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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-09 · Heft 37 (9.9.1873) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 37 (9.9.1873)
Date
1873-09-09
Page
Seite 606 (sequence 8)
Language
German
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606 des stillen Friedens! Der zweite ist Isidor Michel von Frelsdorf, damaligen Departements Lothringen, vom 17. französischen Artillcricregiment, der vor Metz gefangen nnd mit Hunderten seiner Schicksalsgenossen hierher gebracht worden war. Er ist am December 1 ST o am Typhus gestorben. Das Denkmal enthält die sinnige Anschrift: „Zum ehrenden Andenken der gefallenen Krieger, Männer des Heeres, Helden des Krieges, Feinde ini Leben, im Tode vereint. Es mögen cingesammelt werden ihre Deelen in den Kreis der Unsterblichen, und ihr Leib werte znm neuen Leben erweckt zur Zeit der Auferstehung aller Dodten." Zn der festlichen Handlung hatte sich eine Menge von Männern, Frauen und Jungfrauen, die Eoumiandeure von Brigaden uitd Regimentern mit ihren Adjutanten, viele Ossicierc aller Grade, sonstige Militärpersonen. evangelische Geistliche, Staats- und Gemeindebeamte, die Borstände und Mitglieder des Sanitätsvereins eingefunden. Sie begann mit einer durchdachten, frommen, von warmen patriotischen Empsinduugen getragenen und schön gesprochenen Rere des Borsängers und Lehrers K. Wir eitiren aus derselben der Kürze halber nur die Stellen: „Diese Grabsteine sprechen beredter als eine Predigt, und die Thatsachen und geschichtlichen Ereignisse reden lauter als die Menschenzunge", und: „es rühme sich nicht, wer das Schwert nimmt, sondern Ter, welcher siegend nach Hause komint", ein Eitat aus dem allen Testamente. Besonders ansprechend war das Weihe- und Schlußgebet, in wclchcnt der Redner „für alle Brüder, die in treuer Pslichterfüllnng eingegangen sind im eine bessere Welt", für Kaiser und Reich, und mit besonderer Betonung für unseren guten und geliebten König, die königliche Familie und unser liebes Württemberg, — und gewählten Worten den Segen des Himmels erflehte. Znm Schluffe fang der hiesige Mannergesangverein „Ehrenvoll ist er gefallen :c." mit bekannter Meisterschaft. Es ist wohl Niemand rer vielen Anwesenden ohne das Gefühl der Befriedigung und Anerkennung von dieser Feier geschieden. Möge der kriegerischen Reminiscenz eine glückliche Aera langen Friedens folgen! Oestcrveichisch-llNMische Monarchie. Agram, 2'.». August. Der jetzt hier versammelte eroatische Landtag hat von der Regierung einen Gesetzentwurf über die völlige Gleichstellung der Inden erhalten. In dem bis vor Kurzem mit Ungarn noch nicht vereinigten Eroatien hatte das ungarische Gesetz noch keine Geltung, und so sind für die Inden noch einige Ausnahmegesetze zu beseitigen. An der Annahme des Gesetzentwurfes ist nicht zu zweifeln. Kolomea, 20. August. Obgleich cs allerdings von! Wort bis zur That immer ein ziemlich weiter Weg ist, so kann man doch ein kräftiges Wort auch als eine That auschen, und ein solches haben die Israeliten Kvlomea'S gefproche-. Das Wahlmanifest derselben lautet wie folgt: 1. Das israelitische Bezirkswahlcomite in Kolomea betrachtet die bisherige Bertretung der galizifchen Juden in den gesetzgebenden Körpern des Landes und Reiches als durchaus ungenügend, und weder ihrer Bevölkerungszahl, noch ihrer jedenfalls beachtenswertheri Stellung im Laude, noch ihrer Steuerleistung entsprechend, unv hält dafür, daß dieses in unserem Lande, wo selbst in den höheren Gesellschaftsschichten beinahe alle auch nur rein weltlichen Angelegenheiten durch das Prisma der Confession betrachtet und beurtheilt zu werden pflegen, nicht unterschätzt und nicht übersehen werten dürfe. Das Bestreben des Comitvs wird also darauf gerichtet sein, daß im hiesigen Wahlbezirke ein würdiger Glaubensgenosse zum Abgeordneten in den Rcichsralh gewählt werde. 2. Das Comitö hält an den Staatsgrundgcsetzcn fest, betrachtet dieselben als Bollwerk gegen die offenen und maskirten Angriffe der rcichsfeintlichen Parteien, wie auch zum Schutze der Staatsbürger gegen die Uuterdrückungs- und Maßregelungsgelüste laudtäglicher und sonstiger autonomen Oligarchen; betrachtet jeden Angriff ans dieselben als vcrdamnmngswerthcs Attentat gegen das Gcsammtrcich und die Freiheit der Nationalitäten, sowie der. Einzelnen; verwirft endlich die übermäßige Deceutralisirung Oesterreichs, welche nur die schleunige Zersetzung der Monarchie und einen Umschwuüg der Dinge herbeifnhrcn könne, welcher Niemandem und um so weniger den Juden Galiziens zum Bortheile gereichen würde. 3. Das Eomitv spricht seine Ucberzeuguug aus, daß durch die gesetzlich zwar nur theilweisc, praktisch aber beinahe vollständige Berbannnng des deutschen Elementes ans den Volksnnd Mittelschulen in unserem Lande, bei der in scicntivischcr Hinsicht noch immer andauernden Mangelhaftigkeit der hiesigen slavischcn Idiome und in Anbetracht des beschränkten Umkreises, innerhalb dessen diese verstanden und gesprochen werden, die Heranwachsende Generation nicht mir in ihrer wissenschaftlichen Ausbildung und geistigen Entwicklung, sondern später auch in der Bcr-, folgung ihrer eigentlichen Bcrnsszwecke gehemmt nnd gehindert werden müsse; daß also in dieser Beziehung baldige gesetzliche Abhilfe dringend geboten erscheint. 4. Das Comite spricht den Wunsch aus, daß den Interessen der verschiedenen Nationalitäten und Eonsesffonen des Landes, insofern dieselben sich mit der Gesammtstartsikee wie auch dem zeitgemäßen Fortschritt in Schule und Leben vertragen können, auch im Kreise der Reichsgesetzgebung möglichst Rechnung getragen werden möge. 5. In der festen Ueberzeugung, daß politische Freiheit nur in Verbindung mit allgemeinem Volkswohlstände als Basis bestehen, ja auch nur gedacht werden könne, in der nicht minder festen, weil aus unmittelbarer Anschauung geschöpften Ueberzeu-!gung, daß von den bisherigen Landtagen uiid den aus deren

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