Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1873)
- Date
- 1873-08-12
- Page
- Seite 541 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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541 gleich, ja, ich könnte sagen, daß ich denjenigen, welche nicht zur muselmännischen Religion gehören, noch mehr Aufmerksamkeit widme. Die Juden werden ebenso gut behandelt, wie alle meine anderen Unterthanen. Alles, was man Ihnen gesagt, ist falsch. Ich bestätige dies noch einmal." „Sire," fuhr der jRedner sehr bewegt fort, „Ihre königlichen Worte gehen bis auf den Grund unserer Herzen. Ja, Sie sind ebenso der Beschützer von vierziglausend persischen Juden, wie von Millionen von Unrerthanen anderer Cnlte, welche Ihr Reich bevölkern. Für uns ist es eine große Freude, dies von Ihnen sagen zu hören. Für sie wird es eine große Freude sein, diese feierliche Erklärung ihres Herrschers von uns zu> erfahren." Der Schah sagt, indem er mit der Hand auf den Großvezier zeigt, auf französisch: „Dies ist der Großvezier, der den Sckutz der Juden zu seiner persönlichen Angelegenheit macht; er ist ein Freund der Juden, um.den die Muselmänner sie beneiden." Der Großvezier verbeugt sich lächelnd. Ter Schah sagt: „Wie viele Juden giebl es in Frankreich?" „Sire, hunderttausend bis hundertzivanzigtaufenv." „In England?" — „Etwas weniger." „In den anderen europäischen Staaten?" Herr Albert Cohn, Mitglied des Centralcomites, erwidert: „Sire, in Deutschland fünf Hunderttausend; in den österreichischen Staaten ^eine Million zwei Hunderttausend; in ganz Rußland zwei Millionen vier Hunderttausend." Er fügt hinzu: „Sire, ries ist der Großrabbiner des Centralconsistoriums, dies der Großrabbiner des Consistoriums zu Paris." Die beiden Großrabbiner, die ihr Ornat angelegt, begrüßen den Schah, und der Herr Großrabbiner des Consistoriums sagt: „Ja, Sire, wir bitten Gott, daß er Ew. Majestät lange und glückliche Jahre gewähre, und daß er Ihr Reich nach dem Worte der Schrift ebenso glänzend wie die Sonne mache." Der Schah sagt einige Worte an Se. Excellenz Maleolm Khan: „Se. Majestät spricht Ihnen ihren Tank aus." Herr CrsmieuL fährt fort: „Und wird mir nun Ew. Majestät eine Bitte gestatten? Eine günstige Antwort würde von uns mit Freuden empfangen werden." Der Schah macht eine zustimmende Bewegung, indem er Sr. Excellenz einige Worte sagt, welcher Herrn Cremieux erwiedert: „Sprechen Sie, Se. Majestät hört Ihnen zu." „Sire, die Alliance israclite will, daß Ihre jüdischen Unterthanen die Pflichten wohl verstehen, welche sie gegen ihr Vaterland, gegen ihren König erfüllen müssen. Man muß ihnen, von der Kindheit an, die Wohlthaten des Unterrichts angedeihen lasten. Wir haben die Absicht, an verschiedenen' Punkten.Ihres Reiches, wie wir es in einer großen Zahl wichtiger Städte im Oriente gethan, Schulen zu gründen, welche von Lehrern unserer Wahl geleitet werden. Würde dieser Gedanke Ihre Billigung finden?" „Ja", erwievert der Schah in französischer Sprache, „ich werde Ihre Schulen beschützen. Herr Cremieux, fetze» Sie sich nut dem Großvezier in Einvernehmen, ich gebe meine Bewilligung." „Sire, diese Worte, welche in allen jüdischen Bevölkerungen wiederhallen werden, werden mir einem lebhaften Gefühle der Sympathie von der ganzen civilisirten Welt ausgenommen werden." Indem Herr Cremieux diese Worte sagt, grüßt er den Schah und will sich zurückziehen. Der Schah sagt in persischer Sprache folgende Worre, welche der Minister französisch wiederholt: „Ich bin mit Ihrem Besuche zufrieden. Sic rönnen über das Schicksal Ihrer persischen Glaubensgenossen beruhigt sein. Sie selbst werden übrigens gewiß Ihnen schreiben, daß sie keine Ursache zur Klage gehabt haben." Und sich an Herrn Cremieux wendend, sagt der Sckab auf französisch: „Setzen Sie sich mit meinem Großvezier wegen Ihrer Schulen in Verbindung." So endigte diese glücklicke Audienz. Z cu i l Eine Kriegslcene und ihre Folgen. Erzählt von L Sehr. I. Eine befreundete Familie in rer Pfalz halte mich im vorigen Herbste eingeladen, die Traubenkur, die mir verordnet worden, in ihrem Hause zu gebrauchen. Das Städtchen lag etwas fern von der Eisenbahn, und ich mußte diese auf einer Zwischenstation verkästen. Es war bereits Nachmittag, als ich diese Station erreichte, und ick konnte daher spät Abends nur f e t o u. bis zu der Stadt 9!. gelangen, von wo mich am andern Tage ein Wagen durch die Fahrt einiger Stunden zum Endziel meiner Reise bringen konnte. Das Wirthshaus, in welchem ich über, nachtete,- entsprach zwar den Ansprüchen an ein modernes H.'nel durchaus nickt, war aber nach guter altvaterischer Sille sehr behaglich eingericktel, und man befand sich daselbst in allen Stücken bestens bedient. Als ick am andern Morgen den Kopf zum Fenster binaussteckte, blickten -mich von allen Seiten die von der Sonne be- 33*