Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1873)
- Date
- 1873-08-26
- Page
- Seite 574 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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574 bestätigt Dies vollständig. Wir haben es hier mit einer zahlreichen (1500 Seelen) und in der alten Orthodoxie bestandenen Gemeinde zu thun, in welche eine reformistische Richtung noch niemals eingedrungen war. Da mit der politischen Freiheit nach dem Einzuge der Italiener in Rom auch die Gemeinde- Verfassung ihre gesetzliche Geltung verlor, löste sich in dieser Gemeinde Alles auf. Kaum war nach dem 20. September 1S70 die Beitragsverpslichtung zu den Cnltussteuern gefallen, so mußte auch die Gemeindeverwaltung zu functioniren aufhören. Seil mehreren Jahren gab es keinen Großrabbiner mehr, und Die ihn vertraten, besaßen die nölhige Autorität nicht. Selbst der Gemeindesecretär hat aus Mangel an Gehalt seine Stelle verlassen und ein städtisches Amt angenommen. Die Tempel sind wenig besucht. Die Talmndthora ist verödet, die Kinder besuchen die katholischen. Schulen, und einige Eltern lassen ihre Kinder nicht einmal vom kathokischen Religionsunterricht dispensiren, wozu das Gesetz sie berechtigt. Allerdings giebt es einige wenige eifrige Männer, die eine neue Organisirnng herzustetlen suchen, — unter ihnen vor Allem der Ritter Samuel Alatri, — aber die völlige Gleichgültigkeit ihrer Glaubensgenosien entmuthigt schließlich auch sie. Im Augenblicke vermag man keine Aussicht aus Besserung zu erschauen. Neu-Seeland. Aus NeU'Seeland, im Mai. Auch diese zwei entlegenen Inseln werden jetzt immer mehr von Israeliten colonisirt. Nach der jüngsten, im Februar IS71 veranstalteten Zählung leben in Tasmanien 1202 Israeliten, von denen 7 5-1 Männer und 50S Frauen. — Ein durch sein vielbewegtes Leben bemerkenöwerther Mann (Israelit), Julius Vogel, spielte hier eine nicht unbedeutende Nelle. Zu London 1835 geboren, mit gründlicher Gymnasialbildung ausgerüstet, arbeitete er längere Zeit in renl Handelshanse seines Großvaters, der in Indien und im Süden Amerika's Comptoirs hatte. Nach der Entdeckung der Goldminen von Victoria ging er nach Melbourne,, wandte sich aber bald der Presse zu und leitete mehrere Zeitschriften. Dieselbe Beschäftigung führte ihn nach Neuseeland. Einige Zeit daraus wurde er Mitglied des Colonialrepräsentantenhauses und des Bezirksrathes von Otago. Einige Jahre, bis 1809, war er Präsident des Provinzialrathes. Int Juni 1869 wurde Vogel Schatzmeister der Eolonie, Generalpostmeister und Dirdctor der Zölle, Aemter, die er drei Jahre verwaltete. Dann nach London zurückgekehrt, vermittelte er die erste Anleihe für die öffentlichen Arbeiten der Eolonie, und wurde mit dem St. Michael- und Georg-Orden decorirt. In Neu-Seeland gehört sein Name zu den geachtetsten. Ieuil Eine Äriegssrene nnd ihre Folgen. Erzählt von L- Schr. HI. (Fortsetzung.) So kam denn auch, was ich fürchtete. Um Mitternacht sahen meine Posten dunkele Haufen von mehreren Seiten auf unsere Hausergruppe anrücken. Dann und wann blitzte ein zitternder Mondstrahl von einem blanken Gewehrlaufe aus der Mitte des dunklen Schattens der auf der Ebene sich uns näherte. Jenseits des Dorfes waren die Feinde auf einer Brücke, die wir wegen der Krümmung des FlusieS nicht sehen konnten, auf das diesieitige User gerückt, und hatten sich in mehreren Hausen getrennt, um uns zu überfallen und einzuschließen. Sobald ich der Sache gewiß war, hielt ich es für bester, uns zu demaskiren. Ich ließ die Trommel wirbeln, in wenigen Augenblicken waren meine Leute versammelt und kampfbereit, und ich rückte aus der Häuscrgruppe, die zur Vertheidigung nicht geeignet war, hinaus und besetzte einen alleinstehenden Hügel, der zwar nicht hoch, aber breit, mir den Platz zur Aufstellung meiner Leute in zwei Abtheilungen gab. Die Spitze des Hügels war zum Theil mit Unterholz besetzt, und sauren sich daselbst auch große Sandlecher, so daß wir uns ziemlich schützen konnten. l e t o n. Als die Franctireurs nach einiger Zeit sich überzeugt halten, daß sie uns in der Häusergruppe nicht überraschen konnten, und wohin wir uns zurückgezogen, veränderten sie ihren Plan, vereinigten ihre Haufen zu einer Masse, um den Hügel zu stürmen, und uns durch ihre Ueberzahl zu erdrücken. Es waren ihrer wohl hundert und fünfzig. Sie hatten aber hiermit den schlechtesten Plan erdacht; ihre unerfahrenen Führer mochten wohl so etwas von Mastenangrisf, vom Niederwerfen einzelner Schaaren nacheinander durch den Feind u. dgl. gehört haben, oder auch die geheime Angst vor den gefürchteten Preußen, denn so nannten sie hartnäckig die Deutschen, fühlte sich nur sicher, wenn sie sich in großer Menge zusammensahen. Für mich war dieses ihr Vorgehen sehr erwünscht. Ich ließ den Feino so nahe wie möglich kommen. Die Franzosen, meist mit Gewehren alten Kalibers bewaffnet und im Schießen nicht geübt, feuerten ihre Büchsen ab, ohne uns vielen Schadet! zu thun, denn nur zwei Mann wurden leicht verwundet, und stürmten dann auf den Hügel los. Jetzt ließ ich meine Leute ihr Schnellfeuer beginnen, und Dies hatte in der dichtgedrängten Maste eine so furchtbare Wirkung, daß die ersten der Anrückenden niedergeschmettert wurden, bevor sie den Fuß des Hügels erstiegen hatten. Da nun unser Feuern gar nicht anfzuhören schien, während sie allesammt ihre Ladung auf ein Mal