir der Stranß'schen Schrift der Fall. Für dieses Bedürfnis ist denn auch die Befriedigung gekommen, und zwar in der vor kurzem erschienenen Schrift „D. Fr. Strauß' alter und neuer Glaube und seine literarischen Ergebnisse. Zwei kritische Abhandlungen von Di-. sv. W. E. R a n w e n h off, Professor an der Universität Leyden, unk Di'. Fr. N i p p o l d, Professor an der Uuiversttät Bern. (Leipzig und Leyden, Richter u. Harraffavitz Während der erste Dheil eine Abhandlung Rauwenhofss gegen Dwauß enthält, bringt der zweite (S. I2i»—2 17 » ein raisennirendeö Referat über alle Besprechungen, die bis zum 11. August d. I. über Strauß erschienen sind, und zwar annähernd bis zur Vollständigkeit. Nippold führt zuerst die Stimmen an, welche sich für Strauß vernehmen ließen, und eS ist wohl zu bemerken, wie äußerst gering, wenn man von ultramontanen und socialdemokratischen Blättchen absieht, — die Zahl seiner Vcrtheidiger ist, und sich darunter kaum ein anerkannter naturtoissenschastlicher Fachmann, auS anderen Diseipliuen kein einziger befindet. Der Verfasser ist daher genörhigt, alsbald zu den Gegnern von Strauß überzugehcn, und bespricht da zuerst die philosophischen und naturwissenschaftlichen, läßt dann die große Schaar der Zeitschriften und Zeitungen folgen, und zwar der deutschen, wie der ausländischen, an die er nun die eigentlichen „Vertreter religiöser Ideen" schließt, und hier sinken wir als Einleitung eine Stelle über die Bedeutung des Jutenthmns in der Gegenwart, die wir, als zum Zwecke dieses Aufsatzes dienend, hier wörtlich anführen wollen. Der Verfasser sagt <S. 2«>3): „'Mit allen diesen Urtheilen aber haben wir noch immer nur eie Stimmung der im Allgemeinen nichts weniger, als specifisch-resigies gestimmten belletristischen- und Zcilungspresfe kennen gelernt. Und erst jetzt wenden wir uns zu Denen, welche sich als Vertreter religiöser Ideen, wenn auch in den verschiedensten Formen, bekennen. Dabei wollen wir von der breitesten Basis auSgeheu, und an die Spitze Derer, die für das bleibende Recht aller wirklich so zu nennenden Religion gegen Strauß ausgetreten sind, den Vertreter des Judenchwus stellen. Unser Recht dazu dürfen auch nur Diejenigen bestreiten, die von der großartigen geistigen Macht gerade des neueren Judemhums keine Kunde haben. Wer aber z. B. auch nur einigermaßen die Zustände in de^ ch'nugen Jerusalem kennt, Der weiß auch, wie dort (neben den scheußlichen Scencn, die die lateinische und griechische Kirche von Jahr zu Jahr an den heiligsten Orten in den heiligsten Stunden aufführen,' neben den um 'Nichts weniger traurigen Vorkemmuisseu, aus denen die Geschichte der englischen Jndenmission sich znsammensetzt, neben dem unverkennbaren Verfall endlich, in dem der Islam, innerlich, wie äußerlich begriffen ist,) es gerade die jüdischen Kreise sind, in denen sich unter allem Zank rer zahlreichen Rabbinen, und unter allem Formelkram des Pharisäerthums zugleich eine religiöse Energie und Opserfreudigkeit findet, die unwillkürliche 'Achtung erzwingt. Wer ferner die große Zahl der demsch-jüdischen Zeitschriften, von denen von Znnz, 'Adler, Fürst, Stein, Hirsch an, bis zu den Repräsentanten der verschiedenen Richtungen des Augenblicks überschaut -. , wer den mancherlei heftigen Auseinandersetzungen der Parteien, sowohl auf mir nach den Rabblnerversanuulmigen, wie in den Einzelgeineinden uachgeht; weran die bedeutenden 'Werke über die Geschichte des JndenihnmS denkt, von reuen eines ras andere ableste; wer sich der Streitigkeiten erinnert, in die gerade solche christliche Gelehrte, die den jüdischen Verhältnissen und Leistungen aitgeincssene Aufmerksamkeit schenkten, >eö sei nur einerseits Virehow, andererseits Hitzig und Hochmaun genannt), sich hineingezegen sahen, Der kann nicht in Zweifel sein, das; tganz abgesehen von dem sprichwörtlichen Eiusluß des jüdischen LiteralenthumS,) der israelitisch-religiöse Geist zu den bedeutendsten Potenzen deS heutigen Eullurlebeus zählt. Und raß derselbe nicht gewohnt ist, sich geringschätzig behandeln zu lassen, Das bewies bereits der gegen Renan, sowie der gegen den Strauß von ISUl von Sulzbach und Geiger erhobene Angriff. Gegen den heutigen Strauß aber sehen wir alsbald einen jüdischen Forscher austreten, reffen Name gleich sehr durch zusammensassende Werke, wie durch Zeilschristsarbeiten und Predigten, ja nicht minder selbst ans dem Gebiete der polirisch-rcligiösen Fragen, des Trauerspiels und des Romans, wohlbekannt ist. Und wer Ludwig

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