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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-07-29 · Heft 31 (29.7.1873) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 31 (29.7.1873)
Date
1873-07-29
Page
Seite 503 (sequence 7)
Language
German
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503 S&ettuucj, Deutschland. München, 17. Juli. lPrivatmitth.» SBcnn rie Juden int Ganzen irgend ein Nachegefühl hegten, so würde dasselbe durch eaS Trauerspiel eine Befriedigung finden, welches sich jetzt hier vor dem Schwurgerichte abspielt, und das freilich der fomischen Zwischenfälle nicht entbehrt. Dies ist aber nicht der Fall, sondern wir beklagen mit allen Menschenfreunden die Verblendnng des Volkes, und die dadurch diesem zngesügten großen Rachtheile. Wir meinen die Verhandlungen über die Adele Spitzeder. Details waren hier nicht am Orte, ra sie in allen Zeitungen zu lesen sind. Nur die Eine nnS betreffende Seite wollen wir hervorheben. Mit der Gründung der spitzederschen oder sogenannten dachaner Bank begann man und setzte ununterbrochen fort die Schmähungen gegen die Juden. Man sagte, diese Ban: sei bestimmt, dem Bolle den Segen und Neichthnm zuzuwenden, dessen sich sonst eie Inten bemächtigen; diese übervortheilten da' Volk, seien die Aussangcr des Volkes,, und was die bekannter Redensarten sind. Dieses ganze Geschrei wurde von der kleriealen Partei erhoben und in den nltramontanen Blättern mii den giftigsten Ausfällen weiter getragen. Was ergiebt sich nun ans den gerichtlichen Beweisacten? Daß diese nltramontanen Blätter sich in der schnödesten Weise bestechen ließen und die Verblendung des Volles beförderten, das saubere Geschäft der Spitzeder ausposaunten trnd dessen?ob in allen Tötten sangen, um eben dieser Bestechung theilhaftig zu werden. Es handelte sich dabei um Summen von respeelive 2r»,<»00, 13,000, 3000 u. s. w. Gulden, welche die einzelnen llredactionen jener Blätter empfingen, worüber die eigen!,rindigen Quittungen mit allen Versprechungen, welche die Redaerenre der Spitzeder gaben, bei den Acren liegen und öffentlich verlesen wurden. So ward es möglich, daß dieses Frauenzimmer die Ersparnisse des Volkes in nicht zwei Jahren zu einer Höhe von weit über zehn Millionen tankten an sich riß und in alle Winde zerstreuete. Dafür war die Spitzeder fromm (!!!) und machte Geistlichen und Kirchen großartige Geschenke. Es liegen zahlreiche Beweise vor, daß Pfarrer ihre Gemeinden ausforcerten all' ihr Geld zu der Spitzeder zu bringen. Bei all' riesen Gelegenheiten wurde auf die Juden losgeschimpst. Es ist, wir müssen es sagen, nicht möglich, daß all' diese Personen bona li<!e gehandelt habe uz denn der gewöhnlichste Metischenversland mußte sich bei den ungehenerlichen Bertheilen, welche die Spitzeder Denen gewährte, die ihr Geld brachten, über! 2<> Procent jährlich, sowie den Provisionen, die sie Denjenigen gab, welche ihr Geldgeschäfte vermittelten, sagen, daß hier der Bestand unmöglich sei, und ein großartiger betrügerischer Schwindel zu Grunde liegen müsse. Dennoch fuhr die ultramontane Partei, als die Staatsregierung ihre Warnung suaeßueßteu. bekannt machte, fort, die Spitzerer zu preisen und die Inden zu schmähen, welche die Regierung 'zu diesen Schritten veranlaßt haben sollten. Ja, als das Gericht aus unabweislichen Gründen einschreiten mußte, nnd sich sofort der bodenlose Abgrund zeigte, in welchem das Geld des Volkes verschwtmden war, hörten die ultramontanen Blätter nicht auf, in derselben 'Weise die Spitzeder zu verthcitigen und sie als ein Qpfer der gegnerischen Ränke zu bezeichnen. Unter solchen Umständen ist es doch allgemeine Pflicht, die gränzentose Entartung, die erschreckende Sittenlosig. keit dieser Partei nnd ihrer Qrgane klar zu bezeichnen, da hier die gemeinste Habgier, der gewissenloseste Mißbrauch des Vertrauens, welches das Volt ihnen schenkt, in den unzweideutigsten Beweisen offen liegt. Wir haben jetzt bereits eine ganze »reihe ähnlicher Unternehmungen zum Unglück Zahlloser aufzuzählen, die in demselben Geiste mit Vorschützung derselben Zwecke und Benutzung derselben Mittel verfuhren. 'Wir erinnern nur au die Unternehmungen des berüchtigten?angrange, der Herren JacgueS in Brüssel und gleichen Speculationen. in Ungarn und Böhmen. Tie Revanche bleibt auf diesem Felde niemals lange aus, weil derartige Schwindeleien niemals lange sich erhalten können. Aber es wäre ztt wünschen, daß dergleichen Versuche nicht mehr tviederholt tmd mit augenblicklichem Erfolge ausgeführt würden; wir wünschen es, wagen es aber kaum zu hoffen. — Ein Zwischenfall bei den Gerichtsverhandlungen ist bemerkenswerth, daß nämlich ein anonymer Brief verlesen ward, der an den Vorsteher des Stadlverordneteneollegiums gerichtet worden; dieser Herr Guggenheimer, ein sehr würdiger Mantt, der trotz aller ultrantontancn Wühlereien von den Stadtverordneten immer wieder zu ihrem Vorsteher gewählt wird, ist, wie Sie wissen, Israelit, und ihm und allen seinen Glaubensgenossen droht das Schreiben, die Häuser mit Petroleum zu verbrennen, wenn der Spitzeder ein Haar gekrümmt würde. Es versteht sich, daß aus kiesen Schwindel Nichts gegeben wird. Guggenheimer und die Juten haben mit der ganzen Sache RicknS zu schassen, und nicht den geringsten Einfluß aus den Gang der gerichtlichen Verhandlungen. Aber von kleriealer Seite wirr eben Arles, dahin zugespitzt, um dem Volke einzureden, alles ihm Mißliebige gehe von den Juden ans. — Jndeß gute Wirklingen haben riese Vorgänge doch. So haben die Stadtbehörden beschlossen, zwei neue Schnlen zu errichten, an welchen für katholische, protestantische und jüdische Zöglinge von resp. Lehrern dieser Eonsessionen der obligatorische Religionsunterricht ans Kosten der Sckmleasie ertheilt werde. Bonn, 20. Juli. Das Jnnihest des „EentralblatteS für die gesammte Unterrichtsverwaltnng in Preußen" enthält folgenden Ministerialerlaß: 7487

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