Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1873)
- Date
- 1873-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Ein miplutciisllics Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zci'.uiia erscheint wöchentlich einmal in l vis 'J '/■> Bo-;cn. Preis l ^'Utfvtclifltria I Thlr. * Jm'cratc werden ■ mit 1 vJißr. für die Pelii;eile oder deren .h'auiit berechnet. Alle ^uchhaudlunucn. f Postämter und ZeitunzS - Expeditionen nelmien ir<estettnne>en an. HerauSgegeben von Rabbiner I)r. Lndwiy j)!)i!ippson in Bonn. Verlag von Vnnmgättucr's Vnchhandlimg in Leipzig. In redaetivneUen Anaelegenheite» wende man sich an l>r. C. Pliilippssn in I tt'oim: binsichlliM des Be;»>ts und der! .'„'erate an Onunt liii turr's OmliliaiiMiuni j >nveip;i>t. 3nfrnilr, U'clitk* bio Pomirr»- ( (tut ein-,'eben, finden inder earauffolgeN' i den 'Hununcr Beriulsin-tigung. 37. Jahrgang. Leipzig, den 23. September 1873. JS? 39. Inhalt. Leitende Artikel: 'Würdigung und Emvsindlichteir. - Zeitungsnachrichten: Deutschland: München, Berlin. Posen, Potsdam, Straßburg. —. Oe sie rrci ch i sch--n ngari sch e Äi on a r ch ie: Ali-5 Galizien, Lemberg. Großbritannien: London. — Italien: Aus Oberitalicn. — 3cvl'icu: Wien. S ch w e den: Norrtöving. - Rußland: Warschan, Ans Rußland. - Mexico: Ans Mexico. — Feuilleton: Betrachtungen zu den hohen Festen. II. — (Sine Antwort an einen evangelischen Pastor. — Vermischtes. — 9tach trag: Nom. Al lende <5tdilicf. Bonn, 17. September. Würdigung und Empfindlichkeit. Ze näher die politische und sociale Frage betreffs der Inden ihrer völligen Losung nahe gebracht, und die Gleichstellung für die Bekenner der jüdischen und der christlichen Religion, wir Hessen, auch bald für diese Religionen selbst, immer vollständiger wird: desto wünschenSwerther wird c-S, daß die Erörterungen über Iildenthum und Ehristeuthnm von beiden Seilen im Geiste der Achtung und der Objeelivität vor sich gehen. Es ist selbstversiänrlich, das; zwischen innerlich und äußerlich so nahestehenden Religionen, reuen zugleich dieselben Kampfmittel zu Gebote sichen, die gegenseitige Durchforschung, Beurlheilung, Begegnung und Polemik nicht aushören kann und soll. Auch ist eS gar nicht zu erwarten, daß sich Schärfe und selbst Bitterkeit im Verlaufe eines zwischen ihnen erössnetcn Streites nicht -selten ein stellen sollten. Tie Berührungspunkte zwischen beiden Religionen sind zu häufig, sowohl an der Oberfläche, wie in der Tiefe, und die an Fanatismus gränzende Erregung ist zu leicht angefacht, als als daß Heftigkeit und Vorinthoil ganz;u vermeiden wären. Zwischen dem Ehristenthnme und dem Islam liegen die Dinge ganz anders. Dies verhindert jedoch nicht, daß im großen Ganzen ein objecliver und wissenschaftlicher Geist sich auch hier immer mehr verbreite und die Oberhand gewinne, das; man von der einen, wie von der anderen Seite mit Achtung und dem echten Sinne geschichtlichen und kritischen Forschenö vorgehe, nicht ans jedem Streite einen Kampf wie ans Leben und Tod mache, mit einem Worte, von beiden Seiten zu mehr Würdigung und zu weniger Empfindlichkeit komme. Betrachtet man die Dinge möglichst unparteiisch, so wird matt zugestehen, daß hierin das Gewicht schwerer in die Wagschale deS Indenthmns fällt. Das Ehristenthmn hat rem Letzteren gegenüber keine wirkliche Existenzfrage. Die ungeheure Majorität der christlichen Bevölkerung, die Herrschaft über unermeßliche Hülfsmittel, über Literatur, Wissenschaft und Knust, über die Gesellschaft und den Staat sichern dem Ehristenthnme die Existenz, wohingegen den kleinen, unendlich zerstreuten Gruppen von Bekeunern des Iudenthnmö alle diese Vortheilc fehlen, dieses nur aus den vergleichsweise schwachen Kräften seiner Anhänger seine Hülfsgnellen zu ziehen hat, also in der Thal bei jedem Mangel an Ueberzeugnngstrene und Opserwilligkeit in seinem Dasein bedroht ist. Hierzu kommt, daß der Kampf mit seltener Ausnahme von christlicher Seite ausgegangen ist und ansaeht, weil eben in der Ralur des Ehristenthnms das Verlangen liegt, das Indenlhnm zu absorbiren, während diesem nach seiner Beschaffenheit. Stellung und Richtung die Presclhtcnmacherei fern lag und liegt. Hierbei ist ferner zu erwägen, das; anderthalb Jahrtausende hindurch ras Indenthum so gut wie zllin Schweigen verunheilt war, theils weil jede freie Aeußerung seinerseits mit teil traurigsten Folgen für den Sprecher und die