Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1873)
- Date
- 1873-07-29
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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505 Brody, Drohobycz, Tarnopol und Kolomea. Bis zum ersten August werden sich auch noch andere Wahlcomite's constituiren. Pest, 16. Juli. In den hiesigen maßgebenden Kreisen macht jetzt die Anstellung Eduard Horns, des Mitgliedes des Abgeordnetenhauses (linkes Centrum) als Professors der politischen Wissenschaften an der hiesigen Universität Viel von sich reden. Obgleich derselbe Jude, früher sogar Prediger einer Neformgemeinde, freilich einer kleinen extremen; wenn wir nicht irren auch Feldprediger bei den Honved war, bekennt er sich doch jetzt als confessionsloS, und gerade diese Cousessionslosigkeit wollen die Klericalen als Motiv gegen seine Anstellung an der bis jetzt ganz und streng katholischen Universität geltend machen. Die juristische Facultät und der Unterrichtsminister sind für Horn, da die Confessionslosigkeit mit den politischen Wissenschaften Nichts zu thun habe. Auf die Entscheidung ist man gespannt. Lemberg, 16. Juli. Dr. Hönigsmann wurde Seitens verfasiungStreuer kolomea er Bürger zur Annahme der ReichsrathScandidatur aufgefordert. Seine Wahl erscheint in Kolomea gesichert. Lemberg, 17. Juli. In der gestrigen Sitzung des hiesigen polnischen Eentralcomitö's wurde folgender Antrag Dr. Kabats angenommen: Das Eentralcomito der Juden sei über die Tendenz des von chm letzthin beschlossenen Wahlaufrufes zu befragen, und falls die Aufklärungen befriedigend ansfallen, seien mit demselben Compromißverhandlungen sofort einzuleiten. Lemberg, 17. Juli. Seit gestern sinven hier zwischen dem Obmanne des israelitischen Ccntralwahlcomitö's, Dr. Julius Kolischer, und den Mitgliedern des hiesigen Polenwahlcomilö's Dr. Madejski und Krbat Berathungen in Angelegenheit der projectirten Verständigung beider Wahlcomitös statt. Frankreich. Paris, 15. Juli. tNach den Arch. isr.) Man fürchtet für de» Bestand des Tccretes, durch welches die eingeborenen Israeliten Algeriens naturalisirt worden sind. Tic Majorität der jetzigen Nationalversammlung in ihrem klericalen Furor ist ihm abgeneigt; doch sind die Vcrtheidiger desselben mit so vielen Daten über die Moralität und Criminalirar, die Fortschritte in Schule und Industrie u. s. w. betreffs unserer Glaubensgenossen in Algerien ausgerüstet, daß sie bei den Debatten nicht ohne Einwirkung bleiben können. — In Mostaganem hat ein Rencontre zwischen einigen ruhig promcnirenden Juden und Officicren stattgefundcn. Die Sache ist aber nicht von Bedeutung und wird schließlich Nichts als ein regelmäßiger Jnjurienproceß. — Die Absicht, Ende August in Wien eine Generalversammlung der Alliance abzuhalten, ist aufgegeben worden, wie man sagt. wegen der sinanciellen Krise in Wien (?,. — Die Arch. melden, daß Herr Franck, Sohn des Profeffors Franck, Generalsecretär der Präfectur der Zonne, zum Unterpräsccten deS Bezirks von Verviens (Aisne» ernannt worden ist, und legt großes Gewicht darauf, als ein Beweis, daß das gegenwärtige Regime in Frankreich doch nicht gesonnen fei, die Juden von den StaatSänitern auszuschließen. Wir acceptiren dies sehr gern, müssen aber bemerken, daß die Arch. selbst, den mehrfachen Entlassungen höherer Beamten jüdischer Religion gegenüber, sich in - solchem Sinne ausgesprochen haben. Herr Vallabröguc von EarpeulraS, aggregirt bei der Rcchtsfacultät, ist mit den Vorlesungen über Civil- und Strafrecht bei der Rechtsfaeultät von Grenoble beauftragt worden. Herr Eomond Eahen, Capitän im neunimoneunzigsten Linienrcgimcnte, ist zum Bataillonschef im achtunoneunzigsten ernannt worden. Rußland. Kiew, im Juli. lieber die bereits gemeldete Ausweisung vieler Juden auö Kiew schreibt man der „Ostseeztg.": „In der „heiligen" Stadt Kiew waren außerhalb des Judenviertels im Ganzen 2950 Juden ansässig, darunter 79 Kausleute erster Gilde und 80 Studenten; die übrigen waren Händler und Handwerker. Nur l 50 Inden erhielten die Erlaubnis;, in bestimmten Stadttheilen ihren Wohnsitz zu nehmen.; 190 wurden per Transport weggeschafft; 900 erhielten den Beseht, die Stadt und. ihr Weichbild zu verlassen, und 29 7<» warteten diesen Befehl nicht erst ab, sondern entfernten sich freiwillig." Persien. Bonn, 17. Juli. (Privatmitth.) Wir erhalten folgende Zuschrift: London, iT. Juli. Ich mache mir das Vergnügen Ihnen die Abschrift eines Briefes zukommen zu lassen, welchen Mirsa Malcem Chan, im Namen Seiner Majestät des Königs von Persien, als Erwiederung auf die Eingabe des Board of Deputies of thc British Jews, au Sir MoscS Mentesiore gerichtet hat, und hege cie Hoffnung, daß wir nun eine bessere Zukunft für unsere Brüder in Persien erwarten dürfen. Dr. L. Loewe. Die Antwort deS Schah'S lautet wie folgt: Buckingham-Palast, 5. Juli 1S79. Se. Majestät der Schah hat mir befohlen, den Empfang Ihrer Denkschrift anzuzeigen, welche darum bitter, daß Gunst und Schutz allgemein aus die Juden in Persien ausgedehnt werde. Se. Majestät hat zu aller Zeit die Serge für die Wohl- 31