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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-16 · Heft 38 (16.9.1873) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 38 (16.9.1873)
Date
1873-09-16
Page
Seite 625 (sequence 11)
Language
German
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625 Und dennoch ist es gut, es immer wieder auszusprechen und einen prüfenden Blick darauf zu werfen. Denn darum kehren ja diese Feste Jahr für Jahr wieder, weil jene Lehren den Geistern der Menschen im Gewühle reS Lebens und in der Verwirrung der Seelenzustände allzuleicht verschwinden oder erblassen, und die Macht nicht behalten, die sie auf uns üben sollten. Unseren Geist daher gewissermaßen vorzubereiten und dafür zu stimmen, wird immerhin von Nutzen sein. Der gedankliche Inbegriff des Rösch hafchanah, wie er sich, wenn nicht durch das ausdrückliche Wort der Schrift, doch seit undenklicher Zeit gestaltet hat, ist: die Lehre von der göttlichen Wallung, von der Vorsehung und Vergeltung im Geschicke der Menschen. Diese Lehre wird durch das Fest nach zwei Seiten in Betracht gezogen. Zuerst: das Geschick des Menschen im Wandel der Zeit, im Wechsel rer Jahre. Mil diesem Feste zählt unsere Zeitrechnung. Das )ahr schließt ab, ein neues beginnt. Der Blick ist rückwärts gerichtet aus die Erlebnisse der Vergangenheit, und vorwärts aus das Dunkel der Zukunft. Der Mensch ist nicht bestimmt, zu vergessen, sondern sich zu erinnern, und daraus die Erfahrung zu ziehen, welche eine Stütze unseres Lebenö sein soll. Und zu wissen ist er berufen, daß, wenn er auch die kommenden Ereignisse nicht vorherzusehen vermag, Trübes doch mit Freudigem, Gewinn mit Verlust, Täuschung mit Erfüllung wechseln werde. Es ist gut. Dies stets in der Seele zu tragen, und dieses Licht niemals erlöschen zu lassen, um in dessen Strahlen die Dinge weise anzuschauen. Denn der Mensch fühlt sich gar leicht sicher in seinem Bcsitzlhume, und bildet sich die Dauer Dessen ein, was er schasst. So sott er die Vergänglichkeit begreifen, aber auch das für ihn Bleibende im Wechsel der Zeit. Die Erinneruna wird sich aber nicht bloß auf das Erlebte erstrecken, sondern auch auf den Antheil, den sein Wille und sein Thun daran gehabt. Leise wird sie an die Pforte seiner Seele klopfen, Einlaß begehrend, um zu schauen, was in den Kammern seines Herzens dazu gewirkt habe, ob Gutes oder Böses, Verdienst oder Schuld, "Recht oder Unrecht, Tugend oder Sünde! Er hört ras Klopfen: wird er aufthun die verschlossene Pforte? Wird er mit eigenem Auge in die Tiefen schauen, selbst forschen und sich Nichts verbergen? Tie Schuld des Festes ist eS nicht, wenn er ras Klopfen überhört und die Pforte verriegelt, oder schnell wieder nach außen eilt.. . Auf dem Grunde dieser Gedanken, an den Wechsel der Zeit, an das Vergangene und das Kommende, und an daS eigene Wollen und Thun richtet nun das Fest die Lehre von der göttlichen Vorsehung und VergelNrng hoch aus. ES streckt den Arm von der Erde zum Himmel empor, und ruft dem Menschen zu: Dahin blicke, denn von dort kommt das Werden und das Sein, und das Vergehen; kommt die Fügung, die alle Fäden zusammenspinnt, all' die einzelnen Glieder zur Kette vereinigt, all' die verschiedenartigen Ursachen znsamrnensließen läßt, um die Wirkung hervorzubringen, die Wirkung, in der du die Folgen deines eigenen Thuns als mehr oder weniger milwirkender Ursache, aber auch die höhere Fügung, die Verschmelzung der Thatsachen zu ursächlichen Momenten erkennst, oder doch zu erkennen vermagst. Denn Vieles drängt sich denr Auge von selbst auf, daß Dies es schauen niuß; Vieles entschleiert sich, wenn du das Auge mit Bedacht und prüfendem Ernste darauf richtest . . . Schau, fährt das Fest fort, nicht ein blindes Fatum und eine blutdürstige Nemesis der Griechen und Römer, nicht Zeruane-Akrene der Perser, oder eine Ne'ttha der Eghpter, oder sonst eine unverständliche Nothwendigkeit, in den Sternen geschrieben, wie der Sabäer und der Mann der mitttelalterlichen Wissenschaft eS anschaute, lehre ich dich; sondern den Gott der Liebe und der Gerechtigkeit und der Allweisheit, dem du ebenbildlich geschaffen, und der dich bestimmt hat zur Erkenntnis; und Heiligung, zum Erkennen und Neben des Rechtes und der Liebe, und der ebenso dich walten läßt in der Freiheit deines Wollen- und ErkennenS, wie er in seiner Wallung allem.Einzelnen daS Gefüge giebt, es zusammenleitet und verbindet, dich richtet und führt! Dieses Bewußtsein der göttlichen Vorsehung und Vergeltung in dem Feiernden zu erwecken, zu beleben, zu einer bewegenden Kraft für das zukünftige Thun und Lassen desselben zu machen, Das ist der Zweck dieses Festes, Das soll an ihm in unserem Geiste hervorgehcn und sich desselben bemächtigen. Darum ist es mit dem ersten Tage des religiösen Jahres verbündet., darum mit der Energie des Alterlhumes „der Tag des Gerichtes" benannt worden. Eine alte Mischna sagt: „An diesem Tage gehen alle Erdenkinder vor dem Throne Gottes vorüber wie Lämmer, wie “C in der Schrift heißt lPs. 33, 9): „Er, der Aller Herzen gebildet, prüft all' ihr Thun."*) „Wie Lämmer", die der Hirt an sich vorübcrgehen läßt, um ihr Geschick nach ihrer Beschaffenheit zu bestimmen. Es ist ein Bild, das uns vergegenwärtigen soll, wie wir unter der Obhut des erhabensten Hirten stehen, der uns weidet, der aber auch aus uns scharrt und über uns bestimmt, voll Einsicht, voll Liebe, aber auch nach Dem, was wir aus uns gemacht, und was auS uns geworden. Ein Bild ist immer lückenhaft und unbestimmt. Bestimmt und vollständig ist die Lehre unserer Religion, — klar muß sie werden in unserem Verstände; warm und geliebt in unserem Herzen. Wie? sträuben wir uns dagegen? Wir schauen immerfort in der Natur vor uns, wie das Kleinste gleich dem Größten, — was wir so klein und groß neunen, — nach gleichen Gesetzen sich gestaltet, wird aus dem Vorhergehenden und wirkt auf daS Kommende, das Blümchen auf der Wiese in Form, Farbe und Duft, wie das Gestirn in unendlicher Ferne in Größe, Gestalt, *) Roscb. hasch. I, 2. rbav abirrs 'N3 Vs 'cn '-a 'ist yma tsd •nzEb; wozu Barten.: ysraiup ibbrs o^osss yasb nr -ihn nr pp nrsa in». Der Dichter des qpn n:n:i führt Dies.weiter aus: nnn irxas raya in? nm mpss T>nnm Ti bs ted: ypcrn n:sm mcom -ra?n p * mao :on‘“iT3 pn ström rr-o bsb nus:p 3S*

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