Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1873)
- Date
- 1873-09-02
- Page
- Seite 585 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226906-3226943--31929-3254874- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
585 hatte sich schließlich entschlossen, eine Bittschrift von rein unglücklichen Familienvater entgegenzunehmen, und dieselbe rem Ministerium zu übergeben, und auf diese Bittschrift erhielt der Petent folgenden Bescheid: Nr. 2343. 27. Juli (8. August 1873). Ew. Wehlgeboren theile ich ergebenst mit, daß, inhaltlich einer Note des kaiserlich russischen Ministeriums der äußeren Angelegenheiten vom 20. Juli c., der Minister reS Innern in Uebereinstimmung mit rem Stadlhauptmann von Petersburg es auf Grund ter Anmerkung 2 zum Artikel 8 und res Anhanges zum Artikel 4 30 des XIV. Bandes über daS Paßwesen (Fortsetzung res im Jahre 1803 erschienenen Gesetzbuches) nicht zulässig erachtet, Ihnen den längeren Aufenthalt zu gestatten, da überdies Ihre gewerbliche Beschäftigung eine Ausnahme nicht rechtfertigt. Ter kaiserliche Botschafter, eigenh. gez. Prinz Reust. Tie westeuropäischen Glaubensgenossen des von dem barbarischen (besetze Betroffenen haben in den letzten Jahren einen selchen CriftT entwickelt, ihren bedrängten Bri'ircrn in den von rer abenrlänrischen Zivilisation noch nicht rurchrrungcncn Ländern Hülfe zu bringen, ras; sie wohl auch diesen Fall zur Handhabe nehmen werden, um ein gegen sie gerichtetes Stück Barbarei zu bekämpfen. Dem Kaiser Alexander ist so mancher Fortschritt zu verdanken, den Rußland auf rer Bahn der Eivilifatien gethan. daß man vielleicht die Hoffnung hegen darf, er werde wie den Leibeigenen, so auch den Juten gegenüber sich als einen humanen Herrscher erweisen. Soweit rie „Köln. Zeit." Ter Rath, den sie ertheilt, ist gut gemeint, aber roch sonderbar. Tie westeuropäischen Juden sollen Hülfe schassen bei einer völlig internationalen Angelegenheit! ES ist doch ersichtlich, daß es lediglich die deutsche Reichsregierung ist, welche sich ihrer Staatsangehörigen anzunehmen hat. Tas deutsche "Reich kennt nach seinem BunreSgesetze von, 3. Juli 180!) keinen Unterschied zwischen Eonfessionen in allen bürgerlichen Mtd staatsbürgerlichen Beziehungen, und darf daher nicht dulden, das; zwischen deutschen Bürgern der Religion wegen anderswo unterschieden werde, deutsche Bürger, wenn sie ter einen oder der anderen Religion angehören, verschieden behandelt werden. So haben Nordamerika und Holland in gleicher Angelegenheit gegen die Schweiz gehandelt, und die anderen Mächte inlervenirten gleichfalls auf diplomatischem. Wege. Freilich, wirr man Rußland gegenüber sagen: „Ja, Bauer, das ist ganz was Anderes!" Run, man braucht darum keinen Krieg mit Rußland anzusangen. und kann dennoch energisch cintreten. Ter deutsche Gesandte, Prinz Reuß, hat aber bereits bewiesen, was wir darin zu erwarten haben. Uns bedünkt eS dabei, daß man durch Schwäcke und "Nachgiebigkeit keinen großen Nespcct einflößt. -Lri'ihi ho.mi occlmcßleii. Deutschland. Stuttgart, 13. August. Heute tagte hier der iörael. Lehrerverein in seiner jährlichen Plenarversammlung unter Lorsitz seines Vorstandes, des pens. Oberlehrers Liebmann. 25» Lehrer, die Hälfte sämmtlicher iSrael. Lehrer deS Landes, waren anwesend. Ter Bortrag des Borsitzenden behandelte die Bor-, Ausnur Fortbildung israet. Lehrer in eingehender, wehldurchrachrer, nur etwas idealistischer Weise; praktische Vorschläge wurden in lebendiger Tebatte moiivirt und angenommen. Eine Tepulation wurde vom Hrn. Eultusminister in Audienz empfangen, und hultvellst über die Bitte der Borsänger um Pensionsberechtigung beschieden. Berschietene Standesangelegenheiten wurden noch erörtert. Erfreuliche Resultate liefert der Rechenschaftsbericht des württemb. iörael. Lehrerunterstützungsvereins, der in einem Jahrzehnt einen schönen Grundstock ersammelt und viele Witlweu und Waisen unterstützt hat. Tiefe Resultate sind dem regen Eifer des Vorstandes besonders zu verdanken. Stuttgart, 20. "August. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen die Trauerkunde mitzutheilen, daß gestern Abend Herr Rabbiner und Kirchenrath Di." Joseph von Maier nach zurückgelegtem 70. Lebensjahre nach nur eintägiger Krankheit sanft verschieden ist. Wer die edle Persönlichkeit dieses wissensreicheu und begabten Mannes kannte, und seine große Wirksamkeit, namentlich als geistliches Mitglied des würtlembergischen israelitischen Tbcrkirchenrathes erwägt, wird reu großen Verlust ermessen, den wir durch das Hiuscheireu Maier's erleiden. Tie hohe Achtung, rie er genoß, und zwar in allen Kreisen, und welche sein König durch die Verleihung deö Trdens, der zugleich in den persönlichen Adelsstand erhebt, bezeugte, sowie, ras; seine Eollegen ihn im Jahre 1811 zum Präsidenten der ersten Rabbinerversammlung zu Brannschweig erwählten, wird dieser stunde eine allgemeine Theilnahme erwirken. "Weitere biographische Miltheilung behalten wir uns vor. Königöberg, 14. August. Die Ausweisung vieler hier eiugewanderten polnischen Juden, als sich rie hier eingeschleppte Cholera epidemisch auszubreiten begann, bedarf einer Erklärung. Eine solche gab in den öffentlichen Blättern rer als Menschenfreund bekannte Professor Di-. Burow. Dennoch wollten wir erst auf eine Bestätigung von Königsberg selbst warten. Jetzt aber bringt rie in K. erscheinende -mit hebräischen Lettern gedruckte, Zeitschrift „Ter jüdische Grenzbote" diese Erklärung ebenfalls, und fügt nur Worte rer Bestätigung hinzu, sowie rer Warnung an die Inden in Polen, nicht so unvorsichtig in Hellen