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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-16 · Heft 38 (16.9.1873) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 38 (16.9.1873)
Date
1873-09-16
Page
Seite 624 (sequence 10)
Language
German
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624 kerung, und stellen wegen ihrer Unterschiede in Sprache, Bildung und Charakter bis jetzt noch eine Art besonderer Gesellschaft dar. Die Statistik der Criminallisten bestätigt keineswegs die ungünstige Meinung über die Moralität der Juden: I. Verbrechen gegen Personen: Christen Juden Mord. 33,03 1,03 Veranlassung zum Tod. . . . . . . 51,03 1,06 Beschädigung der Gesundheit . . . . . 01,03 37,06 Vergehen gegen Staatsrecht. 0,70 0,73 Verlänmdungen und schwere Beleidigungen 31,-15 30,04 210,33 80,02 II. Vergehen gegen Eigenthum: Christen Juden Mord und Raub. ..24,0t 8,0 Brandlegungu. Vernichtungsremden Cigenthums 44,16 18,18 Diebstahl.. . . 1 18,05 142,03 Betrug und Täuschung. . 7,00 11,31 223,28 17 0,52' III. Vergehen gegen den Staat: Christen Juden Fälschungen, Münzen und Papier ... 5,02 20,00 Defraudationen. . 14,77 65,08 Vergehen gegen die Accise. 15,07 15,07 34^84 ,00/15 IV. Vergehen gegen öffentliche Verordnungen: Christen Juden Amtsvergehen. 50,88 7,17 Vergehen gegen die öffentliche.Ordnung . . 05,03 87,02 Vergehen gegen die Militärpflicht. . . . 1 1,63 7,68 Vergehen gegen die öffentliche Sicherheit. . 32,01 26,02 Vergehen gegen die Polizeiordnung . . . 16,64 56,42 215,10 184,31 V. Vergehen gegen die Moralität: Christen Juden Geburtsabtreiben, Kinderbeseitigen. . . . 20,00 4,23 Ehebruch. 11,24 5,11 Meineid. 0,45 1,00 Religionsbeleidigung. 6,30 0,05 47,08 11,38. Wir sehen hieraus, bemerkt die „Gazeta Polska", daß die Juden sich mehr gegen das Eigenthum, als gegen die Personen vergehen. Was Religion und Moralität anbetrisft, so stehen sie darin als die Katholiken, mit Ausnahme in Bezug auf den Meineid. Interessant ist der statistische Vergleich der Vergehen betreffs der Militärpflicht. Man ist stets der Ansicht, daß sie sich derselben in einem stärkeren Grade entziehen, als die Christen; die Tabelle beweist das Gegentheil. Das Staatseigenthum kommt bei den Juden am Schlechtesten fort; während das Leben Linderer' bei ihnen 30 Mal sicherer, als bei den Christen, ist, sind die ersteren 8 Mal südlicher für das Staatsvermögcn." Zu dieser letzteren Auslassung haben wir zu bemerken, daß Dies wohl darin seinen Grund hat, daß die Juden mit Handel und Industrie sich weit mehr beschäftigen, als die Christen. Auch der Hang zu Leben ist, wie die obengenannte Zeitung hinzufügt, bei den Juden bedeutend größer, als bei den Christen: im Jahre 1871 waren unter 158 Selbstmördern nur 3 israelitischer Confession. Bemerkenswcrth ist, daß die Moralität der Juden sich seit deren Gleichstellung l I 862) gebessert hat. Im vorigen Jahre bildeten dieselben 17,3 °/o ter Gesammtzahl der Verbrecher, jetzt nur 16,1 °/o. Ieuil Betrachtungen zu den hohen Festen. I. Wenn dieses Blatt in die Hände der Leser gelangt, so rüsten sich alle Diejenigen, welche dem Bekenntniß Israels angehören , mit Weihe und Andacht die hohen Feste zu begehen, die abermals herannahen. Rur Wenige werden fehlen. Wer sich noch irgend als Mensch mit seinem Gotte, als Israelit mit der Gottesverehrung, wie seine Religion diese gestaltet ha!, im Zusammenhänge fühlt, und das Bedürfniß empsindet. das Drängen seines Herzens, sich über das Treiben des gewöhnlichen Lebens zum Gottesbewußtsein und zur Läuterung seines Menschenthums zu erheben, Der wird von diesen Festen angezogen und ergriffen sein, um sie feierlich und hingegeben zu begehen. In der That hat die Religion Israels mit diesen Festen des Rosch haschanah und des Jom Kippur ihren Bekennern eine l e t o n. hohe Gabe gewährt, wie sie köstlicher und lauterer aus der Hand eines Cultus nicht dargereicht wird. Ihr Gedankeninhall, die Ziele, die durch sie angestrebt werden sollen, sie sind rein menschlicher Art, um zu Gott zu führen und zur Heiligung des Menschengeisles. Sie knüpfen sich nicht an die Geburt oder die Thaten eines Menschen, welcher Heros dieser auch sei, auch nicht an irgend eine geschichtliche Thatsache, die, so gewaltig sie auch sei in Ursache und Wirkung, doch nur einenr gewissen Menschenkreise angehörte, und dem Veralten unterworfen wäre. Der Gedankeninhalt dieser beiden Feste ist vielmehr eine einfache, klare Lehre, wie sie die Religion für alle Menschen lehrt, von keinem mystischen Dunkel umhüllt, an kein Geheininiß gebunden. Welche ist diese Lehre, die jene beiden hohen Feste verkündigen, zum Bewußtsein bringen, und zu Thaten gestalten sollen? Die Leser wissen cs, wissen es allesammt, wissen es seit ihrer Kindheit.

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