Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1873)
- Date
- 1873-08-19
- Page
- Seite 552 (sequence 6)
- Language
- German
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552 ir'iunerwährende träte Hingebung des Inden an Kaiser und Reich, wie er mit Liebe dem Lande und dessen Sprache und Sitten sich anschließen möchte, und dennoch von den niedrigsten kaiserlichen Beamten beschimpft und verstoßen wird, ja wie er sein Gut und Blut, mit Militärpflicht und Steuern noch mehr als der geborene Russe belastet, für Kaiser und Reich opfert, und dennoch an Recht und Freiheit auch nicht die Hälfte besitzt, wie der geringste russische Bauer, — faßt man diese Extreme in der „jüdischen Frage" zusammen, so drängt sich von selbst die Frage ans' Lebt denn wirklich jene Pevölkerung von drei Millionen unglücklicher Juden im Reiche Alexanders II.? — Leben denn wirklich jene, unter die Füße seiner Beamten getretenen Fuder» unter demselben Kaiser, welcher einer siebenfach zahlreicheren Menschenmenge die Freiheit verlieh, welcher noch gestern das Blut seiner Soldaten nicht schonte, tun das Banner der persönlichen Freiheit in Ehiva anfzupflanzen, welcher seinem ganzen Lande stecht und Gerechtigkeit verschaffte, und welcher alle Ilnterthanen seines gesammten unermeßlichen Reiches glücklich und befriedigt wissen will?. — y. Literarischer Wochenbericht. Vom Rheine, l. August, 8. Pinoto, Tables de Logaritlimes Vulgaircs a dix dccimales, appronvecs par rAcademie Imperiale des .Sciences de S. Petersbonrg; 8. Petersbourg, Imprimeriede l’Acaddmie, 1871. Die Logarithmentafeln sind nothwendig nicht nur für den Mathematiker und Astronomen, sondern auch für eine Menge Zweige der praktischen Beschäftigung; zumal der Banquier und der Finanzmann im Allgemeinen kann ihrer nicht entrathen. Die gewöhnlichen Logarithmentafeln zu sieben Stellen sind für eine Menge Berechnungen unzureichend, für welche nur zehnstellige Logarithmen genügen. Die betreffenden ausführlichen Tafeln von Bega sind sehr selten geworden und übermäßig theuer: während mehrere neuere Tafeln zwar die Weise angeben, aus siebenstelligen Logarithmen die betreffenden zehnstelligen zu entwickeln, aber nur in verwickelten »ind schwierigen Processen. Herrn Piueto, einem russischen Glaubensgenossen, ist es gelungen, vermittelst scharfsinniger neuer Einrichtungen Tafeln von geringem Umfange herrustellen, aus denen man in höchst einfacher und leichter Weise die zehnstelligen Logarithmen entwickeln kann. Die Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg, welcher ihre Mitglieder V. Bnniakowsky und Somow das Werk des Herrn Pineto empfahlen, hat die Kosten der Herausgabe desselben zum größten Theile getragen, ein Beweis für dessen Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit. Dieses Werk ist übrigens auch in das Hebräische übersetzt worden von H. Rabino witz, welcher demselben eine praktische und leicht verständliche Abhandlung über das Wesen und die Bedentuug der Potenzen, Wurzeln und Logarithn»en unter dem Titel z'-'^ycr, 'cm; 'o voransgesandt hat. Dieses hebräische Werk des Herrn 'Rabinowitz ist übrigens schon 187 l bei Zederbaum und Goldenblnm erschienen. otoeih iuq.Mi (xcßsactateii. Dcittschlmid. Leipzig, in» August. Boi Gelegenheit der in diesen Tagen hier abgehaltenen össentlichen juristischen Prüfung gab einer der Examinatoren, Herr Professor Dr. Friedberg, ein beachtenswerlhes Votum über die rechtliche Stellung der Juden, und insbesondere der jüdischen Richter im deutschen Reiche ab. Herr Professor Friedberg erklärt, wie er es gesetzlich als gar nicht zweifelhaft halte, daß ein jüdischer Stichler die Berechtigung haben müsse, den Ehrislen Eide abzunehmen, da diese Berechtigung lediglich in der Richtergualisication ruhe. Bekanntlich wurde noch ror etwa Jahresfrist einem am hiesigen Bezirksgerichte angestellten israelitischen Referendar von» königlichen Justizministerium in Dresden das genannte Recht abgesprochen, weshalb der betressende Beamte aus dem sächsischen Staatsdienste schied. Bonn, l". August. tPrivatmillh.) Bon mehreren Seiten wurde die Frage an uns gerichtet, 'warum wir diesmal nicht wie bei früheren Veranlassungen die au das Ministerium betreffs des beabsichtigten Gesetzes gerichtete Petition an die Geuteinden des Staates versandt und ihre Zustimmung nachgesucht haben. Ter Grund war, weil »vir in der schwebenden Angelegenheit, die nicht die bürgerliche Gleichstellung unserer Glaubensgenossen, sondern ein inneres Moment betrifft, Jede»»» die Freiheit der Actiou lassen und keinerlei Einslus; üben wollten. Durch die Veröffentlichung derselben haben »vir Jedermann frei gestellt, sich ihr anzuschließen oder sich davon anzueignen, »vas ihm beliebt. Andererseits-hat der Vorstand der Berliner Gemeiitde angezeigt, daß er den Gemeinden ein desfallsiges Elaborat mittheilen werte. Göttingen, im August. Auch hier Hai ein Israelit, der bis jetzt außerordentliche Professor in der juristischen Facultät I>r. Ferdinand Frenöd o r ss, die Beförderung zmu ordentlichen Professor erhalten. Leer, 7. August. lPrivatmitth.) Herr Dr. Buchholz, von etwa vier Vorstehern zum Landrabbiner der 27 Gemeinden deS Bezirks gewählt, hat die Anna'hme der Wahl abgelehnt, »veil er inne ge»vorden, daß das hannoversche Landrabbinat, wie cs keinen Boden im Judenthume, so auch keinen Stützpunkt mehr in den..erwähnten Gemeinden hat, und »veil es ihm dein» doch zu monströs erschien, sich fast allen Geuteinden octroyiren zu lasse»»,