Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-09 · Heft 37 (9.9.1873) · p. Seite 609

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 37 (9.9.1873)
Date
1873-09-09
Page
Seite 609 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226944--31954-3254900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

_609 Hen'schsucht unbedingt unterwerfen, und dürfe es nicht wagen,! werben. Wenn auch die jüdische Presse zmn größten Theile der an die öffentliche Meinung zu appetliren. Glücklicherweise bietet Eitelkeit dieser Leute fröhnt, und aus Furcht, einen Abonnenten dieses Land der menschlichen Thätigkeit einen großen Spielraum! zu verlieren, ihre Spalten den gerechten Klagen der Lehrer verdar, und wird cs ein Mann von Ehre verschmähen, durch krieschließt, so ist die Tagespresse unabhängig genug, um das Gechendcs Katzenbuckeln die Gnade der gestrengen Herren zu er- , bahren solcher Männer zu brandmarken. I e u i f •Ausflüge »ach ncrfdjickucn Stationen. IV.*) (Fortsetzu u g.t Wir hatten een Kampfplatz der Seele betreten, und daselbst zuerst jenen Kampf beobachtet, der, im Kinde entzündet, auch im Greisenalter noch nicht erloschen, zwischen dem Begehren des Augenblickes und dem verstände, der die Folgen, die nützlichen oder schädlick'en, erwägt, ausgefochten wird. Run aber soll in dem Kinde die edlere und höhere Rainr geweckt, entwickelt und gestärkt werden. Mil dem Wecken, dem absichtlichen wenigstens, hat es seine eigene Bewandtnis;. In der Regel erwacht es in der Kindesseele wie von selbst, durch die absichtslose Wirksamkeit der Umgebungen. Wie viele Eltern haben denn das Bewußtsein Dessen, was sie und wie sie es aus der Seele ihres Kindes bilden sollen! Dieses Edlere und Höhere im'Menschengeiste ist theils intellectuesl, theils sittlich. Betrachten wir das crstere voran, da wir bereits aus den Berstand einen Blick geworfen. Das Kind fängt an, zu fragen/ Was es erblickt, es will das Woher und Wozu erfahren. Die Wißbegierde, der Trieb, Ursache und Wirkung jedwedes Tinges kennen zu lernen, ist erwacht. Da ist denn das erste Uebel, daß Eltern und Umgebungen theils nicht angemessen und genügend zu antworten verstehen, theils bald ermüden. Man heißt das Kind schweigen, nicht mit Fragen zu belästigen; man antwortet: Das verstehst du noch nicht. Und Dies ist das erste Mittel, die Kinressecle gleichgültig zu machen, ihr das Beobachten abzugewöhnen, die Wißbegierde aus Ütiill zu redueiren. Ta wundern sich dann die Ellern, wenn einige Jahre später das Kind „lernen" soll, und nicht will. Jetzt ersteht der Kamps zwischen der Trägheit des Geistes und seinem Wissenslriebe, noch mehr zwischen jener und Dem, was der Mensch thnn soll, dem mit Strafen und Rachlheilen verstärkten Gebote. — Es kommt hinzu, daß das Kind eine Masse von Dingen erlernen soll, die ihm gar kein Interesse abgewinnen, deren Nutzen sich ihm noch gar nicht vorstelli, und die ihm so beigebracht werden, daß es sich nur dabei langweilt. Dies wird ein arger Kamps zwischen der Trägheit und der Arbeitslust, der dem Kinde die schönsten Jahre verbittert, und der den Menschen niemals ganz verläßt. Wir wissen es Alle, die Arbeit wird uns erst leicht, wenn sie uns Bergnügen macht, wenn wir mit Lust arbeiten, wenn uns die Thätigkeit und deren Gegenstand Interesse abgewinnen. Das ist kein Kamps um das Dasein, sondern zwischen den beiten Trieben unserer Seele zur Thätigkeit und zur l e t o n. Trägheit. Kamps um das Dasein wird er erst, wenn uns die Arbeit eine Last ist, die wir nur tragen, weil uns sonst die Mittel zur Existenz ausgehen würden! Und Das ist das Unglück unserer Zeit, daß sich so viele Arbeiter, — wir meinen Arbeiter jeder Art und jeden Standes, — haben eiureken lassen, oder selbst eingeredet haben, die Arbeit sei eine Last, renn Andere beuteten ihre Arbeit aus. Der stete Bergleich zwischen Arbeit und Lohn, die Unzufriedenheit mit dem Ertrage der Arbeit verdirbt alle Lust an der Arbeit, während die gesteigerte Genußsuckn die Lust an der Unthätigkeit, die Trägheit immer mehr wachsen läßt. Der Lehrer und der Beamte ist ebenso unzufrieden mit dem Ertrage seiner Thätigkeit, wie der Handwerker und Tagelöhner, und deshalb mit seinem ganzen Lebensberufe, den er als mühselig beklagt, und dessen armseligen Ertrag er bejammert. Und doch ist die Lust an seiner Arbeit, das Bergnügen an seinem Schassen dem Menschen natürlich. Die Uebung der Kraft, das Bewußtsein, Etwas zu bewirken und hervorzubringen, ist ein natürliches und großes Bergnügen. Es kommt gar nicht auf den Gegenstand an. Der Arbeiter, der eine Grube -gräbt, oder Hol; spaltet, freut sich, wie er es macht, wie cs forlschreitet und angemessen geschieht, — ebenso sehr wie wer eine Arbeit mit Aufwand geistiger Kräfte und besonderer Geschicklichkeit fördert. Bermochw doch dieses Bergnügen an seiner Arbeit selbst dem Sklaven sein hartes Loos zu erleichtern. Aber diese Lust, dieses Bergnügen wird, wie oben gesagt, verdrängt, und an dessen Stelle Unznsriedenheil und Kampf gebracht. Wie folgenschwer Ties für die ganze menschliche Gesellschaft ist, brauchen wir nur anzndeulen. Doch kehren wir zu unserem Anfang zurück. In der größten Zahl rer Menschen nimmt deshalb der Wisseiwlrieb mit der wachsenden Lebenszeit immer mehr ab. Je mehr das anwachsende Kind sich gewöhnt, nur nach Dem zu sragen, was ihm besonders auffällt, und je mehr mit der Gewöhnung an die es umgebenden Erscheinungen die ihm ausfälligen (Gegenstände sich vermindern, desto schwächer wird der Wissenstrieb, wird zur bloßen Neugierde, zum Berlaugen nach Unterhaltung. Zwei Erscheinungen erwecken daher oft genug Berwunderung und Klage. Man staunt über den geringen Erfolg langen und anhaltenden Schulunterrichtes. Ta der Uebergang von Schule zum Leben sehr schroff ist, werfen die Meisten, was sie in rer Schule betrieben, schnell hinter sich, setzen es nicht fort, und vergessen das Meiste in kurzer Zeit. Man thut Unrecht, wenn man den Schulunterricht darum für erfolglos hält. Tenn die Entwickelung und Bildung rer Geisteskräfte, welche-die Schule bewirkte, bleibt rech, wenn auch das erlernte Material zum a7* *) S. sJir. 32.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.