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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-09 · Heft 37 (9.9.1873) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 37 (9.9.1873)
Date
1873-09-09
Page
Seite 608 (sequence 10)
Language
German
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cos rienie Aüszeichnung und Anerkennung hat hier in den bekannten 5i reifen große Befriedigung hervorgebracht. *) Amerika. New-I)ork, 12. August. (Privatmitth.) Die Predigerfrage, welche seit einem Jahre die Gemeinde Ansche Chescd in Aufregung versetzte, hat endlich ihre Erledigung gefunden. Nachdem llr. Kaemps aus Prag entschieden abgelehnt hatte, knüpfte der Borstand die früher gepflogenen Unterhandlungen. mit Herrn Vife aus Eincinnati (Editor des „Israelin:") wieder au, und wurde dieser letzte Woche mit einem Gehalte von 8000, sage Achttausend Dollars und einer Versicherung von l 5,000 Dollars lebenslänglich angestellt. Diese dem europäischen Leser fabelhaft klingende Summe (es ist Tics auch der höchste Gehalt, den ein jüdischer Geistlicher -hier erhält), mag dazu geeignet sein, manchen kärglich besoldeten Rabbiner drüben nach den Fleischtöpfen Amerika'- lüstern zu machen; doch möchte ich Keinem rächen,. auf'S Gerathewohl auszuwandern. Wie schon in einer anderen Correspondenz von hier bemerkt wurde, ist diese pecuniäre Ausstattung inehr der Glanzsncht, als einem wahren religiösen Bedürfnisse zuzuschreiben. Herr Wise, der im Stande ist, deutsche und englische Borträge zu halten, ist wohl der geeignetste Mann für diese Gemeinde. Da sich dieselbe durch den Neubau eines Tempels, der einen Kostenaufwand von 250,000 Dollars verursacht, große Lasten anserlegt, so muß sie natürlich Mittel und Wege ersinnen, um Mitglieder zu gewinnen. Ter Prediger ist nun die Anziehungskraft für Biele: es ist also ganz natürlich, daß er auch einen entsprechenden Antheil erhalte. Was auch die Gegner deö Herrn Wise, besonders die Herren Di-, Einhorn und Etlinger «Herausgeber der „Jewish Times", demselben zur Last legen, er hat sich unbestreitbare Verdienste um das amerikanische Judcnthum erworben. Möge er auch in talmudischer Gelehrsamkeit Bielen nachsiehen, als self-madc man verdient er volle Achtung. Wenn bei ihm der amerikanische Humbug eine große Rolle spielt, so zeigte er damit, daß er Amerika versteht. Er vertritt das Judenthum mit Erfolg nach außen, und steht besonders bei dem amerikanischen Publicum in Ansehen. Er entfaltet eine große Thätigkeit, welche nicht ohne Einfluß aus unsere Religionsgenossen bleibt. So brachte er in der neuesten Zeit einen Verein von jüdischen Gemeinden zu Stande, welcher sich besonders die Errichtung einer Bildungsanstalt für Lehrer und Rabbiner zur Aufgabe stellt. Dieser Verein, der 'Anfangs Juli in Eincinnati gegründet wurde, loiro hoffentlich bald (?) alle Gemeinden der Bereinigten Staaten umfassen. Das Bedürfniß nach einer jüdischen Bildnngsanstalt wird immer dringender, doch stehen große Hindernisse im Wege. *1 Wir >zcbcn tiefe Aon; wörtlich wie sie gewünscht worden. Es qetu av.cii l'ierans dervor, daß die Gewährung des Anscntl'attcs preußischer Uulerll'anen j üriicher Confe'sion in Rußland nur ein Aer — der Gnade ist! Redaction. Das Grundübel liegt in der unseligen Spaltung, welche unter den geistlichen Führern herrscht. Hier ist weder von Reform, noch von Orthodoxie die Rede (der praktische Unterschied beider Parteien ist höchst unbedeutend), sondern nur von Cliquen oder Eoterien. Shne diese kleinliche Eifersüchtelei wäre schon manche Schöpfung in's Leben gerufen worden, welche bis jetzt noch ein Gegenstand frommer Wünsche ist. Wenn wir einige musterhafte Wohlthätigkeitsanstaltcn, wie Hospitäler und Waisenhäuser n. s. w. aufzuweiscn haben, so existiren dieselben keineswegs durch vereintes Wirken der Geistlichkeit, sondern trotz ihrer sprichwörtlich gewordenen Disharmonie. Es ist wahrhaft betrübend, zu bemerken, wie sich die verschiedenen Rabbiner gleich gewappneten Feinden gegenüberstehen. Sobald die thätigeren Rabbiner des Westens, besonders durch Wise's Anregung, einen Plan zu einer Anstalt in Vorschlag bringen, sind die des Ostens zum Proteste bereit. Darauf beschränkt sich beinahe ihre ganze Wirksamkeit außerhalb ihrer Gemeinden. Wie werden sie nun durch das Erscheinen des Herrn Wise in ihrer Mitte aus ihrer Lethargie aufgeschreckt werden! Um Ihnen einen klaren Einblick in die hiesigen Cultusverhältnisie zu gewähren, muß ich einen Vorfall berichten, den sich die als liberal bekannte Tempelgememde Emann El zu Schulden kommen ließ, und der uns nur zu sehr an die weiland herrschenden Zustände in den deutschen Dorfgemeinden erinnert. Diese so sehr gepriesene Liberalität des Tempels Emann-El wird besonders zur Schau getragen, wenn sie durch Posaunenschall und Trompetenstoß verkündet wird. Handelt es sich aber um een obsenren Lehrer, so bricht die künstlich übertünchte Rohheit.wieder durch, und überschreitet alle conventioncllen Schranken. Ter Tempel Emann-El nnterchält eine Religionsschule, an welcher zehn Lehrer wirken, Nachdem nun das Schulcomiiö in seinem, am l. Mai veröffentlichten Jahresberichte den Lehrern, sowohl collectiv als auch individuell, den Tank für ihr redliches Bemühen ausgesprochen, und der Vorsitzende wiederholt in seiner Schlußrede bei der am 15. Juni stattgesnndenen Prüfung denselben volle Anerkennung gezollt, wurden drei dieser Lehrer in einer am folgenden Abend gleich einer Vehme tagenden Sitzung, trotz des energischen Protestes des Herrn Dr. Adler, ohne alle Motivirung entlassen. Und diese Herren, die einer Religionsschule vorftchcn, dünken sich über jede moralische Berpslichtung erhaben! Das Komische bei der Sache ist nun, daß in der nächsten Session ein Schulbuch eingeführt wird, das einen dieser entlassenen Lehrer zum Verfasser hat! Solches Verfahren von Seilen dieser Männer, welche sich zu den Gebildeten zählen, bestätigt nur zu sehr die Wahrheit der Worte Napoleon's: Cralt«/. Io Kusse, et vems trouverez le Cosaque! Vielleicht besitzen diese Herren noch Schamgefühl genug, um ihre unzurechlfertigenve Handlungsweise zu bereuen, wenn dieselbe vor das Forum der Oesfentlickckeit gebracht wird. In ihrem aulokralisct'en Tüntel bilden sie sich ein, der Lehrer müsse sich ihrer anmaßenden

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