Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1873)
- Date
- 1873-08-26
- Page
- Seite 567 (sequence 5)
- Language
- German
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567 auch wirksameren Massen in nahezu kreisförmigen Bahnen laufen, und nur die kleineren, (Merkur, Mars und Planetoiden) in sehr excentrischen und stark geneigten Elipsen. Wir gewahren ferner, daß alle größeren Planetenmassen sich paarweis gruppirt haben (Erde mit Venus, Jupiter mit Saturn, Uranus mit Neptun). Ein solches Paar zeigt stets eine große Ähnlichkeit seiner beiden Glieder an Größe, Masse, Dichtigkeit und sonstiger Eigenthümlichkeit. Die UmlaufSzeiten kommen einem einfachen Berhältniß sehr nahe {S : 13 bei Venus und Erde; 5:2 bei Saturn und Jupiter; 2: l bei Uranus und Neptun). Dies Alles dient, um einerseits eine zu starke störende Wirkung zu verhindern, andererseits die, welche wirklich stattfinden, so gegeneinander abzuwägen und auszugleichen, daß nie und nirgends ein nachtl,eiliges verderbendrohendes Anwachsen erfolge.'*) Hätte beispielsweise Jupiter eine Bahn, wie die unscheinbar kleine Polyhymnia, so würde er die Bahnform der übrigen Planeten siebzig Mal starker verändern als gegenwärtig. Unsere Erde z. B. würde dann in den einzelnen Jahren schon merklich verschiedene Tageslängen haben; die einzelnen Jahrgänge würden schon von-merklich ungleicher Länge sein u. s. w., und die kleinen, dem Jupiter naher stehenden Planeren wären noch weit übler daran. „Noch verschiedener stellt sich die Bedeutung der erwähnten Planetpaare heraus. Es bildet sich in Folge des so nahe zustimmenden Zahlenverhälmisscs eine sogenannte große Periode, d. h. ein Zeitraum, nach dessen Ablauf die gegenseitigen Wirkungen sich .umkehren. Sic ist beispielsweise in dem zweiten der oben erwähnten Paare 030 Jahre. Während eines solchen Zeitraumes verlangsamert sich die Bewegung Jupiters, nnd beschleunigt sich die des Saturn. Ist sie abgelaufen, so kehrt sich das Berhältniß um; Jupiter beschleunigt seine Bewegung, und Saturn verlangsamert die seinige. Die beiden größten Planeten wirken also auseinander im verschiedenen Sinne, und heben dadurch ihre Gesanuntwirkung säst gänzlich aus. Man kann sie sich vorstellen als zwei kolossale Balanciers, die beide zusammen ein Gleichgewicht erhalten, das jeder Einzelne von ihnen unaufhaltsam zerstören würde. Was wir oben von der langsamen oder schnelleren Bewegung gesagt haben, findet auch in Beziehung auf alle übrigen Bahnelemente eines solchen Planelenpaares statt. So wächst die Excentricität der BcnnS, während sich die der Erde vermindert, und Dies wird, aber erst nach Myriaden von Jahren, sich umkehren. Die Neigung der Uranusbahn gegen die allgemeinen Gruudclemente ist im Wachsen,' während die des Neptun abninnut, und auch Dies verkehrt sich in sein Gegenthcil nach einer sehr langen Reihe von Jahrtausenden, welche näher zu bestimmen der Zukunft überlassen werden . *> Je Potenter die Masse eines WeltkörpcrS ist, desto größer der Spielraum der Bewegung. Den Äometen, die uielns schaden können, ist deshalb die größte Freibeit der Bewegung, auch selbst eine rücklausige gestattet, während ein einziger ri'utlänsiger Planet über kurz oder lang Alles in ein Chaos zurnclftürzen tönntc. muß. Sind Dies nicht deutliche Fingerzeige Dessen, was dabei beabsichtigt ist, und kann ein System planlos nnd zufällig entstanden fein, das selche Erscheinungen zeigt?" (Mädlcr.) Wenden wir uns zu einem Beispiele aus der organischen Welt. Ein französischer Forscher sagt: „Die authentischsten Zeugen für das Vorhandensein der thierischen Elektricität sind einige Fische. Der Ziltersisch. der gemeine und der stachellose Wels, der Roche oder Zitteraal entwickeln freiwillig größere oder geringere Menge Elektricität. Dieses Flnidnnt, dessen Erzeugung dem Willen des Thieres unterliegt, ist identisch mit demjenigen der gewöhnlichen elektrischen Maschinen; es bringt dieselben Stöße und dieselben Funken hervor. wenn es in einem gewissen Grade der Spannung sich befindet. Der Apparat, in dein es sich bildet, besteht ans einer Reihe kleiner. Scheiben von besonderer Beschaffenheit, die von einander durch Wände von Bindegewebe getrennt sind. Feine Nervenenden sind über die Oberfläche jener Scheiben vertheilt: und das Ganze stellt eine Art einer ans Häuten zusammengesetzten Säule dar, die gewöhnlich in der Kopfgegend, bisweilen auch nach dem Schwänze zu liegt." Wer, fragen wir, kann in dieser Anordnung ein besonderen Zweck verkennen? Daher fügt der angeführte Autor hinzu: ,,Jn jedem organischen Wesen, in uns selbst gicbt cS eine unendliche Welt .von Thätigkeiten aller Art. Die Kräfte, die unS durchrringcn, sind ebenso vielfach, wie die Stoffe, aus denen wir gefügt sind. In jedem Punkte unseres Körpers und in jedem Augenblick unseres Daseins begegnen und verbinden sich alle die Wirksamkeiten der Natur. - Nichtsdestoweniger herrscht in der Aufeinanderfolge dieser wunderbaren Processe eine solche Ordnung, daß anstatt unlösbarer Verwirrung vielmehr harmonisches Zusammenwirken das Wesen der lebendigen Geschöpfe bezeichnet. Alles in ihnen hebt sich zu vollkommenem Gleichgewicht, aus die Ursache folgt sofort die entsprechende Wirkung. Daö hatte Busson schon eingcsehen und auSgedrückl." (Papillen). Es gicbt Anschauungen, welche in der Menschheit mit der ersten Entwickelung des Denkvermögens hervortraten, nnd dauernd durch alle Jahrtausende in Geltung blieben. So oft sie auch von einer nenernngssüchligen Dialektik angegriffen und geleugnet wurden, drangen sie immer wieder siegreich durch, weil sie schließlich dem Geiste sich immer wieder als richtig erkennbar machten, und sich durch die Fülle der Thatsachen erwiesen. Eine dieser Anschauungen ist die Lehre vom Zweck und der Zweckmäßigkeit in der Natur und im menschlichen Handeln. Gerade aber weil jene Anschauungen alle geschichtlichen Ennvickelungsphasen der Menschheit mit durchmachen, werten sie in den verschiedenen Zeitaltern zu Jrrthümern und Borurtheilen entstellt. Tic dialektische Anfechtung derselben wird dadurch veranlaßt und zu großem Nutzen, weil sie durch diesen Streil geläutert, von den Jrrthümern befreit, ans den Borurtheilen herausgelöst werden. Man erinnere sich, zu welchen Verirrungen und Mißbräuchen