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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-29 · Heft 31 (29.7.1873) · p. Seite 506

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 31 (29.7.1873)
Date
1873-07-29
Page
Seite 506 (sequence 10)
Language
German
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506 fahrt Ihrer Untertanen ohne Unterschied des Standes oder Glaubens erwiesen, und Sie will Bedacht nehmen, daß keine Ungerechtigkeit oder unverdiente Strenge an der jüdischen Gemeinde geübt werde, von welcher Sie mit Recht sagen, daß sie loyale, friedliche und betriebsame Bürger sind. Ihre Majestät dankt Ihnen für die guten Wünsche, die Sie betreffs Ihrer ausgesprochen haben. An Sir Moses Montefiore, Malcom. Baronct, Präsident ff. Wir wünschen aufrichtig, daß die Hoffnung, die Herr Dr. Löwe an diese Antwort des Großvezirs knüpft, in Erfüllung gehe. Ergänzend fügen wir hinzu, daß auch in Brüssel bei dem Aufenthalte des Schah's daselbst eine Petition zu Gunsten der persischen Israeliten durch Vermittelung des dortigen Ministers res Auswärtigen, überreicht wurde. Außer der gedachten Denkschrift überreichte in London die Angle-Iewish Association eine Adresse, auf welche eine ähnliche Antwort erfolgte, wie die oben mitgetheilte. lieber daö, was in Paris geschehen ist, haben wir bereits kurz berichtet. Der Baron Gustav von Rothschild hatte eine Privataudienz bei dem Schah und erbat besonders, daß die Juden ihre Steuern unmittelbar in die Hände des Gouvernements zu zahlen haben, und für Streitigkeiten zwischen Muselmännern und Juden gemischte Gerichtshöfe errichtet werden mögen. Der Schah äußerte, daß er nach seiner Rückkehr diese Fragen untersuchen lassen werde. — Außerdem sandte die Alliance eine Deputation, Herrn Crömieux an der Spitze, an den Großvezir und dann an den Schah selbst. Herr Cr<-micux-hielt eine ausführliche Rede. Wir werden hierüber wohl noch weiter , zu berichten Veranlassung haben. Wie die Iewish World meldet, empfing der Oberrabbiner von London durch Vermittelung einer Persönlichkeit aus dem Gefolge des Schah's einen Brief von den Israeliten Persiens, in welchem sic ihren Dank für die Geldhülfc aussprechen, die ihnen während der Hungersnot!) zngesandt worden sei, und die Vielen das Leben gerettet habe. Dieser Brief sagt auch, daß der gegenwärtige Schah der ruldsaniste und wohlwollendste Herrscher sei, der über Persien regiert habe, und daß die Verfolgungen, denen die Israeliten in diesem Lande noch unterworfen sind, durchaus nicht diesem Monarchen, sondern dem muhammedanischen Fanatismus zuzuschreiben seien, von welchem die Bevölkerung beherrscht werde. Wir unterschätzen diese Bemühungen unserer Glaubensgenossen zu Berlin, Brüssel, London und Paris, denen sich auch gewiß ähnliche zu Wien anschließen werden, durchaus nicht, wenn wir auch deren Wirkungen nur als mittelbare vorausschen können. Wir haben es genugsam erlebt, daß selbst die guten Absichten der orientalischen Despoten auf die Dauer Nichts helfen, thcilö weil sie nur vorübergehend sind, meist nicht einmal ernstlich gemeint sind, theils weil es vielmehr auf die Beamten ankvmmt, wie weit sie irgend welche Ausführung erlangen. Alles kommt vielmehr darauf an, vb ein orientalischer Staat näher in den Kreis der Eivilifation gezogen wird oder nicht. Im elfteren Falle, wenn die Bevölkerung desselben aus Muselmännern, Christen und Inden gemischt besteht, kommen die Von Heike, welche den Christen eingeräumt werden, auch den Juden zu Gute, weil die muselmännische Regierung kann in den Juden ein Gegengewicht gegen die Christen erblickt. Auf solche'Weise ist es in der Türkei seit 1810 vor sich gegangen. Es fragt sich nun, ob Persien ebenfalls in die Reihen dieser Staaten eintreten werte. Hierüber hegen wir gewichtige Zweifel, weil dieses Land bereits zu rief gesunken, die Bevölkerung zu sehr verkommen, und die Verwaltung zu entartet ist. Es würde ein mäckuiges Genie und eine gewaltige Energie erfordern, um aus diesen Zuständen herauszukommen, wobei nicht außer Acht zu lassen ist, daß selbst ein so begabter Herrscher auf eine mächtige Opposition stoßen würde. Wo die Zustände so verrottet sind, da kann wenig gebessert werden, denn aus völlig faulem Holze vermag selbst die Hand des größten Meisters Nichts zu schnitzen. Bei der Türkei liegen die Tinge doch anders. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe und der stärksten Verbindung mit den europäischen Staaten und der europäischen Industrie; die christliche Bevölkerung daselbst ist eine sehr starke, .und auch die Zahl der daselbst wohnhaften Juden so groß, daß die der persischen Juden nicht damit verglichen werden kann, die muselmännische Bevölkerung hat daher in der Türkei lange nicht ein so totales Uebergewicht wie in Persien. Deshalb, weil nufere Hoffnungen für die Civilisirung Persiens durchaus schwach sind, vermögen wir auch keine stärkeren für unsere persischen Glaubensgenossen zu hegen. America. Albany, 1". Juni. lPrivattnitth.) . Ich übersende Ihnen anbei die Albany Daily Evening Times vom Juni, in welchen Sie ein Schreiben des Predigers der hiesigen Gemeinde Ansche Emeth an den Herausgeber finden, das einen interessanten Vorfall beschreibt, und merkwürdiger Weise von den anderen hier erscheinenden Blättern zu veröffentlichen abgelehnt wurde! Sie sehen aus dem Schreiben, daß diese Leute überall sich gleich bleiben, überall gleich agiren, in Rom, Cairo oder Albany -- nur, daß ihnen hier zu Lande jede wirkliche Macht fehlt. Daß übrigens ein solcher Vorfall möglich ist, kommt daher, weil die Aeltern sich zu wenig um die Erziehung, namentlich um die religiöse Erziehung ihrer Kinder .bekümmern. DaS Schreiben lautet: Mein Herr! Vor fünf Jahren trat ein katholisches Mädchen in einem jüdischen Hause in den Dienst. Sie erwarb sich bald daS Vertrauen, und wurde wie zur Familie gehörig behandelt. Tie Kinder wurden ihrer Aufsicht anvertraut, und da

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