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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-09 · Heft 37 (9.9.1873) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 37 (9.9.1873)
Date
1873-09-09
Page
Seite 607 (sequence 9)
Language
German
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607 Mitte hervorgegangenen Delegationen seit Beginn der eonstitntionellen Aera für die Hebung der materiellen Interessen deS Landes, insbesondere aber des arg darniederliegenden Handels und unserer selbst um die elendeste Existenz noch immer schwer kämpfenden, nichtsdestoweniger aber einer bedeutenden Entwickelung fähigen Industrie beinahe Nichts geschehen sei; in der Ueberzeugung endlich, das; das ganze erwerbsbedürftige Bell eine gesunde Tekouomie den allerschönsten, ja erhabensten politisch-patriotischen Theorien, und zwar mit vollem Rechte vorzieht, wird das Eomitö nur denjenigen Cantidaten unterstützen, der, mit den eigenthnmlichen Verhältnissen unseres Handels und unserer Industrie, insbesondere mit den reellen Bedürfnissen unseres engeren Vaterlandes hinreichend vertrant, den ausgesprochenen Willen, hauptsächlich aber auch die parlamentarische Befähigung besitzen wird, um den diesbezüglichen gerechten Wünschen der Handel- und gewerbetreibenden Klassen in unserem Lande beim Reichsrashc (Geltung zu verschaffen. Prag, Ende August, (Privatmitth.) Heute habe ich Ihnen die Mittheilung zu machen, daß, falls wirklich eine Zeit lang für die hiesige Tempelgemeinde die Gefahr, ihren Prediger zu verlieren, vorhanden war, woran, nebenbei bemerkt, Biele nie glauben wollten, diese Gefahr nunmehr vollständig beseitigt ist. Tenn Prof. Kämpf bleibt hier, und Dr. Vogel st e i n in Pilsen geht nach Newyork. Nichtsdestoweniger aber wird an den bevorstehenden hohen Festtagen die Trgel .beim Gottesdienste im Tempel tnitwirken, obschon, wie allgemein verlautet, Prof. Kämpf sein Verbleiben von der Erfüllung der Bedingung, daß die Trgel blos am Sabbath, und nicht auch an den „furchtbaren Tagen" spielen soll, abhängig gemacht halte. Tb Pros. Kämpf auch nach materieller Züchtung hin Forderungen gestellt, ist höchst gleichgültig; falls es geschehen ist, so kann mau ihm daraus, trotz seines ohnehin bedeutenden Gehaltes und Einkommens kein Vergehen machen; denn Jeder hat das Recht, seine Arbeit und seine Leistungen so hoch wie möglich zu verwerthen und den möglichsten Nutzen aus denselben .zu ziehen: warum sollte gerade Hr. Prof. Kämpf dieses Recht nicht besitzen? Ich war auch nicht neugierig, zu erfahren, ob der Borstand der Tempelgemeinte sich bezüglich der letzteren Art von Forderungen geneigter gezeigt hat, als bezüglich der ersteren, denn das ist eine Privatangelegenheit Derjenigen, welche die Sackw betrifft. Mit dem Trdnen und Ausstellen der Gemeindcbibliothek gehl es rasch vorwärts, und dürste dieselbe am Beginne deS Winters der öffentlichen Benutzung übergeben werden können. Eie besteht aus circa 5oo0 Bänden und etwa 1000 Brochüren und kleineren Schriften. Es finden sich viele Werke in den ersten sehr selten gewordenen Ausgaben; so B. die Mikraolh Gedoloth, Karo's Schnlchan Aruch, re Rosst's Meer Euajim, das Buch Hamanhig von Järchi, rer jerusallmische Talmud u. v. A. Die Zahl der Druckwerke, welche bereits älter als 300 Jahre sind, ist bedeutend; das älteste ist aus dem Jahre 5210 (14SO). Iudcß wird der Sachverständige sofort erkennen, ras; diese Bibliothek nicht wie die Tppwnheimscke von einem Bücherfreunde, der zugleich Fachmann war, gesammelt, sondern aus mehreren Büchersammlungen zusamiuengeftellt werden ist. Tenn die meisten Werke, natneutlich die zur Talimid - und Midrasckilileratnr gehörigen, sind in 4 bis 5, manche sogar bis in 10 Erempl. von ein- und derselben Ausgabe vorhanden. Wenn dieselbe ganz geordnet und ausgestellt sein wird, wird es sich zeigen, ob nicht dafür Manches gänzlich fehlt. In Bezug auf die neuern Erscheinungen auf dem Gebiete der. rüdinbeu Wissenschaft kann Dies schon jetzt mit Bestimmtheit behauptet werden. Es wird Sache einer verständigen Biblioiheksverwaltung sein, das Ueberslüssige, so Dieses gestattet-ist, zu verkaufen, und für den Erlös das Fehlende anzuschafseu. Die Vibliotbcl besteht aus den Büchersamm lungen des Baruch Ieiteles, Wolf Zapperl, Taußig. Jerusalem, M. V. Landau, Ernst Wehli, Prof. Wessely und Rappoport. Letztere ist natürlich die reichhaltigste, namentlich was. nichttalnmdische Werke anbelangt. Die Rappoportsche Bildersammlung besteht aus 12üo Werken in hebrä«scher, und Sou Werken in anderen Sprachen, und wird separat aufgestellt werden. Die Laurausche Büchersammlung besteht zum größten Theile — etwa 400 Banre — aus Werken in nichthebräischer Sprache, davon gehört fast Alles zu. Orientale. Prof. Wessely hat nur seine hebräische Bibliothek der Gemeinde vermacht; die übrigen Büchersammlungen enthalten, wenn man von den etwa 50 uichthebr. Werken in der Wehlschen Büchersaituulnng absieht, ausschließlich Werke in hebräischer Sprache. Eine vollständigere Würdigung dieser, der Gemeinde jedenfalls mehr wie manche andere zur Ehre gereichenden Institution behalte ich mir nackt deren vollendeter Herstellung vor, renn so lange die Physische Arbeit dauert, sinket man für die geistige Beschäftigung nicht die nöthige Muße. Eine bloße Eopirung von Titelblättern hat gewiß keinen wissenschaftlichen Werth. M. Stark. Türkei. Constantinopel, 24. Aug. Vorgestern wurde vom Schah eine Deputation der hiesigen Israeliten empfangen, der er die bereits in Berlin, Paris und London ertheilte Zusicherung gab, daß er die Israeliten in seinem Lande nach Möglichkeit schützen werde. 3iußl(utb. St. Petersburg, im August. lPrivatmitth.» Dieser Tage hat der Kaiser Alexander ans Vorstellung der Minister der Volksausklärung und der inneren Angelegenheiten dem preußischen Unterthan Herrn Dr. Golrenblum, der sich hier in Rußland viele Verdienste erworben hat, allerhöchst daS^Recht verliehen, ungehiridert^hier wohnen zu dürfen. Diese besondere und'ver- 37

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