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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-29 · Heft 31 (29.7.1873) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 31 (29.7.1873)
Date
1873-07-29
Page
Seite 504 (sequence 8)
Language
German
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504 ISO) Ausschluß der Subventionirung einer jüdischen Schule aus Staatsfonds und Aufnahme der jüdischen Kinder in die christliche Schule. Berlin, den r>. Mai IST3. Zn Erwiederung auf die Berichte vorn 25. März und 21. Februar c. trete ich der königlichen Regierung dahin bei, daß, wenn die Kräfte der jüdischen Hausväter in 9?. zur Unterhaltung eines eigenen Schulsyftemes nicht ansreichen, beziehungsweise ein jüdischer Lehrer für dasselbe unter den obwaltenden Verhältnissen nicht zu gewinnen ist, auf die Schließung der vorhandenen jüdischen Schule wird Bedacht zu nehmen sein/ da eine Subventionirung zur angemessenen Besoldung des Lehrers an derselben aus Staatsfonds dem in $ 01. 07. des Gesetzes vom 2.'i. Juki 1817 ausgesprochenen Principe gemäß der Regel nach nicht stattfinden kann. An diese Maßnahme aber knüpft sich im Hinblicke auf die $ 00. 00. 1. c. beziehungsweise § 10. II. 12. allgemeinen Landrechtes als nothwendige Folge die Ausnahme, der jüdischen Kinder in die vorhandenen christlichen Schulen, d. h., wie ich bereits in der Verfügung vom 11. März c. angedeutet habe, die Rückkehr in das, die gesetzliche Regel bildende Verhältnis;, welches vor der Errichtung der jüdischen Schule bestanden haben wird. Der Minister der geistlichen :c. Angelegenheiten. ' Zm Austrage: Greifs. Okstreich'isch-iliigarischt' Monarchie. Aus Galizien, 17. Juli. Wir haben bereits kurz über die Spaltung berichtet, welche unter den Juden Galiziens, nämlich zwischen Lemberg und Krakau hinsichtlich der Selbstständigkeit bei den bevorstehenden directen Wahlen für den Reichsralh oder der Anlehnung an die Polen, so weit dies verfassungstreuen Männern möglich wäre, ausgebrochen ist. Das Nähere schildert ein Schreiben aus Krakau an die „N. fr. Pr." vom 10. d.: „Das hiesige Wahleoinitö für die Juden Westgaliziens hat sein Actionsprogramm dem Präsidenten der krakauer israelitischen Cultusgemeinde, I)r. Samelsohn, überreicht. Da Letzterer bekanntlich auch Mitglied des westgalizischen Eentralwahlcomito s ist, so fühlte er sich verpflichtet, dieses Comitck von der Epistenz des gedachten, Seitens der krakauer Israeliten ihm cingehändigten Circulares in Kenntniß zu setzen. L)r. Zhblikiewicz, Präsident des hiesigen Polencomite's, stellte in Folge Dessen das Begehren, daß das jüdische Eomitv eine Versammlung von intelligenten jüdischen Wählern ehcmöglichst einberufen möge zum Zwecke einer Verständigung mit den christlichen Wählern, der anzuwohnen Dr. Zhblikiewicz den Wunsch ausdrückte. Eine solche Versammlung hat denn auch gestern Nachmittags in Zyblitiewicz' Beisein stattgesunden. Den Hanptgegcnstand der Discussion bildete der dieser Tage an den israelitischen Cultusvorstand gelangte Aufruf und Organisationsplan des jüdischen Eentralwahlcomitö's zu Lemberg. Mehrere Redner hoben hervor, daß die lemberger Israeliten durchaus keine Berechtigung (?) hätten, ihr Programm im 9camen sämmtlicher Israeliten Galiziens zu veröffentlichen; daß die Verhältnisse der Juden in Westgalizien — wo ruthenische Einflüsse nicht vorhanden sind — von einem ganz anderen Gesichtspuncte aus, als jene in Ostgalizien, benrtheilt werden müssen. Insbesondere könne bei den zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung in Krakau seit Jahren bestehenden friedlichen Beziehungen ein solcher „separatistischer" Standpunct, wie er im Wahlprogramme der lemberger Juden sich äußert, von den hiesigen Israeliten nicht eingenommen werden aus dem Grunde, weil selbst die krakauer polnische Partei zu den sogenannten „Mäßigen" gehört, und sowohl von föderalistischen als auch resolntionistischen Velleitäten frei ist. Die krakauer Israeliten würden durch ein separatistisches Vorgehen bei den nächsten Wahlen unnöthigerweise eine bedanernswerthe Uneinigkeit Hervorrufen, die nur Judenhaß und Intoleranz — die bisher in Krakau viel weniger grassirten als in Lemberg — aber nicht den geringsten Gewinn für die jüdischen Interessen herbeiführen dürften. Auch Dr. Zhblikiewicz sprach sich in diesem Sinne aus; und nachdem er eine an ihn gestellte Interpellation, ob das westgalizische Eentralwahlcomito, dessen Präsident er ist, mit der Wahl eines jüdischen Reichsrathsabgeordneten aus der Stadt Krakau einverstanden sei, dahin beantwortet hatte, „daß er allerdings vorläufig in dieser Beziehung keine bestimmte Erklärung im Namen des Polencomitö's — wo dieser Gegenstand noch gar nicht besprochen wurde — abgeben könne, dagegen aber persönlich mit aller Kraft für die Herbeiführung eines solchen wünschenswerthen und gerechten Compromisses wirken werde" — beschloß die Versammlung, die Action des krakauer Eentralwahlcomitv's für die Juden Wcstgaliziens auf Grundlage seines bereits mitgetheilten Programmes fortzusetzen, und Seitens des hiesigen israelitischen Eultusvorstandes dem lemberger israelitischen Eentralwahlcomitö aus dessen gedachten Ausruf die Antwort zu crtheilen, daß die krakauer Israeliten anläßlich der directen Reichsrathswahlen allerdings als Reichsfreunde, dabei aber durchaus nicht als Feinde der polnischen christlichen Wähler zum offenbaren Schaden rer Ruhe und Sicherheit der Juden in Galizien zur Urne schreiten werden. Die Zeit wird lehren, ob die gutmüthigen krakauer Israeliten nicht abermals die Gefoppten sein werden." Daß übrigens auch anderswo Juden sich den Polen anschlicßen, ersieht inan daraus, daß in einigen polnischen Wahlcomitös auch Inden figuriren, wie in dem von Stry der Do. Philipp Fruchtmann. Dies macht aber das leurberger Eentralwahlcomitö nicht irre. Seiner Aussorderung gernäß haben sich bis jetzt aus Anregung der betreffenden Gemeindevorstände sechs israelitische ZweigcomitöS gebildet, und zwar in Krakau, Przemysl,

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