Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1873)
- Date
- 1873-09-16
- Page
- Seite 619 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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619 die auch Renan voraussetzt, gar nicht vorhanden war.*) Hiermit ergiebt sich auch, daß. eben wegen der Verbindung mit dem Gebete, der symbolische Inhalt des Opfernd noch ein lebendiger, noch nicht, - wie in späterer Zeit, das Opfern zu einer bloßen Form entartet war, daß das Opfern noch vorn lebendigen Hauche des Geistes beseelt wurde, wie wir Dies weiter unten näher bestimmen werden. Die Dankbarkeit gegen Gott, die Anerkennung desselben als deS höchsten Wesens, die Verehrung und Huldigung für Gott machen an all' diesen Stellen den wesentlichen Inhalt der ganzen gottesdienstlichen Handlung, des Opfernd und des Gebetes, aus. Bekräftigt wird Dies, wenn bei besonderen Gelegenheiten ein Altar mit einem Namen belegt wird. Jakob baut einen solchen nach der Rettung aus Esau's Hand und glücklicher Heimkehr, und nennt ihn: „Gott ist der Gott Israels" (1 Mos. 33, 20). Ja, es ist bemerkenswert, daß da, wo von Gott Etwas erbeten werden soll, eben nur vom Beten, nicht aber vom Opfern die Rede ist (1 Mos. IS, 23. ff. 20, 7. 17.1 Mos. 8, 4. fs. 25 ss. 4 Mos. 12, 13). Gehen wir zu der Zeit des Auszuges auS Aegypten über, so stellt Moses das Verlangen an Pharao, die Israeliten in die Wüste ziehen zu lassen, um daselbst ein Fest zu feiern und Opfer darzubringen, die in Thieren bestanden, welche zu schlachten den Aegyptern ein Gräuel sei, — da nämlich Pharao die Erlaubniß auSspricht, in Aegypten selbst zu opfern. (2 Mos. 8, 21.) Moses will also hiermit das Ausziehen des ganzen Volkes moliviren, und that Dies schon früher <5, 3 ff.): sie müßten in die Wüste ziehen, „und opfern dem Ewigen unserem Gotte, daß er uns nicht treffe mit Pest oder mit Schwert." Es ist offenbar, daß Moses hier in die Anschauungsweise Pharao's eingeht, und überhaupt dieses Motiv der Furcht hervorhebt, um dem Könige sein Verlangen plausibel zu machen. Denn wir begegnen im ganzen Pentateuch keiner Opserhandlung, die auS solchem Grunde geschehe, selbst da nicht, wo Pest oder Kriegsgefahr wirklich cingetrcten. Das Schlachten und Verzehren des Peßachlammes, und das Besprengen der Pfosten mit dessen Blute bedeutet zweifellos das Bekenntnis', zum israelitischen Volke zu gehören, und mit ihm auszuziehen, und die Weihe des ganzen Hauses in priesterlicher Weise. Warum werden am User des rothen Meeres, vor und nach der Rettung, keine Opfer dargebracht, vielmehr nur ein Lied gesungen? Warum nicht bei der drohenden Gefahr Seitens Amaleks: sondern auch hier erhebt MoseS nur die Arme zum Gebete? Warum ist eS nicht Moses, sondern Jethro, der Ganz- und Schlachtopfer darbrachte, und die israelitischen Aeltcstcn foimitcii nur, mit ihm „vor Gott zu speisen" (18, 12)? Warum wird bei allem Murren des Volkes diesem kein Sühnopfer geboten? Warum wird am Fuße deS Sinai dem Volke geboten, nicht zu opfern, sondern sich der Frauen zu enthalten, die Kleider zu waschen und sich „zu heiligen" (10, 10. 15)? Die einzige Opserhandlung, der wir bis nach der Gesetzgebung ans dem Sinai Seitens Moses' begegnen*), ist die, als er den mit dieser Gesetzgebung zwischen Gott und Israel geschlossenen Bund durch einen feierlichen Act weihen will. «2 Mos. 24, 4 ss.» DaS Gesetz wird verlesen, und die Hälfte des Blutes auf den Altar, die andere auf das Volk gesprengt. Es ist ein Act der Bundesschließung, der Weihe und Heiligung nach der Sitte und Anschauungsweise jener Zeiten, aber weit entfernt von den Motiven deS Opfernd, welche Renan aufstellt. (Schluß folgt.» Literarischer Wochenbericht. Potsdam, im August, rrx Sammlung kleiner Midraschim und vermischter Abhandlungen aus der älteren jüdischen Literatur. Fünfter Theit. Von Di-. Ad. Jellinek. Wien, Brüder Winter vorm. Herzfeld u. Bauer, 1873. Nach einer Pause von 15 Jahren, die durch anderweitige literarische Arbeit auSgesüllt wurde, übergiebt Herr 1)r. Jellinek den fünften Theil seines Bet Ha-Midrasch der Oesfentlichkeit. Dem Umfange und der stofflichen Mannichfaltigkcit nach seinen Vorgängern überlegen, da er 25 agadische Stücke liefert, liegt die Bedeutung dieses Bandes am Meisten in dem geistigen Reflex, den er aus den allgemeinen Zuständen und Verhältnissen der Jahrhunderte empfängt, auS dem geschichtlichen und religiösen Eentrum, das die Zeit bewegte, in welcher jene Literaturerzeugnisse entstanden sind: Unschwer lassen sich die behandelten Stücke unter diese beiden Titel bringen, durch welche sie einen einheitlichen Gedanken und Zusammenhang gewinnen, und z»var würden zur ersten Gruppe gehören: Nr. 1 und 2: das Gebet Mordcchai's und Esthers, der Traum des Ersteren; Zusätze zu dem Buche Esther; Nr. 3: der Reisebericht des Eldad Ha-Dani über die zehn Stämme und die Nachkommen Mosis, vergl. Thl. Il S. 102— 13 und Thl. III S. 0—11; Nr. 7: Salomo's Thron und Hypodrome, vergl. Thl. II S. 83—80; Nr. 13: die Petruslegende; Nr. 18: der Exil-Midrasch, vergl. Thl. IV S. 133— 30; Nr. 10: die Erzählung Daniels; Nr. 21: die zwölfte Erzählung von dem im Jahre 1130 zum Pabste erwählten Anaelet II, rer jüdischer Abkunft war, sich seinem Vater Simon Hagadol in Mainz zu erkennen gab und »vieterum zum Judenthum zurückkchrte; zuletzt "Nr. 23: Hechaloth-Znsätze, die von dem Martyrium einiger Mischnahlehrer unter den Römern hanteln und von den Leiden, die des israelitischen "Volkes harren. "Andere Themata »vie 9tr. 4: Salomo und die Ameise; Nr. 0: R. Akiba's Alphabet-Symbole, vergl. Thl. III S. 12—04; Nr. IS: der *» Höchstens ist noch ein Dankopfcr (2 Mos. 17, 1.',) vorauSzuletzen. *) S. 1 Mos. 12, S. 13, 4, 26, 25.