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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-02 · Heft 36 (2.9.1873) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 36 (2.9.1873)
Date
1873-09-02
Page
Seite 590 (sequence 10)
Language
German
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590 Freizügigkeit der Juden erst zur Wahrheit wird, und sich im Innern Rußlands Gemeinden bilden. Die zwei Lehrerseminaricn zu Wilna und Zytomrr werden nicht ausreichend sein; der Staat muß ernstlich daran denken, eine größere Anzahl von jüdischen Lehrerbildungsanstalten, und zwar in den verschiedenen Gouvernements in's Leben zu rufen. Das von der Negierung festgehaltene Princip, daß der allgemeine Unterricht ein staatlicher sein müsse, also durch Staatslehrer, durch Staatsanstalten und durch Staatsmittel zu besorgen sei, ist gewiß das richtige. Nichtsdestoweniger wird es für die nächsten Deeennien hinaus noch nolhwcndig sein, eine bedeutende Anzahl von speeifisch jüdischen Lehrern und jüdischen Schulen zu bilden und zu unterhalten. Es ist eine Illusion, wenn man glaubt, daß sich die Chedarim, Ieschiboth, Talmud Thoras sofort beseitigen lassen. Dieselben sind hervorgegangen aus dem Accürsmß der Masse nach Bildung; diese ist nur, im Laufe der Zeit durch die Feindseligkeit des Staates und der Gesellschaft, eine einseitige und verkehrte geworren. Sollten die Juden ausschließlich aus die Staatslehranstalten angewiesen sein, so würden dieselben bald so überfüllt sein, daß für die übrige Bevölkerung in jenen kein Platz mehr bleibt. Die Gemeiudeverfasiungen sind zu reorganisiren; die Abgaben für die Juden zu vermindern, rationeller und national-ökonomischer zu vertheilen. Die Verfassungen der Iudengemeinden in den westeuropäischen Staaten geben hierzu die besten Borbilder ab. Behandelt der Staat die Juden und die jüdischen Gemeinden mit wohlwollender Fürsorge und mit Borurtheilslvsigkeit und Gerechtigkeit, so wird das Werk der Erziehung derselben ein einfaches, leichtes und glückliches sein. Die Juden sind bekanntlich dankbar für empfangene Wohlrharen, ausdauernd und intelligent. Der Staat, der sie richtig zu nehmen weiß, gewinnt in ihnen die tüchtigsten und nutzbringendsten Elemente für sich und eie Nation.— Ein im Journal des Unterrichtsministeriums befindlicher „erklärender Bericht" spricht sich wiederholt über Plan und nunmehrige Unzeitgemäßheit des vom Grasen Uwarow im Jahre IS 11 gegründeten Schulsystems für die jütische Bevölkerung aus. Der Bericht constatirt den Bildungödrang der Juden, der sie weniger den niedrig stehenden jütischen Elementarschulen, als vielmehr" den eine höhere Bildung gewährenden Unterrichtsan-! stallen zuführt, und fährt dann fort: Dieser Bildungstrieb der : Juden zeigt sich ganz unabhängig von jeteul Einsluffe der Regierung, ja nicht einmal den in Aussicht geslettten Stipendien, ' kann man jenen zuschreiben, da die jüdischen Stipendisten sowohl . in den mittleren, wie in den >r reisschulen, die von Juten sehr; stark srequenlirt sind, roch nur cen unerheblichen Precenlsatz von J «»,50 o geben. Es ist also evident, daß die Aussetzung von! Stipendien, um die Jugend zur Bildung heranzuziehen, bei den j Juden ziemlich überflüssig ist. Daraus folgt aber nicht, daß die! Stipendien nunmehr abgeschasst werden sollen; renn wenn sie . auch für den einen Zweck überflüssig sind, so dienen sicroch rem , humanen, die arme nur begabte Jugend aus ihrem Bildungs-!„Wir wollen hier nur coustatiren," so schließt rer benrerkens- 'werlhe Artikel, „daß die Meinung eine irrige sei. welche be-! hauptet, die Juden werden nur durch die ansgesetzten Stipendien! und sonstige Staalsunterstütztulgen für die Bildung gewonnen. Im Gegemheil; Zahlen beweisen, daß bei den Juden die Bit-- >! Würde bestehe." Aus rer Umwälzung des Schulwesens für die Juden erwächst aber, woraus wir bei Zeiten aufmerksam machen müssen,; für die Gemeinden die Nothwendigkeil, rechtzeitig an die Errick- ■ tung von Neligionsschulen zu denken. Möge darin 'Nichts ver-! sämnt werden, damit die jüdische Schuljugend nicht aus Mangel an Religionsunterricht, für den rer Staat nicht mehr Sorge tragen will, dem religiösen Jnvifferentismus und dem Alles unterwühlenden Materialismus verfalle! I e u i l Eine Kriezsscene nnd ihre Folgen. iv. iS chln ß.) Ich will Sie nicht aufhalten, bester Herr, mir der Beschreibung unseres weiteren Kriegozuges gegen die Franctireurs, obschon noch Vieles vorfiel, das des Erzählens wcrth. Im Kriege wie im Leben werden oft die größten Heltenthaten vollführt, ohne daß der Griffel der Geschichte sie niederschreibt, weil sie eben auf kleinerem Felde und ohne die Einwirkung auf die Geschicke der Völker im Großen geschehen. Ja, ich möchte sagen, ohne eine Menge solcher heroischen Thatcn in zahllosen Einzelsällen würde weder der Sieg im Felde, noch ras großartige Leben im Frieden erreicht werden. Daö macht aber NichtS; waS ist schließlich der Ruhm bei der Nachwelt? t' e t o ii. Ich blickte meinen Mann erstaunt an. Er merkte Dies, und lächelte. 'Nun, fuhr er fort, halten Sie mich nicht für einen Kopfhänger, oder für Jemand, der sich anstrengt, weise zu sprechen. Man kommt eben aus einem so schweren und thatenreichcn Kampfe nicht ganz wieder zurück, wie man hingezogen ist. Doch ich fahre in meiner Erzählung fort. Eine neue Flasche war unterdeß aus meinen Wink gebracht worden, und wir schenkten uns vergnüglich ein, und freuten uns des guten Gewächses. Wir dehnten unsere Märsche weit nach Westen und Süden aus. Wir hatten noch viele Gefechte zu bestehen, aber überall stoben nach kurzem Kampfe die Franctireurs auseinander. Gefangen wurden verhältnismäßig nur wenige; aber wir verleideten ihnen die Lust am Handwerk so gründlich, daß sic schließlich nicht mehr zum Vorschein karnen, und wir annehmen konnten,

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