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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-08-12 · Heft 33 (12.8.1873) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 33 (12.8.1873)
Date
1873-08-12
Page
Seite 540 (sequence 10)
Language
German
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540 selbst innnerhalb der extremsten Parteien nach rechts wie nach links. Dazu lebt doch selbst in dem enragirtesten Chassid, wie in dem vorgeschrittensten Radicalen zu tiefes jüdisches Gefübl, das Bewußtsein der Zufamnrengehörigkeit aller Inden als Bekenner eines Glaubens. Es ist begreiflich, daß auch in Rußland in allen jüdischen Kreisen mit gespanntester Aufmerksamkeit und nicht ohne lebhafte Besorgniß auf die Entwickelung der jüdisch-kirchlichen Verhältnisse in Preußen geblickt wird. Denn wenn dort der Staat den von blinder Parteileidenschaft geleiteten Agitationen der kleinen ultraorthodoxen Häuflein Rechnung tragen, die Einheit der jüdischen Gemeinden aufheben sollte, so würde dies unzweifelhaft allüberall auch in anderen europäischen Ländern das Signal sein, in die jüdischen Gemeinden Zwiespalt und Anarchie, die Keime der Auslösung und des Nihilismus hineinzutragen. Daß dadurch dem Cultur- und religiösen Leben der Juden tiefe, unheilbare Wunden geschlagen, das Zuventhum selbst in eine Richtung gedrängt werden wirb, die weder demselben zur Ehre, noch der Gesellschaft zum Bortheil gereichen dürfte, liegt auf der Hand. Ter Staat aber hat ein sehr bedeutendes Interesse daran, daß das sittlich-religiöse Leben seiner Angehörigen jedes Glaubens gepflegt und geschützt, und nicht der nothwenvigen Grundlagen beraubt, einem andauernden Kampfe und einer fortwährenden Unsicherheit preisgegeben werde. Möge es daher Ihren beredten Worten und unermüdlichen Bestrebungen, sowie denen Ihrer Gesinnungsgenossen in Deutschland gelingen, daß das jüdische Gemeinde- und Culturleben ungefährdet aus den Kämpfen der Gegenwart hervorgehe! Möge die sprichwörtliche Besonnenheit und Weisheit der preußischen Staatsgesetzgebung sich auch darin bewähren, daß sie, entgegen den verbrecherischen Absichten und Agitationen einiger Ultra's, den thatsächlichen Verhältnissen und Bedürfnissen der Synagogengemeinden Rechnung trage. Correspondenz. Paris, 1. August. Eine Audienz bei dem Schah von Persien.*). Am 12. Juli 1S73 versammelte sich, der ergangenen Einladung gemäß, das Eentralcomite der Allianz israölite universelle, ^stinkt ein Uhr in.dem Hotel des Präsidenten der Deputirtenkammer, in diesem Augenblicke dem Palais Sr. Majestät des Schah's. Se. Excellenz Mirza Malcolm Khan, Minister des Auswärtigen, geleitete das Eomite in den Empfangssaal vor Se. Majestät. Neben dem Schah stand Se. Hoheit Mirza HoussÄn Khan, der Großvezier. In dem Augenblicke, wo Herr Er^mieux, der Präsident der *) Nach drn Arch. itzr. Alliance, das Wort ergreifen wollte, reichte ihm Se. Majestät, die ihn wiedererkannte, freundlich die Hand. Herr Ersmieux sagte: „Sire, die Allianee isra&ite universelle, durch ihr Eentralcomitä vertreten, empfindet lebhaft die. Ehre, welche Sie ihr erweisen, indem Sie ihr diese hochgeschätzte Audienz ertheilen. Sire, alle Juden, selbst die weniger gebildeten, kennen die Geschichte ihrer Vorfahren. Wir und alle persischen Juden wissen, daß unter den Völkern, mit welchen ihre Geschichte sie zusammenführte, es das persische Volk war, welches voll großmüthiger Sympathie die Juden nach dem ihnen theuern Palästina zurückführte, unter dem Schutze des unsterblichen Eyrus, der sich stets als ihr lreuer Beschützer erwies, nachdem er ihr Befreier gewesen." Se. Excellenz Malcolm Khan trug nun diese Worte auf persisch vor; der Schah nickte lächelnd mit dem Kopfe, und Malcolm Khan sagte: „Ich werde getreulich all' Ihre Worte übersetzen, damit Sr. Majestät reines verloren gehe. Bitte, fahren 'Sie fort." „Und was sie alle wissen," begann Herr Erenneux wieder, „ist, daß in den Büchern der Propheten unter allen Königen der Erde, Eyrus mit dem Titel des Messias genannt wird; daß auf einer der Thüren des heiligen Tempels zu Jerusalem eine Zeichnung mit großer Pracht eine Stadt darstellte, und diese Stadt war Susa, damalige Hauptstadt Persiens." Der Schah hörte mit sichtbarer Aufmerksamkeit zu. Ter Minister des Auswärtigen übermittelte folgende Worte des Fürsten: „Se. Majestät ist sehr angeregt von der historischen Erinnerung, welche Sie in so ergreifenden Worten zurückrufen." „Sire," fährt der Redner fort, „vierziglausend Juden leben unter Ihrem kaiserlichen Scepler. Lassen Sic mich Ihnen sagen, daß sie mit dem Namen Eyrus den Namen Nasser-Eddin vereinigen, lassen Sie mich Ihnen sagen, daß dieses religiöse Gefühl das sicherste Pfand der absoluten Ergebung der persischen Juden für ihren König ist." Der Schah wendet sich an Malcolm Khan, der seine Worte folgendermaßen wiederholt: „Se. Majestät schätzt alle Ihre Worte sehr und ist tief von ihnen bewegt." „Und dennoch, Sire," fährt Herr Eremieiix fort, „gelangten aus dem persischen Reiche die betrübendsten Berichte über den Druck, welcher in Ihren Staaten aus den Juden lastet, zu uns. (Nein, nein! ruft rer Schah.) Sire, wir konnten nicht daran glauben. Und mit welcker Freude vernahmen wir aus den verschiedenen Ländern, welche Sie durchreisten, das Echo Ihrer edlen, energischen Worte, welche Ihre Majestät reu Beschuldigungen entgegensetzten, welche Sie für Lügen erklärten." Ter Schah wendet sich sehr lebhaft an seinen Minister, der seine Worte folgendermaßen überträgt: „Diese Beschuldigungen sind falsch; ich beschütze alle meine Untcrchanen ganz

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