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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-09-02 · Heft 36 (2.9.1873) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 36 (2.9.1873)
Date
1873-09-02
Page
Seite 588 (sequence 8)
Language
German
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588 vieler Feierlichkeit in der Vorhalle des Nathhauses unserer Stadt, zwei Getächtnißsteine eingewciht, auf deren einem die Namen von fünfundzwanzig Bürgern, die sich am meisten ausgezeichnet haben, und aus deren anderem die Namen der in den Uuabhängrgkcilskämpsen Italiens gefallenen Tapferen cingegraben sind. Auf dem ersten sieht auch der Name Ve l i a della Torrc's, der!2 Jahre hindurch Professor am Rabbinerseminar zu Padua war. Rumänien. Bukarest, im Aug. (Privatm.) Wo ein Kranker vorhanden ist, da finden sich auch sehr viele ärztliche Rathschläge über das cinzuschlagcnde Heilverfahren. (5s kommt bei diesen auf die Voraussetzungen an, von welchen der Rathgeber ausgeht. Der sehr geschätzte Herr Antoine Lövy dringt in diesem Blatte auf eine Trennung der Orthodoxen und Reformisten. Er geht dabei von der Ansicht aus, daß es hier solche Parteien gebe. WaS er aber auch für Erfahrungen in unserem Lande gemacht habe, wir müssen Dies in Abrede stellen. Würde man hier zu Lande eine Viflc umhergehen lassen, so würde sich Niemand als orthodox anschrciben, weil hier dieses Wort die Bedeutung von Fanatiker hat. Aber auch Reformisten giebt cs nicht, denn dieses Wort bezeichnet doch nicht etwa eine beliebige Aenderung der Lebensweise, sondern eine bestimmte Anschauung und begründete Ueberzeugung, und eine solche besitzen hier zu Lande nur Wenige. Es giebt hier eine große Zahl Indifserentisten, und eben so viele Eck ein heilige. Dieselben Personen wechseln häufig die Rolle. Eine Spaltung wäre daher nicht ausführbar, und zugleich ein höchst gefährliches Experiment, wo gerade die Einigung und Einheit das nvthwendigste Bedürfnis; für irgend eine Gestaltung ist. Dabei scheint Herr Levy auf eine friedliche Verständigung der Parteien zu rechnen, und Ties wäre der größte Irrthum. Denn würde selbst ein Schibolet für die Trennung gefunden, — was unmöglich ist, da die Masse gar kein Verständniß dafür hätte, — so würden sich die Parteien um das Maß ihrer Forderungen in den Haaren liegen, und der Hader größer sein als vorher. Es kommt hierzu, wenigstens in der Wallachei, ein viel bedeutenderes Uebel. Durch die hartnäckige Zurückweisung, welche die ruinänische Regierung gegen die Juden ausübt, fühlen sich große Brnchtheile der hiesigen Juden veranlaßt, sich als Abkömmlinge österreichischer, deutscher, französischer, englischer, amerikanischer Juden zu geriren. und bei jeder Gelegenheit die Hülfe ihrer Consnlate in Anspruch zu nehmen. 'Nur drei Jahre humaner und gerechter Behandlung Seitens der rumänischen Negierung würden diesen Uebel stand beseitigen, daß diese Juden sich ebenso als Nlnnäncn naturalisirt betrachten würden, wie die serbischen, bulgarischen, griechischen :c. Christen. Jetzt aber werden bei jedem Ansprüche rer einheimischen jüdischen^ Gemeinde sich jene fremdländischen Juden als unbetheiligt betrachten, und ihre Consnlate um Schutz angehen. Was endlich sollen die zahlreichen kleinen Gemeinden beginnen, die gar nicht theilbar sind? Nein, so wahr auch Vieles ist, was Herr Lövy in seiner Schilderung vorträgt, so ist sein Rath koch völlig unstatthaft. Viel besser ist, was hier bereits geschehen. Man hat einen Verein gebildet, der durch das ganze Land alle besseren Elemente zu sammeln und zu einer kräftigen Wirksamkeit für Herstellung tüchtiger Anstalten befeuern soll. Hoffen wir, daß diese Einigung gute Früchte trage. Sollten wir einen Rath geben, so würden wir für felgende Verordnung plaidiren: 1. Daß jeder Vorstand einer Gemeinde, Schule, eines Spitals :c. beim Amtsantritte, wie in Oesterreich, beeidet werde; und 2. daß Derselbe sich zu jährlich gedrucktem, dctaillirtem Ausweise eidlich verpflichte.*) Korn, einer. Schuldirigent. Rußland. St. Petersburg, im Juli. (Privalmitth.) Ten „Petersburger Nachrichten" entnehmen wir die erfreuliche Mittheilung. daß' das vom Finanzminister ansgearbeitete Projeet, die freie Uebersiedelung der Inden in die inneren Gouvernements des Kaiserreichs betreffend, demnächst dem Ministevrath zur Beschlußfasiung vorgelegt werden soll. Genannte Zeitung spricht sich sehrlebhaft für das erwähnte Projeet aus. Sie meint, daß abgesehen von der Frage der durch die Humanität und die Gerechtigkeit gebotenen Gleichstellung der Juden, dem Staate wie dem Volke nur der größte Nutzen daraus erwachsen würde. Handel und Industrie liegen in den inneren Theilen des Reiches noch vollständig brach; wie würden sich jene also binnen Kurzem heben, wenn so arbeitsame und rührige Elemente, wie sie die Juden darstellen, zugelassen würden! Auch in den nordwestlichen Gouvernements, wo die Juden so dicht gedrängt neben einander wohnen, daher das Elend unter denselben so groß, und für die übrige Bevölkerung von den nachtheiligsten Folgen ist, würde sich alsbald der Wohlstand heben. Denn unbedingt würde der Abzug bald ein sehr starker sein, und den Zurückbleibenden mehr Raum und Licht werden. — Wir dürfen um so zuversichtlicher hoffen, daß die Vorschläge des Finanzministers die Billigung des Ministerralhs, sowie des hochherzigen Kaisers finden werden, als bereits vor etwa 10 Jahren alle Gouverneure, mit Ausnahme eines einzigen, sich für vollständige Gleichstellung und das unbeschränkte UebersiedelungSrecht der Juden ausgesprochen haben. Die „Moskauer 'Nachrichten" schreiben: Der Ukas, die Aushebung der Nabbinerschulen betressend, berührt sehr wichtige und weitgreifende Fragen. Bisher war das Bemühen der Regierung dahin gerichtet, Rabbiner hcranzubilden, die außer den jüdisch-theologischen Kenntniffen dasjenige Die „Ruinäiiifchc Post" fcheint mit dem l. Juli cingcgaugeu zu sein, da uuS seitdem feine Nummer dic'cs Blattes zugcgangcn. Die Rcdaetiou.

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