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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-16 · Heft 38 (16.9.1873) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 38 (16.9.1873)
Date
1873-09-16
Page
Seite 621 (sequence 7)
Language
German
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621 Wir wollen riefe Auslassung nur als eine Vergeßlichkeit allsehen, da in neuerer Zeit derartige obrigkeitliche Aufforderungen auch an die jüdischen Gemeinden zu erfolgen pflegen. Immerhin wird man dadurch wieder ein Mal an die Ausschließung erinnert, der wir von oben her so lange unterzogen waren. Die jüdischen Gemeinden werden sich aber dadurch nicht abhalten lassen, in den Synagogen ähnliche Gedenktafeln auszustellen. (Solche Taseln wurden bekanntlich auch nach den Kriegen von 1813—15 in den Kirchen aufgestellt. An die Synagogen erging auch damals keine Aufforderung. Demungeachtet wurden solche Tafeln in einigen Synagogen errichtet, z. B. in Magdeburg. Redact.) Gießen, 3. Septbr. (Privatm.) Ter Privatdocent an der Universität zu Gießen, Dr. Moritz Pasch ans Breslau, ist als außerordentlicher Prosesior der Mathematik dort angestellt worden. Es ist Ties der erste Jude, welcher an der hessischen Landesuniversität eine Lehrtätigkeit ausübt. Oesterreichisch-ungarische Monarchie. Aus Galizien, 3. Septbr. Das jüdische EentralwahlcouülL in Lemberg entsendet, einem gefaßten Beschlüße zufolge, einzelne seiner Mitglieder in diejenigen galizischen Wahlbezirke, in welchen verfassungstreue Candidaten bei einer einheitlichen Leitung der Wahlagitation den Sieg davon tragen können. So sind die beiden Mitglieder des Eentralwahlcomitos Löwenstein und Dyk, der Erste nach Przemyöl, der Andere nach Stanislau, abgesandt worden. Man sieht, daß das jütische Comito doch mit Entschiedenheit vorgeht. — In Ko lomea hatten die polnischen Blätter behauptet, die jüdische Gemeinde hätte den Bann auf diejenigen Juden gelegt, welche daselbst den Sitzungen des polnischen Wahleomitos beiwohnen würden, und solche mit Gewalt davon abznhalten gesucht. Daß Dies bloße Erfindungen seien, haben mehrfache Bekanntmachungen bezeugt. —. Aus Rzeszow «Galizien) geht uns die Mittheilnng zu, daß am 31. August dort eine Wählerversammlung abgehalten, und ein Wahlcomitö, bestehend aus zehn Israeliten und zehn Christen, gewählt wurde. Das Eomilö hat den Auftrag, in Uebereinstimmnng mit Iarostau einen Reichsrathscandidaten auszustellen. —. Die israelitischen Neichsrathscaiididaten Galizien werden aufgefordert, ihre Candidaturen längstens bis 1-1. September beim jüdischen Centralwahlcomito anzumelden. Der Präsident des Letzteren, Kclischer, »lehnte jede Candidatur ab. Attö Galizien, 2. Septbr. (Privatmitth.) Erst jetzt kam mir Nr. 18 Ihres Blattes in die Hände, in welcher aus dem statistischen Werke des Herrn Schimmer Mitteilungen über die jüdische Bevölkerung in dem cißleithanischen Kaiserstaate gegeben werden. Besondere Aufmerksamkeit zieht die überraschend große Zahl der unehelichen Kinder bei den Juden in Galizien und der Bukowina auf sich, da sie in Galizien 13 pEt., in der Bukowina sogar 11 pCt. der Geburten beträgt, während sie in Mahren und Schlesien nur l, in Böhmen nur 2, in Niederösterreich nur 3 pEt. beträgt. Hierdurch geschieht cs. daß im ganzen Staate bei den Juden 87 pEt. eheliche Geburten, gegen 83 pCt. bei den übrigen Consessionen statlfinken, während außer Galizien und Bukowina in den übrigen Kronläudern dieses Verhältnis; noch ungleich günstiger für die Inden ansfällt. Eine Erklärung dieser ausfälligen Erscheinung giebt Herr Schimmer nicht. Die Ursache aber liegt faetisch darin, daß eine große Zahl von Ehen unter den Juden in Galizien und der Bukowina nach jüdischem Ritus, aber ohne staatsgeschlicke Erlaubniß geschlossen wird, so daß der Staat die Kinder als uneheliche betrachtet, während sie vom religiösen Standpunkte ehelich geboren sind. Der Grund aber liegt darin, daß die vom Staate vorgeschriebeuen Förmlichkeiten von Mühen und Kosten, namentlich für die, welche nicht in der Bezirksamtsstadt wohnen, so beschwerlich sind, daß sie von Bielen lieber unterlassen werden. So z. B. müssen sie Geburtsscheine heranbringen, während an ihrem 'Wohnorte kein solcher Rabbiner wohnt, dem die Regierung die Matrikenführung anvertrauen könnte. Ferner, daß bei den Juden in diesen Provinzen viele Ehen zum 13. Lebensjahre geschloffen werden, wozu sie eine gesetzliche Erlaubniß nicht erhalten wurden. Endlich kommt der Umstand hinzu, daß die Juden dieses Landes die Scheidung als eine Wohlthat ansehen, diese nach dem talmudischen Gesetze leichter, als nach deni Staatsgesetze erhalten können, und die gerichtliche Scheidung viele Kosten macht, so daß sie sich durch die gesetzliche Anerkennung der Ehe nicht binden lassen wollen. So sehr man diese Unordnungen und Uebelsiände beklagen muß, so schwindet doch durch sie die Anklage, als ob bei den Juden dieses Landes die Unsittlichkeit in Bezug auf uneheliche Kinder so hoch gestiegen sei. Ans Ungarn 23. Aug. «Privatmitth.) Wir haben leider aus dem schönen Magyarentanre jetzt wenig Erfreuliches zu berichten. Tie Cholera, welche schon nach dem letzten Ausweis des Pcsti Naplo üi>,ciiki Menschen hinrasste, hat auch unter den Juden manche Tpser sich ansersehen. Merkwürdigerweise grassirl die Cholera mehr unter der deutschen Bevölkerung, die größtentheils in Sütungarn wohnt, als unter den Serben. Das Volk glaubt, weil die Deutschen viel Speck und Melonen vertilgen, und die Serben mehr von Zwiebel und Knoblauch sich nähren. Es gibt deutsche Qrte, wo 13 pCt. der Bevölkerung. ja noch mehr starben! Unter den Juten macht sich, wie in solchen Zeiten Dies immer der Fall ist, ebenfalls viel Aberglauben wieder breit. Der Pester Lloyd berichtete unlängst von einer Trauung ans dem Fried Hose zur Abwehr der Cholera. Es ist uns nicht bekannt, wo dieser Aberwitz und Unsinn feine Quelle hat, und ob sich wirklich in einem jüdischen Buche hierüber Etwas finde. Das Tragen von Ringen ans Palmen, Lulab, sindct

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