Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1873)
- Date
- 1873-07-29
- Page
- Seite 507 (sequence 11)
- Language
- German
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507 Bringet sich K‘t ihnen sehr einzuschmeicheln und ihre Gunst zu gewinnen wußte, so erlangte sie — obgleich sie weder lesen noch schreiben kann -- bald mehr Autorität über sic als Later und Mutter. ' Doch dies ganze Verfahren scheint sorgfältig vorher überlegt zu sein. Es war nur ein fein angelegter Plan, um die .minder zu bekehren. Ein Knabe von zehn Jahren wurde so lange überredet, bis er zngab, das; er zu dem jetzt verstorbenen Later Brown gebracht und von diesem getauft wurde. ^Natürlich geschah dies Alles ohne Kenntnis; und Einwilligung der Aeltern; ja, dem Knaben ward sogar ausdrücklich verbeten, irgend Jemandem Elwas davon zu sagen, so ras; seine Aeltern nicht die leiseste Ahnung von dem hatten, was in dem Herzen und Geiste ihres indes vorging, während ihm gelehrt wurde, aus sie als zu ewiger Lerdainnmiß Leuirtheilte zu blicken. Es wurde ihm befohlen, Dies sorgfältig vor seinen Aeltern;>l verbergen, und natürlich war er dadurch gezwungen, seine Zuflucht \\\ fortwährender Vüge, Verstellung und Heuchelei zu nehmen. Zu Hause war er Iure und ging mit seinen Aeltern zur Synagoge; an den Sonntagen ging er heimlich zur Kirche, befolgte alle kathusischen Vorschriften, und genoß den Segen (?) der Beichte, in welcher er von allen jenen Sünden absolvirt wurde, die ans seinem jungen Gewissen lasteten. So ging cs vier Jahre. Vor einer Woche sollte er als Jude consirmirt werden. '.Kim regte sich rech sein Gewissen. Er wagte es nicht, sich einem Altäre zu nähern, den verlassen zu haben er sich bewußt war. Wie sollte er Dem entgehen? Erstellte sich krank und unfähig, ans seinen Füßen zu stehen. Der Arzt wurde gernfeit, und obgleich er keinerlei Krankheitssymptome erkennen konnte, so stimmte er der Familie bei, ihn inr Bette zu lassen. Doch schöpfte man Argwohn. Von atiderer Seite hatte sich das Gerücht verbreitet, der Knabe wäre in den Schoß der katholischen Kirche geführt worden, mid so wurde er von seinen Aelterrt streng überwacht. Sic beschlossen, ihn den nächsten Sabbath consirmiren zu lasten, und anscheinend war er sehr erfreut, daß dieser feierliche Act au ihm vollzogen werden sollte. Als Neeonvaleöeeut muh'te er zu Hanfe bleiben, doch gegen Abend stahl er sich hinweg und eilte zu besagter Bridget, um ihren Nath einzuholen. Dort wurde er alstgefnnden und, hart bedrängt, gestand er Alles. Folgendes (Gespräch zwischen dem Berichterstatter Dieses und dem A naben, wird eine Vorstellung von dem Geiste des Kindes geben. . Ich. Glaubest Du religiös zu fein? Knabe. Ja. I. Ist es religiös zu lügen? K. Nein. I. Ist es religiös zu betrügen? K. Nein. I. Ist es religiös, sich zu verstellen? K. Nein. I. Zogest Du vor Deinen Aeltern? K. Manchmal. I. Betrogest Du Deine Aeltern? K. Manchmal. 3. Verstelltest Du Dich? K. Manchmal. I. Und Dli glaubest religiös zu sein? K. Ich ging zur Beichte, sagte dem Priester Alles, und ich wurde absolvirt und mir vergeben. Z. Sagtest Du dem Priester, daß Deine Aeltern Nichts von Deiner Bekehrung wüßten, daß Du sie betrügen müßtest? K. Ja. Natürlich haben die Aeltern nun ihr .Kitid außerhalb des Bereiches dieser Proselytenmacher gebracht. Aber denken Sie, wenn dies nicht in unserem Nuite, sondern in dem früheren Italien sich ereignet hätte, kann wäre der Knabe in ein Kloster gebracht, und alle Proteste der Aeltern, sowie der ganzen Welt wären mit einem ,.no» iiossuums“ beantwortet worden. Wenn ein Mann in Ihr Hans kommt und Ihren Neck stiehlt, so lassen Sie ihn arretiren und in's Gesängniß bringen. Aber hier tritt ein Mädchen mit Priestern als ihren Helfershelfern in ein Hans, gewinnt die arglosen Aeltern, und stiehlt unter dem Anscheine der selbstlosen Freundschaft daö Herz, die?iebe und Zuneigung Ihres Kindes. Man hat scharfen Verdacht, daß ein kleines Märchen von ungefähr sieben Jahren, das jetzt todt ist, auch in der katholischen Kirche gelaust wurde. Soll Dies geduldet werden? Soll solches Verfahren nicht dem Unwillen des Publicnms Preis gegeben werden? Aber die Moral von allen Diesem ist: lassen Sie Dies eine Mahnung fein allen Aeltern, welche ihre Kinder lieben und nicht wünschen, sie sich entfremdet zu sehen, sehr sorgfältig zu prüfen, wem sie ihre Kinder anvertrauen. Denn der Grundsatz, wie es scheint, ist neck, derselbe: der Zweck heiliget die Mittel; Alles ist erlaubt in. nnijmem I>ci g’lomin. Albany, den 0. Juni. Di-. M. Schlesinger. Ter Vater, dessen Name hier gleichgültig ist, ein Zahnarzt, hat den Knaben nach Newyork in eine jütische Erziehungsanstalt gebracht, wo ein guter Religionsunterricht ihm die rechten religiösen Vorstellungen wohl bald beibringen wird. L. S. ü. :n*