Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-08-26 · Heft 35 (26.8.1873) · p. Seite 573

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 35 (26.8.1873)
Date
1873-08-26
Page
Seite 573 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226942--31916-3254860
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

57) Alle vereinigten sich, die Verdienste dieses Mannes zu würdigen, und ihm eine noch lange Wirksamkeit zu wünschen. Aus der Provinz Posen, im August. iPrivatmitth.) Das überaus günstige Resultat, welches sich betreffs deS Besuches der höheren Schulanstalten seitens der jüdischen Jugend nach den ossiciellen Listen herausstellt, macht Denen, welche den Juden abhold sind, viel Kummer und Kopfzerbrechen, und sie suchen die Thatsacheu sc lange zu drehen, bis sie eine Schmähung für die Juden daraus gemacht haben. Statt einfach anzncrkennen, das; sich in diesem Factum ein großer, rühmenswerther Bildungstrieb in der jüdischen Volksmaffe kund thue, — waS doch neben allen möglichen ErklärnngSweisen stets übrig bleibt, — und daß man sich bemühen müsse, einen gleichen BildungStrieb in anderen Theilen der Bevölkerung zu wecken und zu pflegen, statt Dessen bemüht man sich, ganz anderswo den Schlüssel für dieses unangenehme Resultat der Statistik zn finden. Man weiß, daß z. B. die Erklärung versucht wurde, die Juden seien $um größten Theile Städter, und daraus erkläre sich die große Zahl der jüdischen Gymnasiasten, weil die ländliche Bevölkerung weniger Gelegenheit habe, ihre Söhne in die Gymnasien zu schielen. Wir leugnen Dies nicht ganz: allein ein so enormes Verhältnis; erklärt Dies nicht; denn die größte Zahl der Juden wohnt tücht in solchen Städten, wo sich Gymnasien befinden. Jüngst bringt das „Daheim" eine andere Erklärung: „Betrachten wir nun (Gymnasien und Realschulen in Preußen, so läßt sich ans dem Schülerbesuch entschieden darthnn, daß die Juten die wohlhabendsten Leute im Staate sein muffen. Es entfallen nämlich in Preußen aus 10,0<i<> Protestanten 53 Gymnasiasten, aus 10,000 Katholiken 28, — auf 10,000 Inden aber 315! Hätten die Juden nicht in so hohem Grade das Geld an sich gebracht, sic würden nicht in so hohem Verhäliniffe ihre Söhne die Gymnasien bestachen lassen können." — Run gehe man zuerst durch das gauzc Land, und sehe, wem der gcsannnte Grundbesitz gehört; rnan blicke aus die reichen und wohlhabenden Bauern; dann gehe man durch die Städte und beobachte, wie viele Grundstücke wirklich Juden gehören, wie viele Fabriken, Kauslädeu, große Handwerkerstätten u. dgk. in Händen von Juden seien, und man wird zugeben müffen, daß ein höchst geringer Theit des wirklichen Besitzes und Reichthnmcs aus die Juden fällt. Man wird gewahren, daß der Trieb, ihre Kinder in höhere Lehranstalten zu schicken, biö in der untersten und ärmsten Klaffe -er Juden lebendig ist, ja »uit. dem Grade ihrer Änbemittelcheit wächst, weil eben diese Leute wiffen, daß aus ihren Kindern Nichts werden könne, wenn sie Nichts gelernt haben. Es ist eine alte Erfahrung, daß mit dem größeren Besitz und Reichthnm die Lernbegierde der Jugend eher abnimmt als wächst, und daß daS Geld der geringste Antrieb zu größerer Bildung und zur Erweröuitg tüchtiger Kenntnisse ist, — nur bei den Juden soll es anders seilt, aller Erfahrung auch bei diesen zum Trotz. Indes; mögen die Herren erklären, waS und wie sie wollen, wenn die Tbat« fache nur richtig ist und dauerhaft verbleibt! Oestreichisch'iinMische Monarchie. Larenburg, sbei Wien), 0. August. Heute Vormittags fand sich im Schlöffe eine Deputation -er Alliance israelite in Wien ein, tun vom Schah von Persien in Audienz empfangen zu werden, und demselben die Bitte zn unterbreiten, die hartbedrängten Jktden in Persien in Sckmtz zu nehmen. Die Deputation, welche vom Hosrath "Weil geführt wurde, und aus den Herren Di-. Güdemann, Ladenburg, Bannigarten und Singer bestand, wurde vom Großvezier Mirza-Hussein Khan in überaus freundlicher Weise empfangen. Rach Ueberreichung einer Adresse trug ein Mitglied der Deputation dem Großvözier das Anliegen vor, auf welches dieser beiläufig Folgendes erwiderte: „Die Juden in Persien stehen unter meiner persönlichen Protection, und die Gerüchte von Bedrückung derselben beruhen aus Entstellungen." Bevor er die Deputation entließ, gab er derselben das Versprechen, die Adresse genau zu lesen und der Alliance israölile eine Antwort schriftlich zukommen zu lassen. Lemberg, 12. August. Wie aus den, in der letzten Sitzung des israelitischen Eentralwahlcomitös verlesenen Zuschriften zu entnehmen ist, sind dein Actionsprogramme dieses Eomitt-s folgende israelitische Gemeinden bereits beigelreten: Bircza, Brody, Brzezau. Dolina, Glogow, Kopcczynce, Krakoloice, Rohatyn, Solotwina, Szozerzec, Stanislau, TySmienice, Zalozon und Zbaraz. In diesen Gemeinden wurden schon zumeist israelitische ZweigcomiO's constituirt; außerdem dürften noch im Lause dieser Woche in Bnczacz, Drohobycz, Kolemea, Rzeszow, Tarnow, Tarnopol und Zloczow derartige ActionScomilös eingesetzt werden. Großlmtamiic». London / 13. August. Der neue Master of the Rolls, George Hessel,' ist der erste jüdische Richter, in England. Sir- George wurde geboren im Jahre 1821, studirte und graduirte mit glänzenden, Erfolge an der londoner Universität, und wurde 1817 zmn höheren Advecatenstaude zugelaffen. Erst im Jahre 1808 wurde er von Dover im Interesse der Liberalen in'ö Parlament geschickt, und im November 1871 folgte er dem jetzigen Attorneygencral, Sir John Eoleridge, als Solicitorgeneral. Italien. Rom, 1. August. Die öffentlichen Blätter haben bereits die völlige Auflösung besprochen, in welcher sich die jüdische Gemeinde in Rom befindet. Eine Eorrespontenz der Arch isr. 35*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.