Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1873)
- Date
- 1873-08-26
- Page
- Seite 566 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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566 zweck des Bestandes und zugleich den Zweck, in die Ordnung der Gesannntheit hineinzugehören, haben kann. DicS sind Thatsachen, welche dadurch nicht hiuwegdisputirt werden können, daß wir fragen, wie dieser Zweck, sei es als Begehren. Wille oder als Vorstellung, Gedanke, in den Geist Gottes hineinzubringen und darin nach irgend einem Schema zu rubriciren sei? Denn da der Mensch den unendlichen Geist Gottes sich nicht vorzustellen vermag, und jeder Einzelne sich ein anderes Bild davon entwerfen wird, so stößt diese Frage stets auf willkürliche und individuelle Voraussetzungen. Sie involvirt zugleich die Frage nach Dem, was vor der Schöpfung,— eine Frage, für welche unser Begriffsvermögen nicht ausreicht, da wir uns von dem Nichtvorhandensein der Welt, vom Nichts keine Vorstellung machen können. Wir haben Dies einfach aufgeführt, um uns von diesen Netzen der Dialektik frei zu machen. In Gott, sagen wir uns, sind Vorstellung, Begehren, Wille und Thal Eines und Dasselbe; da Nichts außerhalb Seiner ist, so genügt die Vorstellung in Ihm, um zur That zu werden, und die bei dem Menschen dazwischen liegenden Momente des Begehrens und Willens sind in Gott gar nicht als solche vorhanden; ein Entbehren, wie es sich in einem Begehren darstellt, ist also für Gott nicht vorhanden. Bei Ihm beruht demnach der Zweck nicht auf einem Begehren oder Willen, sondern nur auf der Vorstellung, die an sich 'ein integrirendes Moment Seines Wesens selbst ist. Es kommt für uns daher nur darauf an, von der Thalsache uns zu überzeugen, daß Planmäßigkeit und Zweck, folglich auch Zweckmäßigkeit in der Schöpfung und in jedem einzelnen Wesen vorhanden sind. Diese Ueberzeugung zu erlangen, ist für Den nicht schwer, der keine Vorurtheile hegt, oder in Bekämpfung von vorhandenen Vorurtheilen, wie Spinoza selbst, in entgegengesetzte Vorurtheile verfällt. Wir wollen hier nur Folgendes hervorheben. Wir vermögen die Erscheinungen an den Welrlörpern bis auf die Secunde im Voraus zu berechnen, soweit jene irgend in den Kreis unserer Beobachtung fallen. Selbst Das, was man astronomisch als Störung bezeichnet, das aber nichts Anderes ist, als die Wirkung eines WeltkörperS auf den anderen, wenn deren Bahnen sie näher zusammenführen, sind wir genau zu berechnen im Stande. Ja, die Existenz großer Weltkörper, die durch das Fernrohr noch nicht gefunden waren, vermochte man durch wissenschaftliche Berechnungen zu erkennen, und man fand sie genau an der Stelle, welche jene ihnen angewiesen. In gleicher Weise können wir auch eine Menge von Erscheinungen, aus unserem Erdkörper genau berechnen und bestimmen. Alles z. B., was unter 'die sg. allgemeine Schwere fallt, können wir auf unserer Erde bis auf's Haar im Voraus berechnen und bestimmen. Die Chemie kennt die Zusammensetzung zahlloser Körper nach ihren Elementen bis auf's Minimum, und vermag daher, mit der Wageschale in der Hand, die vielfältigsten Zusammensetzungen mit der zweifellosesten Gewißheit zu bewert-, stelligen; sie setzt die Elemente zusammen in der vollkommensten Gewißheit, diese und keine andere Wirkung hervorzubringen, dieses und kein anderes Product zu. erzielen. Auch betreffs der organischen Wesen hat die Wissenschaft die vielfältigsten Resultate erlangt, und was hier einmal als sichere Erfahrung festgestellt ist, wird sich unter denselben Bedingungen stets unabänderlich wiederholen. Was folgt hieraus? Nichts Anderes, als daß im Universum wie in einzelnen Wesen eine bestimmte Ordnung nach unabänderlichen Gesetzen besteht. Eine solche Ordnung in ihrer unabsehbaren Dauer setzt Planmäßigkeit, und eine solche Gesetzmäßigkeit setzt Zweck und Zweckmäßigkeit voraus. Dies ist unerschütterliche ä'ogik, gegen welche alle dialektischen Künste, alle Sophistereien und Syllogismen vergebens ankämpsen. Die Naturwissenschaft spricht nicht gern von Zweck und Zweckmäßigkeit aus Scheu vor dein früheren Irrungen; sie spricht dagegen von Gesetzen und Gesetzmäßigkeit. Sie strebt dahin, in allen Erscheinungen die Gesetze zu erkennen, nach denen sie werden, vor sich gehen und wirken. Alle ihre Operationen sind ans solche Gesetze gestützt. Sie strebt ferner, ans der Menge der Erscheinungen das einfache Gesetz, auf welches sich die mannichfaltigen Modisicarionen der Erscheinungen zursickführen lassen, zu erkennen und festzustellen. Gesetz bedeutet aber, sobald man seine Wirkung in Betracht zieht, die ja zum Wesen des Gesetzes gehört, nichts Anderes als Zweck, Gesetzmäßigkeit nichts Anderes als Zweckmäßigkeit. Gesetz ist das Gegentheil von Zufall, und ebenso Zufall ras Gegentheil von Zweck. Nach einfacher mathematischer Formel sind demnach Gesetz und Zweck sich deckend. Wo also ein Gesetz vorhanden, ist auch Zweck und Zweckmäßigkeit da, und wo die Gesetze in einander greifend eine dauernde Ordnung Hervorbringen, da ist Plan .und Planmäßigkeit vorhanden. Je mehr uns also die Nalurwissenschast über die in der Schöpfung waltenden Gesetze ausklärt, desto mehr Beweise für den Zweck und die Zweckmäßigkeit in den natürlichen Dingen liefert sie uns, auch wenn sie jede ausgesprochene teleologische Tendenz vermeidet. Diese Ueberzeugung von Zweck und Zweckmäßigkeit in den natürlichen Dingen, wie sic oben begrifflich begründet worden, wird denn auch Jedem klar und zweifellos, der einen Blick in die Beschaffenheit der natürlichen Dinge wirst. Bei aller Vorsicht, dieser keinen zweifelhaften Zweck unterzuschiebcn, und bei dem Zugeständnisse, daß uns noch unendlich viel verborgen ist, ist doch auf diesem Gebiete bereits eine selche Fülle von thalsächlichen Erkenntnissen gewonnen, daß an der Wahrheit nicht zu zweifeln ist.*) Wir wollen hier, des beschränkten Raumes wegen, nur Zweifaches aus der größer» und kleinern Welt anführen, und mit den Worten der betreffenden Forscher selbst. „Wir gewahren z. V., daß alle größeren, also eben deshalb ') Wir verweisen auf da« 4. Capitcl unserer „Reden wider den Unglauben. 2.. Austage. Leipzig, Baumgartners Buchhandlung 1d0l. S.'lN.