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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-08-19 · Heft 34 (19.8.1873) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 34 (19.8.1873)
Date
1873-08-19
Page
Seite 556 (sequence 10)
Language
German
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356: Herren Ür. Koll scher, Rabbiner Löwenstein, l)r. Kohn und vr. Mansch. Brody wählt aus seiner Mitte die Herren Nathan v. Kallir und Leo Fränkl. Rumänien. Bottuschan, (Molrau,, 28. Juli. (Privatmitlh.) Ich habe Ihnen heute Trauriges und Erfreuliches zu melden, und die Gefühle, mit denen ich Dies thue, sind deshalb gemischter Natur. Wir haben eine schreckliche Feuersbrunst erlitten, welche in der Nacht anügebrochen, mehr als acht Straßen gänzlich zerstört hat, welcke vorzugsweise von Juden bewohnt waren. Biele wohlhabende Familien sind dadurch plötzlich an den Bettelstab gebracht, und der Iainmer der Obdach- und Habelosen ist herzzerreißend; die Noth so groß, daß man sie nicht zu lindern vermag. Unsere Hoffnung ist, daß nüldthätige Herzen sich aller Orten bereit finden werden, das zu diesem Behuse zusammengetretene Gcmile mit reichlichen Gaben zu versehen, um wenigstens den dringendsten Bedürfnissen abhelsen zu können. — Erfreulich ist, daß durch die Hülfe der Allianz in Wien es möglich gemacht worden, die hiesige Schule, über deren segensreiches Wirken in tiefer Zeitung wiederholt berichtet worden, über die Mrife hinwcgznbringen, die sie dnrchzumachen hatte. Es ist die bestimmte Aussicht vorhanden, daß die Schule, in welcher so viele arme Kinder, unter denen 36 Waisen, die ohne Vater und Mutter, vor der Verwahrlosung gerettet, «richtig unterrichtet und sittlich erzogen werden, in kurzer Zeit wieder wie früher durch die geregelten Mittel der hiesigen Gemeinde erhalten werden kann. Nur über die unselige Zwischenzeit, in die sie durch die Desorganisation der Gemeinde gerathen, bedürfte sic der Hülfe von Außen, die ihr denn auch geworden, und für welche wir ewig dankbar sein werden. Die Unterstützungen aus Berlin und Wien haben dieses glückliche Resultat gehabt. — Bei dieser Gelegenheit lassen ^ie mich alle jene Aeußerungen zuriickweisen, welche der Welt insiuuiren wollen, daß hier Unterstützungen ans dem Auslande, namentlich aus Deutschland, ungern gesehen werden. Es ist dies durchaus unwahr. Die Rumänen verabscheuen jede Subvention, die den Juden zukomnn, mag sie aus Deutschland, Frankreich, England oder 'Amerika stammen. Die rumänischen Juden aber sind für jede Unterstützung, sobald sie derer bedürfen, mit ganzem Herzen dankbar. Es ist ries so einfach, daß man sich wundern muß, wie das Gegentheil nur ausgesprochen werden kann. Die Roth kennt keine Politik, und wenn wir warten wollen, bis die Rumänen billigen, was zu unseren Gunsten geschieht, können wir unterdes; untergehen. Also hinweg mit dieser Sophisterei, die dem Brudersinne und rer Wohlthätigkeit nur Scharen thut! J e u i k Eine üriegsscene und ihre Folgen. Erzählt von L. Schr. II. (Fortsetzung.! Sie müssen sich, bester Herr, begann mein Begleiter seine Erzählung, im-Geiste nach einer ganz anderen Gegend und in eine andere Jahreszeit versetzen. Tie großen Schlachten in Frankreich waren laugst geschlagen; der gallische.Kaiser saß bereits Monde auf der WilhelmShöhe; unsere tapferen Heere hatten Paris und Metz eingeschlossen, und letzteres hielt einen großen Theil der deutschen Streitkräfte noch um seine Mauern gefesselt, als im Süden, Westen und Norden sich die französische 'Juitien gewaltig aufzuregen begann, um einen Volkskrieg zu führen, nachdem der ehrliche Soldaten krieg zu ihrem großen Schaden so ziemlich beende! war. Die beiden großen Belagerungen machten es aus unmöglich, Truppen nach jenen Gegenden zu senden, wo die Wühlerei in starker Blüthe stand, aber noch im rechten Augenblicke selbst durch kleinere Heerkörper unterdrückt werden komue. Das hat uns, wie Sic wissen, später noch viel Blut j gekostet. Besonders waren es die Franctireurs, halb Bürger j und Bauern, halb Soldaten und Räuber, welche bis in die Nähe j der eceupirtcn Städte und Dörfer drangen, unö die Lebenstniltcl s t e t o n. und Zufuhren abzuschneiten, kleine Trupps aus den Wäldern und anderen Hinterhalten zu überfallen, selbst ans offenen Flecken uns zn verjagen suchten. Besonders im westlichen Lothringen sammelten sie sich in bedeutenderen Hausen, und selbst unsere große Etappeustraße von Deutschland nach Paris war eine Zeit lang an einigen Punkten in Gefahr. Da uns keine Armee mehr gegenübcrstand, hielt inan jene nur schwach besetzt und war aus derartige Bauden nicht gefaßt gewesen, kleine Erfolge machten diese kühn und erbitterten unsere Soldaten, die diese zusammengelausenen Schwärme, die doch nirgends dauernden Widerstand leisteten, wenn sie nicht die übergroße Mehrzahl für sich hatten, gründlich verachteten. Es ging nicht länger so, und ein halbes Regiment wurde zusammeugezogen und nach Westen geschickt, um die der Straße nächstgelegene Landschaft zu säubern. Es war ein furchtbares Wetter. Der Regen halte schon einige Tage gewährt, den Boden ausgewcichl, die Straßen und Wege fast unpassirbar gemacht, der Nebel durchfeuchtete, selbst wenn der biegen eine Zeitlang allshörte, die Luft, und dann und wann strich ein kalter schauriger Wind, der immer neue Regenj wollen und sich zusammenbaUence Nebel herbeiführte. Sie i können sich die Beschwerden und Strapazen denken, welche wir < armen Soldaten unter diesen Umständen zu ertragen hatten, in- ■ dem wir langsam vorrückten. Unsere Kleidung war durchnäßt,

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