Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1873)
- Date
- 1873-09-16
- Page
- Seite 623 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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623 So ist bereits der tatsächliche Beweis gegen die unselige Idee der Massenauswanterung nach 'Amerika, welche Sie so energisch bekämpft hatten, geführt worden. — In jüngster Zeit sind viele rumänische Ortschaften von schweren Feuersbrünsten heimgefucht worden. So Bottuschan, Husi, Falciu, Stefanesti, Mirotowa, Arlau. Anstalt nun die natürliche Ursache in der außerordentlichen Dürre, welche seit Monaten bei dem Mangel alles Regens in Rumänien herrscht, und in dem schlechten und feuergefährlichen Zustande der Häuser zu suchen, erhitzt sich die Phantasie des Volkes, glaubt an Banden und Verschwörungen u. dgl. Die rumänischen Zeitungsschreiber benutzen Dies, um den Fanatismus zu stacheln. Da ist B. die „Trompete der Karpathen", welche das ganze Unglück der göttlichen Vorsehung zuschreiben will, weil diese die Rumänen zu strafen beabsichtigt, daß sie die Juden in ihrem Lande und in ihren Häusern wohnen lassen. Zugleich erhebt sie ein Zetergeschrei, daß man die abgebrannten, res Obdachs und der Habe beraubten Juden auch unterstützen wolle. Vor der Humanität, sagt dieses scheußliche Blatt, komme die Nationalität, und die Rumänen dürften nur Rumänen unterstützen, die Juden aber müßten sie verschmachten und verhungern lassen. Wir wollen Ihr Blatt nicht mit allen Auslastungen dieser schändlichen Volksverhetzer, die rem rumänischen Namen so viele Schmach bereiten, beflecken. Allerdings erheben sich andere Blätter gegen diese Barbarei; so die „Presta" und das „Journal de Bukarest". Die erstere protestirt mit großem Feuer gegen die abscheuliche Theorie der Trompetta; als Menschen, Rumänen und Christen protestirt sie gegen diese Verletzung aller menschlichen Gefühle. Einen thatsächlichen Gegenbeweis hat der jüdische Verein Sion geführt, welcher 2500 Fr. geschickt hat, um ohne Unterschied der Konfession in den Städten Bottuschan, Falciu und Husi vertheilt zu werden. Rußland. Warschau, im Juli. i'Privatmitth.» Auch hier hat die Negierung die Schechita frcigegcben. Die Schochtim sind fortan von den Gemeindevorständen nicht inehr abhängig, sondern bedürfen zur Ausübung des rituellen Schlachteus nur der rabbinischen Oualisication. Alles Neblige ist der Vereinbarung zwischen Schlächter und Fleischer überlasten, und somit für's jüdische Publicum eine sehr wohlthätige, die Preise für Koscherfleisch herabdrückende Concurrenz geschaffen. Ter hiesige „Israelit" klagt, daß die lo Herren, welche die Sammlungen für den Synagegenbaufonds übernommen, ihre Pflicht nur lässig erfüllten. — Einer Bekanntmachung des Synagogeubaucomitös zufolge, erhielt Herr Negierungsbauinspector Bronislaw Zochowöki für seine, obgleich dem Bedürfniß nicht vollständig entsprechende Arbeit (Plan für die neue Synagoge) den ersten Preis von 750 Rbl., Herr Johann Heinrich, Privatarchitect, den zweiten. — Herr Rabbiner Gesundheit hat für den verwichenen 17. Tamus, in Anbetracht rer Eholeragefahren, Fastendispense erlassen. Päpstlifch-komisch! - Eine, in Gegenwart musikalischer und gesanglicher Capacitaten Seitens des Herrn Schnitzer veranstaltete Probe des Synagogenchors hat sich des größten Beifalls zu erfreuen gehabt; mehrere Piöcen mußten auf Wunsch der Anwesenden wiederholt werden, so hinreißend gelangten sie zum Vortrag. Herr Schnitzer soll bekanntlich zum Chordirigenten angestellt werden. — Der Redaction des hiesigen „Israelit" wurde von einem Christen der Abonnemeutspreis für l0 Exemplare der Zeitung zugesandt, mit der Bitte, die nur Segen schassende Lectnre derselben in weiteren, auch nichtjüdischen Kreisen zu ermöglichen. Bei dieser Gelegenheit wollen wir uicht unerwähnt lasten, daß auch die Chassidim die Lecrüre des hiesigen. „Israelit" nicht verschmähen. Möge sie nur gute Früchte bei ihnen tragen! — Die Gemeinde zu Lodz wollte sich einen ^>0jährigen Chassidimrabbi als Seelsorger anstellen; dieser aber, ein achtungsvoller Mann, welcher die ihm von der Wahldeputation iusinuirte Wunderkraft in Abrede stellte, lehnte die Wahl ab. Ob nun die Gemeinde Lodz darauf Verzicht leisten wird, einen Wunderthäler auf dem Rabbinatsstuhle.zu haben? Bekanntlich wimmelt es in Lodz von Chassidim, während die nicht geringe Anzahl von Rabbinisten theils zu indifferent, theils geistig zu beschränkt ist, um sich jenen gegenüberzustellen. Die alljährlich, unter dem Protectorate der höchsten Herrschaften, für wohlthätige Zwecke veranstaltete Pfänderlotterie wird dieses Mal nicht wie sonst für alle Confessionen gemeinsam, sondern nach Confessionen getrennt abgehalten werden. Das Comitö besteht aus dem General Kostawa, General Adler, Graf v. Ostrowski, H. Nußbaum und E. Straßburger. Für die jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten werden zwei Zelte ausgestellt werden. Tie in der jüdischen Kinderbewahranstalt Nr. 7 vor Jahresfrist getroffene Einrichtung einer Tischler- und Buchbinderwerkstätte für die Zöglinge, bewährt sich vortrefflich. Mehrere in diesen mit den Elementen des Handwerks ansgestattete Knaben traten unter den günstigsten Bedingungen bei verschiedenen Meistern in die Lehre. Die in der Anstalt von den Zöglingen angefertigten Arbeiten stehen zu billigen Preisen für das Publicum zum Ankauf; ebenso die von den Mädchen in der Kinderbewahranstalt Nr. 18 verfertigten weiblichen Handarbeiten, als Wäsche rc. Unter der Aufschrift „Die Juden und die Christen in der Criminalstatistik" brachte die „Gazela Pelska" einen interessanten Aufsatz. Unter den 05,870, für verschiedene Vergehen in den Jahren 1S05—1871 inel., Vernrtheilten kommen anfeie römischkatholische Confession 77,3%, israelitische Hi,l %, evangelische •1,1"/,.; im Verhältnis; zur Landbevölkerung 1 ans 0<)0. Betreffs der Confessionen kamen bei Griechischunirten 1 auf 1570, bei Protestanten I auf 802, bei Katholiken 1 auf 501, bei Juden 1 auf 510. Letztere bilden '/> der allgemeinen Bevöl- 3?