Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1873)
- Date
- 1873-09-09
- Page
- Seite 605 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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605 III!! früher den Katholiken überlasten war, unentgeltlich zu ihren AnrachtSnbungen eingeräumt erhalten. «Welch' anderer Geist, als wie an anderen Plätzen, wo die ersten Juten, die sich nietcrlassen, weil bis dahin mittelalterliche Privilegien sie ausschlossen. mit den größten Hindernissen, selbst rohen Mißhandlungen zu kämpfen, und sich ihre Sicherheit erst heldenmäßig zu erstreiten hatten! Redaktion.- * Berlin, 23. Aug. «Privatmith., "R'ach mehrfach ein gezogenen Erkundigungen kann man sagen, daß das Gesetz vom l l. Mai c. über den "Austritt aus der Kirche, welches nach § 8 desselben auch auf das Zudenthum sich erstreck:, für ras letztere, wie es sich voraussehen ließ, und in riesen Blättern vorausgesagt wurde, vis setzt nur eine sehr geringe Bedeutung gehabt hat. Seine Religion ganz aufzugeben und sich zu einer völlig religionslosen Stellung zu bekennen, nur um einige Thaler Steuern zu ersparen, ist denn doch nur die Sache Weniger. Ganz anders würde es sich «gestalten, wenn auch der Austritt aus der Gemeinde, ohne dem Zukenthum zu entsagen, freigegeben würde. Zndeß daraus will ich heute hier nicht eingehen. Der § 1 des Gesetzes vom 11. Mai e. besagt, daß Personen, welche vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ihren Austritt ans deb Kirche nach den Borschrislen der bisherigen Gesetze erklärt hüben, vom Tage der Gesetzeskraft dieses Gesetzes keine Steuern mehr bezahlen sollen, während der tz 3 bestimmt, daß Der, welcher auf Grund dieses Gesetzes austritt, erst mit dem Schlüße des aus die Austrittserklärung folgenden Kalenderjahres keine Kirchensteuern mehr zu zahlen habe. Zn einer kleinen Gemeinde, wo sich ein früher Ausgetretener befand, der zu keiner der „vom Staate anerkannten Religionsgenossenschasten" übergetreten, und deshalb keine Cultussteuern mehr bezahlte, ist ..man durch viesen $ f aufmerksam geworden, daß man von der gedachten Person doch die Culinssteuer bis zum 11. Mai c. zu fordern das Recht habe, und wird deshalb den Rechtsweg beschreiten. Rach der auch in diesem Blatte mitgetheilten" Entscheidung des Obertribunals (Rr 35) ist es nicht fraglich, daß die -betreffende Gemeinde den Proceß gewinnt. — Gestatten Sie mir, von diesem unbedeutenden Gegenstand zu einem bedeutenderen ohne Uebergang zu kommen. Die „Nationalzcitung" enthielt vor Kurzem ein "Referat über die zweite Auflage des ersten Theils von „A. Hausrath, Reutestamentliche Zeitgeschichte", der sich mit dem „Zudenthum zur Zeit Christi" beschäftig:. Cs ist nicht möglich, jetzt alle die Schriften zu lesen und zu beurtheilen, welche die letzten Jahre über diesen Gegenstand gebrach: haben und fortwährend bringen. Hat doch eben Renan in seinem „Antichrist" ein Bild dieser Zeit geben wollen. Wir Juden können abwarten, bis die Untersuchungen dieser Art sich wieder erst etwas geklärt haben, un: dann diejenigen Werke zu berücksichtigen, welche vorhergehende überholt haben. Zch, meines Theilcs, begnüge mich daher vorläufig mit objeetiv gehaltenen -Referaten, und ein solches war das gedachte in der „R.-Z." Es drückt sein Rcsumö folgendermaßen aus : „Wir sehen klar: das Zudenthum zur Zeit Christi trug immer noch in sich den erhabenen religiösen Berns, die Wcltmission des jütischen Beiles, und trotz alles Abscheus, den die Römer und Griechen gegen das Bolk hatten, und den gerade die Edelsten unter ihnen, wie Tacitus, am Schroffsten gusgedrückt haben, stehen wir staunend vor einer Gemeinschaft, die mit bespielloser Cnergie und Zähigkeit ihren Glauben gegen alle Verunreinigungen eifersüchtig vertheidigt, todesmmhig für ihn eintritt, die Verachtung und die Schmähungen der ganzen Welt auf sich nimmt, die in Widerspruch mir Allem, waS man rings um sie her für groß, gut und werthvoll hielt, siegesgewiß ihren Gott als den. alleinigen Herrn des Himmels und der Erde verkündet, und lein (Nut der Welt höher stellt als ihre Religion, von der sie sicher war,.daß sie die Welt überwinden müsse. Trotz aller Veräußerlichung ihrer Vorstellungen vom MessiaSreiche, trotz alles Fanatismus, der damit verbunden war, ist der Kampf, in den dieses Volk mit den damaligen Herren der Well eintrat, doch ein Schauspiel, das unser innerstes religiöses Interesse in Anspruch nimmt, und das uns auf Schritt und Tritt negativ und positiv zum richtigen Berstänrniß des Christenthums.Hinleitei." .— Bei solcher Würdigung fällt es nur auf, wenn diese Herren dem so großartig kämpfenden und so Bedeutendes ausstrahlenden Zudenlhume eine weitere Mission, auch uach dem Falle Jerusalems, und dem herrschend gewordenen Christen'thume, nicht zuschreiben wollen. Lttdwigöburq, i>. August. An dem. heutigen Tage, dem Tage von Wörth und Spichern, schreibt die.„Schwäbische Kronik", hat sich hier eine schöne, erhebende Feier vollzogen. Cr wurde passend gewählt zu der Einweihung des Denkmals für zwei Opfer des Krieges, die auf dem neuen hiesigen israelitischen Friedhofe ihre letzte Ruhestätte gefunden. Dasselbe ist ans dem Atelier des rühmlichst bekannten Bildhauers Wagner dahier, hervorgegangen, und lobt den Meister. Cs ruht ans einem Sockel von Quadersteinen, und ist ans Heilbronner Werksteinen mit reichen Kriegsdeeeratwneu ausgefühn in der Höhe von etwa 3'/2 Meter; der untere Theil ist felsenartig behauen. Das Ganze macht einen imposanten sympathischen Eindruck. Unter. , diesem Denkmal ruhen Heinrich Heidemann ans Großblumberg. Regierungsbezirks Frankfurt a. d. Ocer, Gefreiter im 18. kgl. preußischen Infanterieregiment, der in Folge von vier Wunden, insbesondere einer Schußwunde in die Brust, die er bei Gravelotte erhalten, am 21. Oetober! 87" in einem hiesigen ^azarethc gestorben ist. Cr war kur; vecheirachet; während er hier darnieterlag, ist seine Frau eines Kindes genesen. Cr hat die junge Mutter nickt wieder, sein Kind nie gesehen! Das ist der «Krieg! — Mit seiner feierlichen, unter allgemeiner Theilnahmc von Militär und Civil damals geschehenen Beerdigung wurde der israelitische Friedhof hier eröffnet, den die kleine Gemeinde mit vieler Opferwilligkeit und reckt bübsck hergestellt hat. Cin Sohn und Opfer des Krieges, der Crste auf einer neuen Stätte